Interpret:
Brett Anderson
Plattentitel:
Slow Attack
Label:
Edel
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 16.11.2009
So langsam muss man sich daran gewöhnen, dass Brett Anderson nicht mehr der hedonistische Dandy ist, der er mit Suede einmal war. Nach dem Hören von „Slow Attack“ ist man sich aber auch nicht mehr so sicher, ob man diesem Umstand noch eine Träne hinterher weinen soll.
War „Wilderness“ noch formelhaft und abgedroschen in seiner Bemühung, künstlerische Emanzipation durch Reduktion zu erlangen, ist das neue Album eindeutig ein Schritt nach vorne. Teilweise reaktiviert Anderson für die Songs eine Band, doch die Instrumente setzen nur leichte Tupfer in die epischen Songs, die wieder einmal durch ein Meer von Streichern und Andersons so einmalige Stimme getragen wird. Der Opener „Hymn“ lässt einen gar an die unendlichen Weiten erinnern, die Sigur Ros in ihren Songs erschaffen. Die Streicher klingen wie gletscherbedeckte Berge, während man im Panoramaflug die Gipfel umkreist.
Doch ob mit oder ohne Band, entscheidend für das Gelingen dieses Albums ist der Fakt, dass Anderson nach langer Zeit endlich wieder Songs von erhabener Größe geschrieben hat. „The Hunted“ wartet mit einem warmen Bläsersatz auf, in „The Swans“ ist Anderson, wie in so vielen Songs dieses Albums, wieder voll in seinem Element: Er kämpft mit sich, er leidet, doch in diesem Leid steckt auch immer die Hoffnung auf Besserung. Somit steht der Song exemplarisch für dieses musikalische Comeback Andersons. Fast hätte man die Hoffnung auf ein gutes Album von ihm schon aufgegeben. Aber eben nur fast.