Interpret:
Born Ruffians
Plattentitel:
Red, Yellow And Blue
Label:
Warp / Rough Trade
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Matthias Dersch
Essen, 02.06.2008
Eigentlich kann man gar nicht glauben, dass „Red, Yellow And Blue“ das Debüt-Album der Born Ruffians ist, geistern die Songs der drei Jungspunde aus Toronto schließlich schon seit zwei Jahren, in Pop-Einheiten also einer Ewigkeit, in den einschlägigen Blogs herum. Doch tatsächlich, es ist das Debüt, man lässt sich eben Zeit.
Das zeugt von einer gehörigen Portion Selbstvertrauen und dem Wissen, mit seinen knapp 21 Jahren den Großteil des Lebens noch vor sich zu haben. Aus der Sturm und Drang-Phase, auch Pubertät genannt, sind Luke Lalonde, Mitch De Rosier und Steve Hamelin schließlich lange heraus. Die Zeit, in der man sich selbstständig wegen jeder Kleinigkeit verrückt gemacht hat, ist ebenfalls längst vorbei, und die nächste Krise in Gestalt der „30“ ist noch weit genug entfernt, um ganz entspannt nach vorne zu blicken.
Können sie angesichts der Songs auf „Red, Yellow And Blue“ allerdings auch. Die sind nämlich durchweg überzeugend, wenngleich auch nicht so catchy und eingängig, als dass das Trio Angst haben müsste, als nächste Indie-Melkkuh durchs Dorf getrieben zu werden. Man wird sie nicht mit Interview-Anfragen überhäufen, sie nicht auf die Main-Stage des Glastonbury stellen und auch nicht durch jede Fernsehsendung dieser Welt schleifen.
Aber sie werden ihre Fans finden, ihre Platten verkaufen, ihre Konzerte spielen, und dabei mit ihren windschiefen, mehrstimmigen Gesangsarrangements, den unnötig komplizierten Rhythmen und dem unbestreitbaren Gespür für Melodien überzeugen. Wie man die Drei so einschätzt, reicht ihnen das völlig aus. Millionen scheffeln wollen andere, den Born Ruffians reicht es, wenn sie sich Zeit lassen können. Den Stress sollen sich mal die anderen machen.