Interpret:
Bonnie 'Prince' Billy
Plattentitel:
Beware
Label:
Domino / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 23.03.2009
Will Oldhams musikalischen Stammbaum zu zeichnen, könnte einige Tage dauern. Man kommt kaum noch hinterher, bei der Fülle an Material und Menge an Projekten, bei denen Oldham seine Finger mit im Spiel hat. Steuerte er jüngst noch einen Song zum neuen Album von Soul-Diva Candi Staton bei, so legt er nun unter seinem populärsten Moniker Bonnie Prince Billy mit „Beware“ ein neues Album vor. Nachdem er sich auf „The Letting Go“ noch vornehmlich von Gastsängerin Dawn McCarthy begleiten ließ, singt der Barde hier nun wieder überwiegend alleine, oder holt sich einen Chor zu spirituellen Unterstützung.
Wie üblich, möchte der Prinz, dass man ihm Gehör schenkt und gibt sich nicht mit der Rolle als Barmusikant im Hintergrund zufrieden, obgleich eine verrauchte Kneipe und das eine oder andere alkoholische Getränk dieser Platte gut zu Gesicht stehen. Es gibt reichlich Gelegenheit, den Kopf in die verschränkten Arme auf den Tresen zu senken, Gläser zu leeren und erneut zu befüllen. „You Can't Hurt Me Now“ lädt mit weinender Steel Guitar und einem nahezu karibisch anmutenden Blues zum melancholischen Schunkeln ein. Auch „Death Final“ und „My Life's Work“, bei dem gegen Ende schroffe Gitarren und ein blechernes Saxophon die Atmosphäre tragen, gehören in die Kategorie der „sad waltzes“.
Das man auch mit einer Träne im Knopfloch die Mundwinkel ab und an heben kann, zeigt Mr. Billy dagegen mit „Beware Your Only Friend“, bei dem es leichter doch ebenso traditionsbewusst in Richtung „altes Amerika“ geht. Southern Rock -Einwürfe und der Backgroundchor sorgen für eine Note Gospel. Mitreißender noch und folky, das feine „You Don't Love Me“, dessen Rhythmus hauptsächlich von Handclaps und Fiddle, so wie im Finale von luftigen Trompetenklängen bestimmt wird. Sollte man dazu etwa Tanzen dürfen? „You don't love me / that's all right / 'cause you can do me / all through the night.“
Domino muss sich keine Sorgen um die Bandbreite des Katalogs machen. Mit Bonnie Prince Billy und James Yorkston ist das Songwriter-Fach noch immer mehr als gut besetzt.