Interpret:
Bonaparte
Plattentitel:
Too Much
Label:
Staatsakt / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
5.0 von 10
Autor:
Tobias Gnädig
Köln, 16.09.2008
„Do you want to party with the Bonaparte?!“ - Schon die ersten Zeilen auf „Too Much“ lassen keinen Zweifel aufkommen, wo es hier lang gehen soll: Auf schnellstem Wege Richtung Tanzfläche, wo die Partycrowd in Neon-Klamotten nach dem neuen heißen Scheiß dürstet.
Bonaparte kennen sich mit Partys aus, haben illegale unterm Alexanderplatz gefeiert, haben die Afterhour bei Technoraves gerockt und für Quentin Tarantino höchstpersönlich gespielt. Das internationale Kollektiv - über zehn Mitglieder aus acht Ländern - mit Wohnsitz in Berlin trägt auf der Bühne gerne Uniformen und leidet auch sonst nicht an mangelndem Selbstvertrauen: „Too Much“ wurde seit April von der Band selbst als Download an den Mann gebracht, nun folgt die reguläre Veröffentlichung auf Tonträger. Was sich auf Papier so wahnsinnig spannend und bunt liest, klingt dann auf Platte leider ziemlich bieder und wenig aufregend. „Too Much“ ist über weite Strecken weder Electro noch Punk, ist nicht ansatzweise so „verrückt“ oder „energetisch“ wie versprochen, sondern überwiegend spröder Indierock neuer englischer Prägung, der noch dazu unglaublich bemüht nach coolen Posen und Phrasen lechzt, so dass es schlicht und ergreifend „too much“ ist. Beispiele gefällig? Bitte: „You know Tolstoy, I know Playboy, you know politics, I know party chicks…“ („Too Much“), dazu Songtitel wie „Who Took The Pill“, „Anti Anti“, "Lvdngrslvngklls“, „Blow It Up“, „I Can't Dance“ und „3 Minutes In The Brain Of Bonaparte“.
Da passt es ins Bild, dass mit „Gigolo Vagabundo“ der Song, der nicht nur wegen der spanischen Vocals der internationalen Bandbesetzung am ehesten Rechnung trägt und Erinnerungen an die guten alten Mano Negra weckt, positiv heraus sticht. Der Rest ist nicht schlecht, aber auch nicht aufregend. Um die Eingangsfrage nicht unbeantwortet zu lassen: „Nein danke, lieber nicht.“