Interpret:
Big Deal
Plattentitel:
Lights Out
Label:
Mute / GoodToGo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 25.01.2012
Boy meets girl. Big Deal sind Alice Costelloe und Kacey Underwood. Sie Britin aus Künstlerhaushalt, er kalifornisches Landei mit religiöser Erziehung und beide musikalisch bis unter die zeitgemäß frisierten Haarschöpfe. Eine Bandbio, nach der sich Schreiberlinge die Finger lecken. Doch das mediale Verwertungspotential kann nicht der einzige Grund dafür sein, dass sich für die Veröffentlichung von „Lights Out" mit Mute ein traditionsreiches Label gefunden hat, das sich jüngst auf einem Kurs der Neuorientierung und Rückbesinnung auf ursrpüngliche Independent-Wurzeln befindet.
Im Kern der Lieder auf diesem überzeugenden Debütalbum stehen betörender Girl/Boy-Gesang und seitenweise Tagebucheinträge. Big Deal beschwören Jugendzimmer und Vorabendserien-Romantik, sonnendurchfluteter Psychedelic Pop ist ebenso vertreten wie Spuren des Folk der frühen 70er oder dreckige, verwaschene Gitarren. Auch eine Note Surf findet Eingang in den Fuzz-Kosmos von Big Deal. Wen wundert es, hat Underwood doch für niemand Geringeren als den legendären Dick Dale als Gitarrentechniker gearbeitet.
Eine gute, altbewährte Mischung, die zuletzt durch Bands wie Best Coast, Crystal Stilts oder P.S. I Love You aus den Neunzigern in die Gegenwart transportiert wurde. Üblicherweise liest man außerdem immer wieder den Namen Mazzy Star in Zusammenhang mit Big Deal und kann nur zustimmen. The Vaselines darf man vor allem bezüglich Themenwahl sowie Besetzung auch gerne droppen.
„Lights Out" ist damit ein Album, das in den guten Momenten altmodische Ohren und Jugendliebe vereinen kann. „Chair" ist so ein Moment. Eine Melodie, der man sich unmöglich entziehen kann. Unpoliert eingeschrammelt und voll von bittersüßem Schmollen. Es sind kleine, alltägliche Szenarien, die Big Deal zum großen Drama erheben. Niemals bedeutet hier tatsächlich für immer und ohne Blick zurück, wie man in „Distant Neighborhood" hören kann. Doch auch in den ruhigeren Augenblicken kann das Duo durch eine angenehm verschrobene Note punkten. Das feine „Homework" etwa fußt auf reduziertem Picking und dem Zusammenspiel der beiden Stimmen.
Man darf also, auch ohne Verweis auf die offensichtlich erzählenswert erscheinenden Hintergrundinformationen beim nächsten Kneipenbesuch der neuen Thekenbekanntschaft, Big Deal wärmstens ans Herz legen.
Video: „Chair"
Big Deal - Homework from camillebenett on Vimeo.