DETAILS

Inpterpret:
Biffy Clyro

Plattentitel:
Only Revolutions

Label:
Warner

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 23.11.2009

PLATTENKISTE

Biffy Clyro - Only Revolutions

Biffy Clyro - Only Revolutions

Spätestens seit ihrem letzten Album „Puzzle“ sind Biffy Clyro endlich dort angekommen, worauf sie all die Jahre beständig hinarbeiteten: beim perfekten, emotionalen Rocksong (nicht zu verwechseln mit dem perfekten Emo-Rocksong). Das Album verarbeitete den Tod der Mutter des Sängers Simon Neil in mal wütenden, mal todtraurigen Songs, die die Band weit aus der Menge anderer Alternative-Rockbands hievte.

„Only Revolutions“ ist nun die gelungene, weil konsequente Weiterentwicklung des Biffy Clyro‘schen Soundkosmos: Noch immer treffen einen die wuchtigen Gitarrenriffs direkt in die Magengrube. „Bubbles“ ist ein perfektes Beispiel dafür: zu einem treibenden, an die Kings Of Leon erinnernden Groove, mischt sich eine messerscharfe Gitarre, die einen mit Windstärke 10 die Haare zerzaust. Dann setzt der Refrain ein, der einen ins Auge des Orkans vordringen lässt, wo zwar alles um einen herum abzuheben scheint, die Gitarren und Sänger Neil groß und dick auftragen, man selbst aber vor lauter Staunen ob dieser theatralischen Meisterleistung nicht bemerkt, wie der Sturm wieder weiterzieht und einen mitreißt.

In einem Interview mit dem NME vor ein paar Wochen sagte Schlagzeuger Ben Johnston, ein wahrer Biffy Claro-Song zeichne sich dadurch aus, dass man Ende des Songs nicht mehr wüsste, wie er begonnen hat. Wenn dem so ist, dann ist „Only Revolutions“ voll mit echten, großen Biffy-Clyro-Momenten. Man nehme nur einmal die Single „The Captain“, ein schunkelnder Seemanns-Shanty mit bombastischen Kirchenorgeln, Trompeten und einem Refrain, den man bereits jetzt vor seinem inneren Ohr von tausenden von Fans frenetisch besungen hört.

Ein weiteres Beispiel der großen Wandlungsfähigkeit innerhalb eines Songs ist „Many Of Horror“, das als zaghafte Offenbarung beginnt: „You say ,I love you boy‘ / I know you lie“. Aus dieser inneren Verzweiflung heraus wächst dennoch die Hoffnung, dass sich doch noch alles zum Guten wendet: „When we collide we come together / If we don‘t we‘ll always be apart“. Musikalisch wird hier noch einmal im übertragenen Sinne mit der Nebelmaschine und allerlei anderen Effekten gearbeitet. Streicher setzen ein, ein Chor schwebt herein. Das könnte ganz fürchterlich in die Hose gehen und in schnulzigen Kitsch ausarten. Doch in diese Falle tappen Biffy Clyro nicht, da sie jeglichen Bombast dosiert und wohltemperiert einsetzen.

Musikalisch liegen zwar noch ein paar Welten dazwischen, doch das Streben, aus ihrer Musik das letzte Quentchen Emotion zu pressen, verbindet Biffy Clyro mit Muse. Jedoch sind Biffy Clyro die menschlichere, verletzlichere Version, die außerdem nicht so mit ihrem Können an den Instrumenten protzen müssen. Das macht die Schotten zwar nicht besser als ihre großen Vorbilder, aber irgendwie sympathischer.

 

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