DETAILS

Interpret:
Bell Orchestre

Plattentitel:
As Seen Through Windows

Label:
Arts & Crafts / Al!ve

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
5.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 22.06.2009

PLATTENKISTE

Bell Orchestre - As Seen Through Windows

Bell Orchestre - As Seen Through Windows

Die Zeichen für den nächsten Schlag aus dem Hause Arts & Crafts stehen mal wieder nicht schlecht. Wie gewohnt geht nämlich auch bei Bell Orchestres „As Seen Through Windows“ die Liste an Musikern aus diesem Projekt runter wie Öl. Mit Richard Reed Parry und Sarah Neufeld begegnen einem schon zwei Mitglieder von Arcade Fire und mit Mike Feuerstack Snailhouse höchst persönlich. Daneben finden sich aber noch Stefan Schneider und Pietro Amato, die Jorane entliehen wurden sowie Kaveh Nabatian. Diese Namen alleine sollten eigentlich nicht zu viel versprechen, wenn man mit den Kanadiern vertraut ist. 

Doch was man auf „As Seen Through Windows“ zu hören bekommen wird, ist überwiegend viel zu viel versprochen. Das elf Songs lange Album versperrt gerne die Wege zu sich. Es legt sich mit seiner experimentellen Art quer und bietet wenig Halt für einen kurzweiligen Konsum für zwischendurch – erst recht nicht mit Songs, die teilweise die Acht- bzw. Elf-Minuten-Marke erreichen. Man mag Experimente sowie ein großes Oeuvre bei Arts & Crafts und seinen Künstlern gewohnt sein, doch Bell Orchestre lehnen sich mit ihren fast durchweg instrumentalen Klang-Landschaften am weitesten aus dem Fenster. 

Soweit hinausgelehnt schweift der Blick der Band stellenweise sogar gen Richtung Osten. So hat man hin und wieder das Gefühl, dass das durch Fenster Gesehene sich hauptsächlich in Island ereignet hat. So mancher Song auf „As Seen Through Windows“ wird einen an Múm erinnern, denn träumerische Violinen, Trompeten, Waldhörner und Melodicas, die zu verschachtelten Rhythmen davon eilen, sind deren Spezialität. Einzig die überdrehten elektronischen Einlagen und selbstverständlich der Gesang sind fehlende Elemente in Stücken wie „Icicles / Bicycles“, „Bucephalus Bouncing Ball“ oder im Titelstück „As Seen Through Windows“. Es wäre nicht übermütig zu behaupten, dass Bell Orchestre in diesen Stücken wie eine organischere Version der Isländer klingen, auch wenn sie nicht gänzlich auf ihre Keyboards verzichten.

Insgesamt fühlt sich dieses Album tatsächlich wie ein verträumter Blick durch Glas an, der mal auf bedrohlich wirkende „Elephants“ fällt und mal als „The Gaze“ auf übereifrige, polka-eske Einlagen kleben bleibt. „As Seen Through Windows“ ist so etwas wie des Labels erste Experimental-Jazz-Rock-Platte geworden, die keinerlei Gebrauchsanweisung abliefert, sondern lediglich den Soundtrack zu den flüchtigen Landschaften hinter dem durchsichtigen Stoff aus dem Alltag abliefert. Kopfkino, ganz unpersönlich und distanziert.


 

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