Interpret:
Beirut
Plattentitel:
March Of The Zapotec / Realpeople: Holland
Label:
Pompeji Records / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 09.02.2009
„New Recordings From The State Of Oaxaca“. Oaxaca, das klingt bereits nach staubtrockenen Tagen unter sengender Sonne, Und tatsächlich ist Zach Condon alias Beirut für sein neues Album „March Of The Zapotec / Real People Holland“ in den Süden Mexikos gefahren, um sich dort von der Stimmung inspirieren zu lassen. Herausgekommen sind zwei EPs, die nun gemeinsam als ein Album veröffentlicht werden. Dabei könnten die beiden EPs unterschiedlicher kaum sein.
„March Of The Zapotec“ ist derweil die zugänglichere EP mit dem höheren Wiedererkennungswert. Hier flirrt es schwül und stickig in allen Ecken, verbreiten Songs wie „The Akara“ bedrückende Wüstenstimmung, wie es sonst nur Calexico vermögen. Osteuropa bleibt weiterhin ein treibender Faktor in Condons Musik, hinzugekommen ist nun seine Liebe zu Mexiko. Dabei laufen beide Stile ineinander über, wird aus einem Mariachi-Intro ein bleischwerer Balkan-Ompa mit Tuba und Bläsern, bevor sich die Mariachis wieder dazugesellen und so etwas komplett Neuartiges erschaffen („My Wife“). Die Kombination beider Kulturen gelingt Condon nicht nur in der Musik, auch im Albumtitel verbindet er die beiden Zivilisationen mit einander: die Zapotec waren ein Volk im Süden Mexikos, gleichwohl kommt man nicht umhin, auch an den osteuropäischen Langstreckenläufer Emil Zatopek zu denken. So in etwa klingt „March Of The Zapotec“ dann auch: Als würde Zatopek in Oaxaca mühelos einen Marathon laufen.
Die zweite EP „Realpeople: Holland“ setzt das Konzept Beirut mit anderen Mitteln fort. Die leidende, getragene Stimme Condons dient dabei als roter Faden, die Musik hingegen bewegt sich in den elektronischen Tiefen der frühen Achtziger. Ungewohnt ist das, wenn in „My Night With The Prostitute in Marseille“ ein Synth-Arpeggio erklingt, wie man es sonst beispielsweise von den Junior Boys gewohnt ist. Die Songs auf „Realpeople: Holland“ wurden daheim bei Condon aufgenommen und bewegen sich außerhalb des Rahmens. Ein radikaler Stilbruch ist das, an den sich mancher Fan noch gewöhnen muss. Denn ein Song wie „No Dice“ wäre vor 25 Jahren problemlos an jedem Türsteher jeder Diskothek vorbeigekommen.
„March Of The Zapotec / Realpeople: Holland“ ist somit ein Werk geworden, dass sowohl die Vergangenheit, die Gegenwart und Zukunft Beiruts in sich vereint und damit zu einem außerordentlichen Ausrufezeichen geworden ist. Wofür Condon sich auch in Zukunft entscheiden mag, Balkan, Mexiko oder Disco, spielt dabei eine untergeordnete Rolle, solange er mit dem jetzigen Ideenreichtum weiteragiert.