DETAILS

Interpret:
Bear In Heaven

Plattentitel:
Beast Rest Forth Mouth

Label:
Hometapes / Cargo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 16.08.2010

PLATTENKISTE

Bear In Heaven - Beast Rest Forth Mouth

Bear In Heaven - Beast Rest Forth Mouth

Ein sehr schlichtes Cover hat sich die über die Jahre zum Quartett geschrumpfte Band aus Brooklyn, New York für ihr Zweitwerk „Beast Rest Forth Mouth“ von der Künstlerin Laura Brothers da entwerfen lassen. Schlicht aber undurchsichtig. Es starren einen zwar zwei Augen relativ ausdruckslos an, doch kann nicht so recht gesagt werden, ob die Person, deren Augen dort verpixelt wurden, weint oder ob es sich dabei um bis zum Bersten gefüllte Tränensäcke handelt, oder gar Flügel unter ihren Wangenknochen wachsen. Letzteres wird es wohl nicht sein, denn Bear In Heaven wachsen mit ihrem Klang auf „Beast Rest Forth Mouth“ keine Flügel, die sie auf zuckrige Wolken tragen werden.

Der Tränen-Schwall - und so sehe ich es -, der sich da über das Rot ergießt, ist auf dem Cover ein unübersehbarer, ja, schon aufdringlicher, auf der Platte hingegen ist er viel subtiler. Die zehn Tracks auf diesem Album fühlen und hören sich an wie ein stetiges Ansteigen zynischer Selbstverachtung. So als wären zu viele Drogen genommen, zu viele Flaschen Hochprozentiger den Hals runtergespült, zu viele Zigaretten geraucht und Bear In Heaven kommen in einem Moment der Besinnung zu sich, um die verlorenen Hoffnungen mit glitzernder Bitterkeit zu besingen. Viele lyrischen Stellen auf „Beast Rest Forth Mouth“ klingen nach einem möglichen Neuanfang, doch hat mindestens genauso viel ein Verlangen nach einem harten Aufprall auf den Boden der Tatsachen. So heißt es im hitverdächtigen Kernstück „Lovesick Teenagers“, in dem langsam aber energisch der Beat stampft und ein dumpfer Syntehsizer / Sequenzer seine Melodie leiert, „Come on / Come with us / We are going straight down so don't mess up / Now unclear / Before we crash into the ground“. Dass dieselbe Textzeile auch im Schlussong „Casual Goodbye“ mit derselben Melodie benutzt wird und einige Songs ineinander übergehen, die Erzählung des einen Songs aufgreifen und weitererzählen, verdeutlicht nur, dass Bear In Heaven mehr zu sagen haben, als lediglich zueinander passende Songs zu einem Lonplayer zu verarbeiten. „Beast Rest Forth Mouth“ ist ein Konzept.

Orientierungslos stehen wir wie Bear In Heaven an Kreuzungen, Weggabelungen, und wissen weder vor noch zurück. Gefangen zwischen den Himmelsrichtungen, zwischen „East West North South“, denn so sollte der Albumtitel verstanden werden, drehen sie sich um die eigene Achse, während die eine mögliche Richtung in den Rock der 70er Jahre zurückführt, die nächste zu einem verfremdeten Indietronic á la Hot Chip, eine andere zur Neo-Psychedelia und die letzte zum Indie-Rock. Parallelen zu Caribous Debüt „Andorra“ sind da gar nicht mal so weit entfernt. „Looks like you know what you want / So let go and look over around you / Your pirouette will go around the world / Your pirouette will show you any sight“, singen sie trotz aller Orientierungslosigkeiten im Eröffnungstrack „Beast In Peace“ und es scheint für dieses sphärisch-schillernde Album wundervoll zu passen.

Auch wenn das ganze Gerede jetzt den Eindruck hinterlassen könnte, dass Bear In Heaven weder textlich noch musikalisch einer Linie treu bleiben, machen sie es auf „Beast Rest Forth Mouth“ allerdings dem eingeschlagenen Konzept in würdiger Höchstform. Von Anfang bis Ende weiten sich ihre Melodien mal getragen wie in „You Do You“, mal griffig-schwungvoll wie in „Wholehearted Mess“ oder „Fake Out“ und mal meditativ-ruhig wie in „Dust Cloud“ oder „Drug A Wheel“ im Raum aus. Besonders der hallende Klang, der dem ganzen Album und insbesondere der gefällig-dünnen Stimme von Jon Philpot untergelegt wurde, ist ein Hinhörer für sich. Und das wird häufiger geschehen müssen, denn dieses Album ist bittersüß, sperrig und schön zugleich.

Video: „Lovesick Teenagers"

Bear in Heaven : Lovesick Teenagers from Williams & Wade on Vimeo.


 

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