DETAILS

Interpret:
Beach House

Plattentitel:
Teen Dream

Label:
Bella Union / Cooperative Music / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
9.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Jan Nicolai Kolorz
Köln, 01.03.2010

PLATTENKISTE

Beach House - Teen Dream

Beach House - Teen Dream

Baltimore, Maryland. Wem die beiden beispiellosen US-Serien „Homicide“ und „The Wire“ geläufig sind, weiß um die verwahrlosten Orte, die Drogenumschlagsplätze, die vergessenen Straßen und Hinterhöfe dieser Stadt. Die beklagenswerte Rekordquote von rund 300 Morden pro Jahr stellen Baltimore in ein trübes Licht innerhalb des vermeintlich glanzvollen Amerikas. Inmitten dieses Raums schaffen Beach House zum dritten Mal einen hoffnungsvollen Soundtrack zur Diaspora ihrer Stadt. Nach ausgedehnter Tour und langen Reisen schlossen sich Victoria Legrand und Alex Scully in einer umgebauten Kirche ein, die sich bezeichnenderweise Dreamland nennt, irgendwo im Norden New Yorks, um den gesammelten Songideen, die nach ihrer zweiten Platte „Devotion“ entstanden, Form und Seele zu geben. Dies haben sie seit ihrer Debütplatte behutsam verteidigt und nun auf „Teen Dream“ zu einem einheitlichen, ätherischen Gesamtwerk verdichtet, das durch seine zehn erbaulichen, kunstvollen Lieder, eine beruhigende Intensität ausstrahlt.

Das Album beginnt mit einem Gitarrenriff von Scully, dem etwas der Sound von Grizzly Bear anhaftet. Der Verweis ist gar nicht mal weit entfernt, hatte Victoria Legrand doch bei Grizzly Bears „Two Weeks“ ihre ermächtigende Stimme zur Verfügung gestellt. Die Harmonien greifen von der Gitarre über in einen flächendeckenden Synthiesizer, der sich gemeinsam mit Legrands überlagertem Hauchen gegen Ende in unfassbaren Changes verselbständigt. Und gibt es eine poetischere Beschreibung und eine schönere Erhöhung des Zebras, als „Black and white horse / Arching among us“ ? Und wurde jemals der Name „Norway“ genialer von irgendjemandem phrasiert als in dem gleichnamigen Stück, das von Beach House als kleiner Appetizer gegen November letzten Jahres zur Verfügung gestellt wurde? An „Norway“ schmiegt sich der wunderschöne Track „Walk In The Park“ an, der Legrands Stimme mit einem zurückhaltenden, fassbaren Beat dabei unterstützt, wie sie Liebesleid und Liebesfreud wehmütig besingt. Spätestens bei dieser Nummer drängt sich die Frage auf, wie es kommt, dass Victoria Legrand noch nicht den monumentalen Ort im popkulturellen Gedächnis besetzt, wie eine Marianne Faithfull oder Beth Gibbons.

Bei „Used To Be“, einem älteren Beach House-Song, wird die Gesangsmelodie eingangs durch das Klavier unisono untermalt, nachdem sich die Stimmen kurzerhand wieder voneinander lösen und bei „Lover Of Mine“ wieder zusammenfinden. Letzterer Song wird getragen von einem knochentrockenen Beat, den so mancher French-House-Produzent gerne aus dem Ärmel gezogen hätte. Was Chris Coady hier an Hall entnimmt, fügt er umso mehr Legrands Stimme zu. Die produktionstechnische Kunstfertigkeit bei Coady, der bereits für TV On The Radio, …Trail Of Dead, We Are Scientists und den Yeah Yeah Yeahs arbeitete, besteht darin, den bandeigenen Sound, der sich seit ihrer Debüt-Platte über den Nachfolger „Devotion“ gehalten hatte, beizubehalten. Die Entwicklungen, die dem Zeitgeist erlegen sind, greift er subtil auf und fügt sie behutsam in das Gesamtwerk ein: Legrands Stimme ist ein wenig weiter vorne und Scullys Gitarre gerät ebenfalls mehr in die Offensive.

Beach House erheben ihre unschuldigen „Teen Dreams“ zur ausgereiften Form, die mit der neuen Platte eine unfassbare Intensität verströmen lässt – schaut man in die unzähligen Veröffentlichungen der letzten Jahre, so mag man feststellen, dass eine Platte mit vergleichbarer Tiefe und Intensität schwer zu finden ist.

Video: „Walk In The Park (live)“

BEACH HOUSE Walk In The Park from wow magazine on Vimeo.


 

Freunde

 
 
 
 

Wir Präsentieren:

 
 
 
 

Prunkstücke