DETAILS

Interpret:
Arcade Fire

Plattentitel:
Neon Bible

Label:
Merge / City Slang / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
9.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Benjamin Adler
Dortmund, 23.01.2008

PLATTENKISTE

Arcade Fire - Neon Bible

Arcade Fire - Neon Bible

Den einfachen Weg sind The Arcade Fire mit ihrem zweiten Album „Neon Bible“ nicht gegangen. Zu leicht wäre es gewesen, das Erfolgsrezept ihres Debüts „Funeral“ zu kopieren und weitere Songs über ihre Nachbarschaft zwischen Tragödie und Freudenschrei zu schreiben. Diesmal musste alles eine Spur größer sein, nicht mehr nur die Welt, das ganze Universum sollte umarmt werden. Welch besseren Platz könnte man sich da für die Aufnahmen aussuchen als eine Kirche, bestückt mit einer gigantischen Orgel? Die Kanadier verschanzten sich dort für mehrere Monate und traten mit einem Werk zurück ans Tageslicht, das tatsächlich opulenter, intensiver und sogar besser ist als sein Vorgänger.

Der Titel deutet es bereits an: „Neon Bible“ bietet die Offenbarung in 11 Akten und sammelt seine Schäfchen mit sprachlos machenden Songs wie dem überwältigend großen „Intervention“ oder dem von Tränen überfluteten „Ocean Of Noise“ ein. Wer Ohren hat zu hören, der lausche dieser Predigt. Win Butler klingt mehr denn je wie ein verzweifelter Mann auf einer Kanzel, der das Ende kommen sieht. Sein weiblicher Gegenpart Regine Chassagne erörtert im ersten Teil von „Black Wave, Bad Vibrations“ die Situation, bis dann Butler mit seiner flehenden Stimme „Stop now before it´s too late“ skandiert. Der Song verwandelt sich innerhalb einer Sekunde in einen gewaltigen Brocken, der das aus Intensität und Originalität gebaute Fass zum Überlaufen bringt.

Ansatzpunkte bieten sich zuhauf. Wirklich überraschend an dieser Platte ist vor allem die Tatsache, dass The Arcade Fire es schaffen, ein neues Gesicht zu offenbaren. Viele vor ihnen sind mit der „Höher, Schneller, Weiter“ -Masche grandios gescheitert, aber diese Band kann gar nicht bombastisch genug sein. Die Kirchenorgel tut da ihr übriges, wenn sie aus dem eher leisen „My Body Is A Cage“ das Monstrum macht, dass „Neon Bible“ mit einem Feuerwerk abschließt. Man wünscht ihnen alle Instrumente dieser Welt, um ihren Sound noch dichter, noch undurchdringlicher werden zu lassen. Solch großartige Songs wie „No Cars Go“ und „Windowsill“ kann kein Sturm dieser Welt hinwegfegen, weil sie aus einem Fundament aus Melodie und Kreativität gebaut und mit schierer Wucht beschwert worden sind.

In 10 oder 20 Jahren wird man auf dieses Jahrzehnt zurückblicken und The Arcade Fire als eine der prägendsten Bands dieser Zeit ansehen. Nicht zuletzt hat „Neon Bible“ ein großes Stück dazu beigetragen. Denn wer von euch Ungläubigen würde einem Prediger widersprechen?


 

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