Interpret:
Antony & The Johnsons
Plattentitel:
The Crying Light
Label:
Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 19.01.2009
Vielleicht ist dieser unerbittlich kalte Winter in Deutschland nur ein Marketing-Trick von Antony Hegarty, um sein neues Album „The Crying Light“ zu promoten. Zuzutrauen wäre ihm dieser geniale Schachzug, denn wer mit Zeilen wie „Kiss my name / Mama in the afterglow / When the grass is green with grow / And my tears have turned to snow“ („Kiss My Name“) aufwartet, dem kann man einen sehr guten Draht zu Mutter Natur bescheinigen.
Wenn es draußen kalt ist, hat man ein besonderes Bedürfnis für Wärme und Geborgenheit. Das weiß auch Antony und schenkt uns zehn Songs, die vor Wärme und Geborgenheit nur so strotzen. Im Vergleich zum vielgelobten „I Am A Bird Now“ verzichtet Antony in seinen Texten größtenteils auf Anspielungen über sein Geschlecht und vertieft sich umso mehr in die Welt um ihn herum. Der Ozean, das Meer und der Garten. Die Sonne und die Sterne. Und mittendrin statt nur dabei Antony, der diese Farbenpracht mit all seinen Sinnen aufsaugt und sie in metaphysische Betrachtungen zur Natur verarbeitet: „I’m gonna miss the sea / I’m gonna miss the snow / I’m gonna miss the bees / I’ll miss the things that grow“ singt Antony im Kernsong „Another World“ mit einer Wehmut in der Stimme, die man auch als fatalistisch beschreiben könnte.
Die Songs leben von Antonys schillernder Persönlichkeit, die unweigerlich hinter jedem Song hervorlugt. Auf Experimente, wie dem Höllengospel „Shake That Devil“ von der kürzlich veröffentlichten EP, wird hier verzichtet. Auf „The Crying Light“ bekommt man den verletzlichen, gefühlvollen und leidenden Antony, der mit seinem zurückgefahrenen Klavierspiel und seiner Falsettstimme immer noch sprachlos macht. Es ist diese Entrücktheit, diese Authentizität, die Antony zu einem Ausnahmekünstler und „The Crying Light“ zu einem Ausnahmealbum machen. Egal, wie kalt oder warm es draußen gerade ist.