DETAILS

Interpret:
Animal Collective

Plattentitel:
Merriweather Post Pavilion

Label:
Domino / Indigo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 19.01.2009

PLATTENKISTE

Animal Collective - Merriweather Post Pavilion

Animal Collective - Merriweather Post Pavilion

Ich guckte nicht schlecht, als der Kölner Stadt-Anzeiger am Mittwoch der letzten Woche auf der Titelseite von einem „psychedelischen Meisterwerk“ sprach. Und gleich darunter erwähnte, dass Animal Collective den Pop neu erfinden würden. Nicht weil mir dieser Bandname noch kein Begriff war stutzte ich kurz. Es lag am genauen Gegenteil. Gerade weil er mir ein Begriff ist, hinterfragte ich diese Schlagzeile. Dies jedoch nicht im Bezug auf das nun siebte Album der Experimantal-Indie-Rock-Band aus Baltimore, sondern im Hinblick auf den Gehalt dieser Zeilen. Eine Band, die seitdem sie Alben veröffentlicht, regelmäßig für ihr Schaffen in der Form gelobt wird, dass die Kritiker sich fast immer einig sind und Bestnoten vergeben, kann nicht erst mit diesem Album ein so hoher Stellwert beigemessen werden. Erst recht nicht im Pop-Diskurs.

Weiter will ich diese kleine Anekdote auch nicht vertiefen. Nur noch so viel: „Merriweather Post Pavilion“ ist bei weitem das vielleicht einfachste Album von Animal Collective. Und damit spreche ich nicht automatisch von „Ausverkauf“, „Hype“ oder Ähnlichem. So manchem wird dieses Album trotz seiner Offenherzigkeit und schon sanften Strukturen noch immer ein Rätsel im Animal-Collective-Kosmos bleiben. Trotzdem werden sie mit diesem Album ihre Fangemeinde vergrößern können und somit auch die ihrer Kritiker. Ob sie deswegen den Pop neu Erfinden? Soweit werde ich mich nicht aus dem Fenster lehnen.

„Merriweather Post Pavilion“ besticht besonders durch seine Ruhe, die es in jedem Song auszustrahlen scheint. Während „Strawberry Jam“ streckenweise an kalkuliertem Wahn erinnerte, öffnen sich hier zuhauf die Türen eines möglichen Zugangs zur Band, ohne dass sie dabei auf ihre vielschichtigen Produktionen verzichten müsse. Es scheint, als wären fast alle rumpelnden Elemente aus ihrem Klang getilgt und durch atmende Klangkollagen ersetzt worden. Die beiden Songs „My Girls“ und „Also Frightened“ sind zwei schillernde, pulsierende Beispiele für den Gesamteindruck, den „Merriweather Post Pavilion“ hinterlassen wird. Sachte verdichtet sich das Songgefüge zu einem mit einem Nebelschleier versehenen Ganzen, das ohne eine klar zu erkennende Struktur von Strophe und Refrain auszukommen scheint.

Eine klassische Pop-Struktur wird hier wenn überhaupt nur zaghaft angedeutet. Alleine die aus einem hinteren Raum kommenden und dennoch bestechend klaren Stimmen Avey Tares und Panda Bears lassen sich kaum in dem Konzept eines „typischen“ Songs fassen. Aber auch die selten progressiven Beats, tragen zu diesem Eindruck bei. Einzig die Eröffnungsnummer „In The Flowers“ oder die folgenden „Summertime Clothes“ und „Brother Sport“ scheinen gegen die plötzliche Raum-Affinität von Animal Collective mit geradlinigen Anschlägen, pumpenden Perkussionen und vertrackten Rhythmen zu rebellieren. Diese Stücke machen jedoch alles andere als aus dem Rahmen der elf Stücke auf „Merriweather Post Pavillion“ zu fallen. Obwohl sie deutlich an Energie zulegen, haftet auch diesen Songs ein träumerisches Gefühl zwischen Hall und Spielereien an.

Besonders „Summertime Clothes“ macht bei all der hypnotisierenden Behaglichkeit enorme Lust darauf, das Album im Sommer in besagter Kleidung zu hören. Dass Animal Collective für dieses Album im Gegensatz zu den vorherigen wieder als Trio im Studio waren (Deakin war an den Aufnahmen nicht beteiligt), hat vielleicht dazu beigetragen, dass es wenn man so will „psychedelisch“ zugeht. Ruhig und anziehend ist „Merriweather…“ aber alle mal geworden und garantiert alles andere als eine „Daily Routine“. Dabei spielt es sogar keine Rolle, ob Didgeridoos in „Lion In A Coma“ zur starren Rhythmus-Fraktion angestimmt werden. Dieses Album ist so etwas wie der perfekte Start ins neue Jahr geworden und überzeugt fast durchgängig mit einer gehörigen Portion „Taste“. „No More Runnin“ ist das Stichwort für dieses Album und das bezieht sich dann wohl auch auf die Quadratur des Pops.


 

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