Interpret:
Andrew Bird
Plattentitel:
Noble Beast
Label:
Bella Union / Cooperative Music / Universal
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Renate Bichert
Remscheid, 23.02.2009
Glaubt man es oder nicht, „Noble Beast” ist schon das elfte Album von Andrew Bird und dabei klingt es so Frisch und Jung wie der Frühling selbst. Es trägt eine leichte Hippie-Atmosphäre ohne das nervige Gutmenschartige in sich und beschreibt die Welt mit Mathematik und Zauberei.
Beim ersten Hören fragt man sich: wo ist denn hier das Biest in „Noble Beast”? Zur Einleitung gibt es fröhliches Gepfeife im ersten Song „Oh No” und auch später ist das Album nur so von zauberhaften Geigen und Akustikgitarren durchzogen. Selbst nach so einer langen Musikkarriere klingen die Instrumente, als würden sie mit dem Spieltrieb eines Kindes betätigt. Die Musik klingt nach Natur, Sonne und leichtem Weißwein – eigentlich genau so, wie das Albumcover es verspricht. Doch hört man genau hin, findet man das Biest in den Texten: „I will become this animal / Perfectly adapted to the music halls / I will become this animal / Anomalous appendages, A non-animal.“ Andrew Bird erzählt von Taschenrechnern, die die Köpfe von Soziopathen sprengen und den Verschwörerischen Gedanken eines Einzelgängers. Und plötzlich passt der Kontrast „Noble Beast” – es ist ein Rechenbiest.
Erstaunlich viele Texte auf „Noble Beast“ beziehen sich auf Mathematik und Maschinen: „Love of hate acts as an axis“. Doch muss man kein Mathematiker sein, um den Zauber in diesen Formeln zu berechnen. Andrew Bird verschlüsselt eine traurige Welt in schönen Melodien und lässt mit seinen Songs die Trauer fliegen. Es ist eine einzigartige Vermischung von Verstand und Phantasie. Ein besonders schöner Song auf „Noble Beast” ist „Not A Robot, But A Ghost”, der sehr an die Geschichte von Alan Turing erinnert, ein Mathematiker, der im zweiten Weltkrieg eine Rechenmaschine entwickelt hat, die Turing-Bombe, die den ENIGMA-Code entschlüsseln konnte und als Vorläufer des Computers gilt.