Interpret:
Akron/Family
Plattentitel:
Set 'Em Wild, Set 'Em Free
Label:
Dead Oceans / Crammed / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 08.06.2009
Fünf Alben innerhalb von nur vier Jahren ist der momentane Stand der Dinge bei der Akron/Family. Überaus beachtlich. Doch kaum ist so etwas ausgesprochen, hört man sie wieder rufen, die Essentialisten unter den Musikfans. Sätze wie „Zwischen den einzelnen Alben sollten mindestens schon zwei Jahre liegen, bevor ein neues erscheint“ sind allseits bekannt, aber wie ich finde, nicht mehr unbedingt haltbar. Ganz davon abgesehen, dass es der Musikindustrie wirklich nicht gut geht, liegen die Sachverhalte momentan ganz anders. Schlag auf Schlag-Veröffentlichungen hat es schon immer gegeben, aber noch nie war es so einfach für Bands, Interpreten und Interpretinnen ihre künstlerichen Bestrebungen zu produzieren. Warum also lange warten? Raus damit: „Set 'Em Wild, Set 'Em Free“.
Mit diesem Titel bekräftigt die Akron/Family nicht nur meine Hypothese sondern auch noch ihre Position als psychedelische Alternative Folk-Kapelle aus Brooklyn, New York. Und in Anbetracht der Tatsache, dass ihre bisherigen vier Alben alle gute bis sehr gute Kritiken erfahren haben, ist „Set 'Em Wild, Set 'Em Free“ mit seinen elf aufdrehenden Tracks ein legitimer, weiterer Schritt, in dem noch immer genügend waghalsige und meditative Momente stecken, die für die nächsten fünf Alben in vier Jahren ausreichen können.
In vielerlei Hinsicht stehen die Türen auf „Set 'Em Wild,…“ weit offen, denn die Gradwanderung der Band, die irgendwo bei Modest Mouse anfängt, sich über Grizzly Bear hinweg hangelt, Animal Collective streift und hin und wieder mit der Beta Band und dem Funk flirtet, ist schon ziemlich eingängig. Eingängig jedoch nur für den Moment, habe ich das Gefühl. Trotz mehrfacher Hördurchgänge stehe ich am Ende der Platte angelangt stets da und versuche mich zwanghaft zu erinnern, wie lässig die ersten drei Songs nochmal waren. Alleine die Eröffnungsnummer „Evereyone Is Guilty“ fetzt im Wechselspiel aus funkiger Gitarre und surrendem Bass zu im Hintergrund schimmernden Hammond-Orgeln ordentlich daher. Dazu kommen progressive Wandlungen, die den Song ganz plötzlich unter Getose in eine völlig andere Richtung werfen.
Dabei ist die von der Akron/Family unentwegte Verschmelzung vieler Stile nichts wirklich Neues mehr. Unsere Ohren sollten mittlerweile für solche Klänge genügend konditioniert sein. Ansonsten würde man schlichtweg die auf Drumcomputern und Bässen betäubt tanzenden „Creatures“ verpassen. Doch jenes Bild, das man von der Band zu haben scheint, ändert sich schneller als einem lieb sein kann. „The Alps & Their Orange Evergreen“ oder „Set 'Em Free“ sind ganz geradlinige Folk-Nummern geworden, die mit ihrem gepickten Gitarren und Steel-Slides dennoch nicht ganz im Abseits zum Rest der Platte stehen. Es scheint sogar, dass diese beiden Stücke tatsächlich Startschuss, zur Freilassung der Monster gewesen sind, denn von nun an kann es auf „Set 'Em Wild,…“ lauter, manischer und psychedelischer werden.
„Many Ghosts“ erscheinen schon in der über sieben Minuten langen Prog Rock-Nummer „Gravelly Mountains Of The Moon“. Schlussendlich kann man sich aber sicher sein, dass auch diese vertrieben sein werden und die „Sun Will Shine (Warmth Of The Sunship Version)“. „Last year was a hard year for such a long time / This year is gonna be ours“ heißt es in „Last Year“, warum also warten? Raus damit: „Set 'Em Wild, Set 'Em Free“.