DETAILS

Interpret:
Air

Plattentitel:
Love 2

Label:
Virgin / EMI

VÖ:
02.10.2009

Punkte:
8.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 28.09.2009

PLATTENKISTE

Air - Love 2

Air - Love 2

Air war für mich immer wie eine verschlossene Tür. Eine Tür, die so schien, als würde sie kein Aufsehen erregen und das Betreten keine unabdingbare Pflicht wäre. Hier musste der große Bruder dem „Little Brother“ erst einmal den Schlüssel in die Hand drücken und einen gehörigen Schubs geben. Ähnlich wie mit Radiohead lernte ich erst spät das Fabelhafte in den Songs kennen, das Besondere. Fand man dann aber Zugang zum Raum hinter dieser Tür, konnte es ungehemmt los gehen mit Songs wie „All I Need“ vom traumhaften Debütalbum „Moon Safari“ oder meinem persönlichen Favoriten-Werk „Taklie Walkie“.

„Love 2“ ist das fünfte Studioalbum des französischen Pop-Duos Air. Jean-Benoit Dunckel und Nicolas Godin werkelten zum ersten Mal völlig im Alleingang, in ihrem Nord-Pariser Studio Atlas an ihren Arrangements und Lyrics. Lediglich zwei Jahre hat es gedauert, bis sie vom Erfolg des vorausgehenden Albums „Pocket Symphony“ und der darauf folgenden „Close Up“-Tour durch Südostasien Zeit für die Veröffentlichung eines neuen Albums fanden.

Ganz wie der Titel bereits andeuten möchte, steigen Air auf eine zweite Stufe. Ihre Songs scheinen in eine andere Dimension geraten zu sein. Wenn die gewohnten Songstrukturen und die ideenreichen Arrangements von ihren Vorgänger-Alben noch wie ein makelloser Industriepullover wirkten, hüllt sich „Love 2“ wie ein handgefertigter Wollpullover um das Herz des Musikliebhabers. Ihr handwerkliches Geschick zeigt sich im kantigen „Be A Bee“, das mit dem treibenden Schlagzeug auf die ganze Glätte rotzt, die man normalerweise bei den Songs von Air gewohnt ist. Schon der zweite Song „Love“ wirkt mit dem funkigen Bass und den zwar typischen synthetisierten Frauenstimmen einfach anders als das Gewohnte. Ob Air diese Entwicklung gebraucht hätten, ist Ansichtssache. Klar ist, dass „Love 2“ die beiden Franzosen ein ganzes Stück weiter gebracht hat. Auf die gerngesehenen Klangfarben, die so spielerisch sowie unberechenbar wirken, muss man trotzdem nicht verzichten. Hie und da eine Blockflöte, die vom feinfühligen Jazzsaxophon abgelöst wird, wie in „Tropical Disease“ oder das große Finale mit Arpeggio-Gitarre in „African Velvet“. Neben solchen ausgeklügelten Raffinessen von Instrumentalsongs übersieht man dann tatsächlich lupenreine Air-Hits wie die voraussichtlich erste Single „Sing Sang Sung“. Persönlicher Favorit, wenn man sich denn auf einen Song einigen kann ist „Eat My Beat“, das direkt aus einer 1980iger US-Agentenserie stammen könnte.

Das man mit so wenig Gesang so viel aufbauen kann, scheint man gelegentlich zu vergessen. „Love 2“ ist ein traumhaftes Werk, das sich hervorragend in die Meilenstein-Diskographie von Air einreiht und sich definitiv in höheren Gefilden in unserer diesjährigen Bestenliste herumtreiben wird. Wortlos, nur mit zwei verträumten Blicken und einer weiten, breiten Klangwelt.

Video: „Sing Sang Sung"

Sing Sang Sung / Air from Moon on Vimeo.


 

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