Aimee Mann - @#%&*! Smilers

Na, wer flucht denn da? Aimee Mann ist es, die mit ihrem aktuellen Album deutlich sagt, was sie von inhaltsleeren Grinsern hält. Das @#%&*! in „@#%&*! Smilers“ darf dabei gerne als fucking verstanden werden, obgleich Frau Mann seit jeher nichts mit rotzigem Punk oder brüllender Wut am Hut hat. Vielmehr ist die Dame eine Geschichtenerzählerin, lebt sehr aufmerksam in ihrer Umwelt. Seit geraumer Zeit lässt sie die geneigte Musikliebhaberschar an ihren Beobachtungen teilhaben und klingt nun mit dem neuen Werk so direkt und unmittelbar wie zuletzt auf dem „quasi“-Erfolgsalbum „Bachelor No. 2“.
Kommerzieller Erfolg war dabei jedoch noch nie das oberste Ziel der Songwriterin, die für ihren Soundtrack zu „Magnolia“ für den Oscar nominiert war. Deshalb zieht sie die Arbeit mit dem eigenen Label Super Ego Records jeder großen Plattenfirma und deren Marketingmaschinen vor, auch wenn das bedeuten mag, nie die Masse der potentiellen Hörerinnen und Hörer zu erreichen. Dabei schreibt Aimee Mann Lieder, die den Pop nie leugnen und dabei doch eine persönliche Tiefe besitzen. Das folkige „Freeway“ etwa würde auch im Radio eine gute Figur machen, durch goldene Nachmittagssonne strahlen.
Ärgere man sich aber nicht weiter ob der nur in Fachkreisen vorhandenen Anerkennung, sondern freue sich einfach, Stücke wie das entspannt schnippische „Looking For Nothing“ oder die traurig-schöne Ballade „It`s Over“ hören zu können. „You love me like a dollar bill/ you roll me up and trade me in“, singt Mann im einnehmenden Country Pop „Phoenix“. Es sind Zeilen wie diese, die zugleich einfach und doch hintersinnig daherkommen, die „@#%&*! Smilers“ zu einem besonderen Album machen.
Weiterhin bleibt die klare, durchdringende und doch wohlige Stimme ein Kernstück der Magie. Bei „The Great Beyond“ ist sie ganz im Zentrum, wirkt begleitet von irrlichternden Orgelklängen beruhigend auf den Hörer ein. Das sanfte „Littlle Tornado“ sorgt gar für einen angenehmen Schauer auf dem Rücken, Lieder wie dieses nimmt man seiner Liebsten auf. Wärme und ein matter Schimmer haben den Raum erfüllt und weichen nur zaghaft, wenn mit „Ballantines“ der trinkfreudige Rausschmeißer verklungen ist.
Erwähnenswert ist außerdem noch, dass Aimee Mann bei der Produktion von „@#%&*! Smilers“ gänzlich auf elektrische Gitarren verzichtet und stattdessen der Orgel einen maßgeblichen Platz eingeräumt hat, sowie die Tatsache, dass Grant Lee Phillips beim Text zu „True Believers“ ausgeholfen hat. Am Ende verneigt man sich vor einer gestandenen, gereiften Künstlerin, die nach zwei Konzeptalben die Lust am befreiten Songschreiben wieder gefunden hat.