Interpret:
afarOne
Plattentitel:
Lucen
Label:
Karlrecords / Broken Silence
VÖ:
03.02.2012
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Isabel Parzich
Wuppertal, 01.02.2012
Entschleunigung. Vermutlich ein inflationär gebrauchter Begriff, ebenso wie sein Pendant Burnout. Dass es aber beizeiten kein falscher Zug ist, mal einen Gang zurückzuschalten und sich Zeit zu nehmen, beweist Stefano Ruggeri aka afarOne auf eindrucksvolle Weise.
Der in Spanien lebende Ruggeri, der eine klassische Pianistenausbildung genoss und „music for visual media“ komponiert, um sich über Wasser zu halten, ließ sich tatsächlich drei Jahre bis zur Vollendung seines Albumdebüts „Lucen“ (Span.: scheinen, leuchten) Zeit. Sowohl die Ruhe als auch der Perfektionismus spiegeln sich in diesem Werk wieder, ohne dabei verkopft zu klingen. Ganz deutlich kristallisieren sich Ruggeris Vorbilder heraus, die zum einen in der Klassik anzusiedeln sind, so beispielsweise Arvo Pärt oder Anton Webern, zum anderen der elektronischen Musik entstammen, so wie die Klangtüftler Alva Noto oder Thomas Köner.
Immer wieder wird ein intensives, melancholisches Klavierspiel von hypnotischen, fesselnden und nahezu dronigen Beats untermalt oder unterbrochen. Immer wieder überschlägt sich der Atem beinahe beim Versuch, die Intensität abzustreifen. Das hier ist Filmmusik. Musik für den eigenen Film. Losgelöst. Befangen. Berührt. Euphorisch. Für die, die Murcof mögen, aber auch für die, die Nils Frahm verehren.
Dieses Album fasziniert – gänzlich ohne Utopie im Rücken.
Stream: „Stravogin“