Interpret:
Adele
Plattentitel:
21
Label:
XL / Beggars / Indigo
VÖ:
21.01.2011
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 19.01.2011
Vielleicht verhält es sich beim Titel des neuen Albums der englischen Sängerin Adele ähnlich wie mit den Markierungen im Türrahmen, die man von seinen Kindern an den Geburtstagen nimmt. Jene Markierungen, mit denen man nachweist, wie sehr der eigene Spross im Laufe eines Jahres gewachsen ist. Wären Adeles Debüt „19“ und ihr neues Album „21“ zwei dieser Einkerbungen, man müsste ihr definitiv einen unglaublichen Wachstumsschub attestieren.
Denn wo „19“ vor zweieinhalb Jahren trotz Platinauszeichnungen und 2 Millionen verkaufter Exemplare im Schatten von Duffys „Rockferry“ nur bedingt zur Geltung kam, erstrahlt „21“ nun umso heller. Der raue, ungeschliffene Gospelblues der ersten Single „Rolling In The Deep“ eröffnet ein Album, auf dem sich Adele nach Herzenslust austoben kann. „Rumour Has It“ wandelt zwar noch in den stampfenden Fußstapfen des Vorgängers, doch wie der Song zur Mitte hin in ein streicherverhangenes Lamento mündet, in dem Adele die Stärken ihrer Stimme voll ausschöpfen kann, das zeugt von Reife und gesteigertem Selbstbewusstsein.
So schafft es Adele auch mühelos, eine kitschgefährdete Ballade wie „Turning Tables“ zu einem Highlight des Albums zu machen. Denn wo die Christina Aguileras oder Leona Lewis‘ dieser Welt den Song mit ihren zweifellos großartigen Stimmen zugekleistert hätten, verleiht Adele diesen vier Minuten eine gänsehauterzeugende Authentizität, die einen am Ende des Songs erst einmal kräftig durchatmen lässt.
„21“ schwelgt wie auch sein Vorgänger in der wärmenden Nostalgie früher Soul-Klassiker, doch ist der Pop-Appeal der Songs noch spürbar erhöht worden. „I‘ll Be Waiting“ mischt klassischen Motown mit dem „Freedom“-Thema George Michaels und schafft, ähnlich wie im letzten Jahr Plan B, ganz großen Pop, der sowohl im Radio als auch im Feuilleton gleichermaßen goutiert werden wird. Am Ende wagt sich Adele sogar noch an eine Interpretation des alten Cure-Klassikers „Lovesong“ und lässt diesen in südamerikanisch angehauchtem Barjazz-Glanz neu auferstehen. Man darf gespannt sein, ob Adele auch ihr drittes Album nach ihrem aktuellen Alter betiteln wird. Sollte dies der Fall sein, scheidet die Türrahmen-Metapher schon mal aus. Denn dazu müsste zunächst ein größerer Türrahmen gebaut werden.
Video: „Rolling In The Deep“