DETAILS

Interpret:
Aaron

Plattentitel:
Birds In The Storm

Label:
Cinq7 / Wagram

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
6.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Julia Seiffert
Köln, 01.02.2012

PLATTENKISTE

Aaron - Birds In The Storm

Aaron - Birds In The Storm

„Komm mit mir mit. Komm mit ins Nimmerland.“, so pflegte es Peter Pan immer zu sagen. Die Parallelen von Musik bis zum Bandnamen sind bei Aaron nicht abzustreiten. Aaron bedeutet „Artifical Animals Riding On Neverland“ und ist jener Zufluchtsort des nie erwachsen werden wollenden Peter Pans. Wie in der fiktiven Geschichte besitzt man hier den Schlüssel zu einer Tür, die den Blick für einen ruhigen und stillen Zauber öffnet. Die Reise in eine fast vergessene Welt erzeugt das französische Elektropop-Duo mit seinen tiefgründigen, wahrhaftigen und teils düsteren Geschichten, die Sänger Simon Burets mit seiner ausdrucksvollen und tief bewegenden Stimme mit Leben füllt. Auf ihrem zweiten Studioalbum „Birds In The Storm“ geht es um Licht, Atmosphäre und bewegende Arrangements. 

Die langsamen Nummern sind das Markenzeichen der Band. Sie sind es, die Aaron auszeichnen. Hier stellen sie ihr Können unter Beweis. Schnellere, gar rockigere Nummern stehen ihnen nicht annähernd so gut. Songs wie der Opener „Ludlow L“ oder „Seeds Of Gold“ weisen eine ernüchternde Monotonie auf, die einen kalt lässt. Alles bewegt sich auf einer brummenden Ebene aus Langeweile, die der Band nicht gerecht wird. Denn Tracks wie das großartige „Rise“ schlagen sich um die Ohren und hallen Liebesbotschaften voller Hoffnung hinein. Der Beat setzt wie ein kräftiger Herzschlag ein und berührt einen im tiefsten Inneren. Ein Schleier aus trauriger Melancholie hüllt sich um einen, ganz langsam, aber fest und schnürt allmählich die Kehle zu. Man atmet schwer, schließt die Augen, bis hin zur vollen Dramatik, die der Song beinhaltet.  

„Inner Streets“ schafft es als einziges rasantes Lied auch auf diese Weise zu begeistern. Die tanzenden Pianotasten klimpern fröhlich und schaffen mit dem nickenden Beatrhythmus eine wohlwollende Stimmung. Nicht so bei „Waiting For The Wind To Come“. Der stöhnende Gesang wirkt leicht verstörend und zerstört den eigentlich starken und impulsiven Track, der sich ausnahmsweise mal traut, aus der Masse auszubrechen. Schnell weg von den lauten zu den ganz leisen Tönen, die sich für den Rest des Longplayers auch fortsetzen. Mit den düsteren Zeilen: „Hello Darkness, what's your name today“, beginnt „Song For Ever“ und bewegt sich in den dunklen Tiefen der Einsamkeit. Eine einzelne Gitarre zupft ehrliche Tränen des Alleinseins. Ein großes Loch zieht auf und lässt einen unvermittelt hineinstürzen. Immer tiefer fällt man, bis man bei „Arm Your Eyes“ auf den weißen, glänzenden Tasten eines Klaviers landet und sich dem Schmerz des Sängers hingibt. 

Man muss aufpassen, dass man nach dieser Platte in keine depressive Winterstimmung verfällt, denn diese momentane Kälte, die draußen herrscht, nimmt nun Platz im Inneren. Teilweise verlieren sich Aaron auch selber darin und tauchen bis zuletzt gar nicht mehr auf. Es ist einen Wimpernschlag zu viel. Zu viel Leid, zu viel Schmerz, zu viel Gefühl, was einen überhäuft und fast erschlägt. Manchmal sollte man beim klischeehaften „Weniger ist Mehr“ bleiben. 

Video: „Rise“


Aaron - Rise - MyVideo


 

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