Interpret:
A Life, A Song, A Cigarette
Plattentitel:
Black Air
Label:
Siluh / Broken Silence
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Tobias Gnädig
Köln, 01.12.2008
So wie Konstantin Groppers Get Well Soon in diesem Jahr immer wieder als „die deutschen Bright Eyes“ beäugt wurden, erging es 2007 auch dem Wiener Stephan Stanzel und seiner Band A Life, A Song, A Cigarette, deren Erstling „Fresh Kill Landfills“ ihnen das Etikett der „österreichischen Bright Eyes“ einbrachte. Nicht zu Unrecht, wohlgemerkt, gab es darauf doch in der Tat ein Füllhorn an Referenzen zu entdecken.
„Black Air“ wird an diesem Vergleich nicht viel ändern, traut sich gleichwohl mehr als der Vorgänger. Es geht heiter los: Zu tosendem Jubel rumpeln A Life, A Song, A Cigarette durch den kurzen Opener „Babyface“, der Folk und Americana weit hinten anstellt und sich als ein ungemein catchy Popsong entpuppt. Auch „Dear“ verharrt in dieser Stimmung, doch mit „Devil“ zeigt die Stimmungskurve dann nach unten und hält der frühe Omaha-Sound wieder deutlichen Einzug in die Musik der Wiener. Auch „Down“ sowie der Titelsong „Black Air“ sind warm instrumentierte, traurige Folksongs, getragen von Streichern und Stanzels brüchiger Stimme. „Marie“ zieht das Tempo wieder an und bescherte der Band als Single einen Eintrag in die österreichischen Charts.
Am deutlichsten tritt die Stärke des Albums jedoch im Schlussdrittel hervor, in der wundervollen Ode an den gleichnamigen Wiener Bezirk „Simmering“ („She’s a freak but a beauty“), im gewagten, psychedelisch anmutenden „Tears“ mit seinem Postrock-verwandten Spannungsbogen, der sich gen Ende entlädt und dem daran anschließenden, rein akustischen Schlusstrack „Fever“, der den zerbrechlichsten Moment des Albums darstellt.
Gänzlich emanzipiert haben sich A Life, A Song, A Cigarette mit „Black Air“ also nicht, aber das ist auch gar nicht nötig, zählt am Ende doch die Kraft der eigenen Songs – und was die betrifft, muss sich die Band für dieses hörenswerte Album sicher nicht schämen.
Video: "Marie"