Interpret:
A Fine Frenzy
Plattentitel:
One Cell In The Sea
Label:
Virgin / EMI
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 04.03.2008
Seit Wochen schon verzückt uns die 22-jährige Alison Sudol alias A Fine Frenzy im Musikfernsehen mit ihrem Video zu ihrer ersten Single „Almost Lover“. In diesem schwankt sie zwischen der heiter-sonnigen, doch ach so fernen Vergangenheit und der omnipräsenten todtraurigen Gegenwart als verlassene Gelegenheitsliebe. Das Lied dazu ist destillierter Herzschmerz, der die Last der Welt auf seine Schultern lädt und daran zu Grunde zu gehen scheint. Halb so schlimm, möchte man dieser einsamen Elfe am liebsten ins Ohr flüstern, während man sie tröstend in den Arm nimmt. Nur Mut, das wird schon wieder.
Beim Hören des Debütalbums „One Cell In The Sea“ bröckelt dann jedoch die eigene Zuversicht. Da wird an jeder Ecke einem Verflossenen hinterhergetrauert, da muss losgelassen werden, um weiterziehen zu können. Klingt nach billigen Klischees, doch Sudol verkauft sie auf so erstaunlich ehrliche Weise, dass man ihr in diesem Moment alles glaubt. Man ist mittendrin in ihrem Gefühlschaos, durch das sie uns mit ihrem mal lieblichen, mal halbtrockenen Gesang zielsicher leitet. Wie Metallspäne an einem Magneten richten sich die Songs dabei an ihrer Stimme aus, die ansonsten noch von ihrem variablen Klavierspiel getragen werden. Um diese beiden Konstanten baut Sudol ihre kleine in Moll gehaltene Welt auf, die vom spärlich instrumentierten „Almost Lover“ über das überragende mit einer Sitar angereicherte „Last Of Days“ bis zum opulenten „The Minnow And The Trout“ reicht.
Es ist ein schmaler Grat, auf dem A Fine Frenzy mit „One Cell In The Sea“ wandelt. Bei so viel schmachtender Gefühlsschau könnte der ein oder andere etwas pragmatischere Zeitgenosse Zahnschmerzen bekommen. Alle anderen werden mit Freude und einem Kloß im Hals in diese rehaugige Umgebung eintauchen und mit voller Inbrunst die Zeilen von „Liar, Liar“ mitschmettern: „You talk to me in siren song / yeah, anyone would drown“.