Interpret:
1000 Robota
Plattentitel:
Du Nicht Er Nicht Sie Nicht
Label:
Tapete / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Kai Töpel
Dresden, 22.09.2008
Drei hippe Jungs im schulpflichtigen Alter werden laut Pressemitteilung vom NME in den Himmel gelobt. Das klingt seit den Arctic Monkeys eigentlich fast nicht mehr besonders. Doch auch nur fast, denn hinter 1000 Robota steckt, wie der Name vielleicht schon erahnen lässt, nicht die nächste Brit-Pop Hoffnung, sondern eine deutsche Indie-Punk-Band, die repräsentativ ist für eine ganze aufkommende, junge Szene in Deutschland. Dazu gehören auch Bands wie Beat!Beat!Beat!, Dancing Pigeons (Like Ice Cream) und Fickscheisse, für die sich überraschend viele britische Manager interessieren. 1000 Robota sind jedoch die ersten, die nicht nur auf dem Festland Erfolge in kleinen Clubs feiern, sondern auch schon mit einzelnen Konzerten nach England ihre Fühler ausgestreckt haben.
Nachdem ihre Debüt-EP „Hamburg Brennt“ schon für Aufsehen in der Medienlandschaft gesorgt hat, erscheint nun das Album „Du Nicht Er Nicht Sie Nicht“. Die erste Überraschung beim Anhören: Statt ein Abklatsch der vielen britischen Bands sind 1000 Robota erfrischend und haben ihre Hausaufgaben gemacht. Trotz ihres jungen Alters scheinen sie eher beeinflusst von Palais Schaumberg oder der Neuen Deutschen Welle, als vom neuesten Indie-Hype von der Insel wie Foals. Diese Einflüsse verstecken sie erst gar nicht, denn auf ihrer EP gab es mit „Wir Bauen Eine Neue Stadt“ bereits ein sehr gutes Palais Schaumberg Cover. Dazu gibt es Tocotronicverweise wie im Song „Oh Oh“ – „Oh Oh so sagen schon Tocotronic / Was soll man noch für Lieder schreiben“ auf deren Lied „Ich Muss Reden Auch Wenn Ich Schweigen Muss“.
Obwohl ihre Texte an manchen Stellen verdreht und unklar wirken, für ihr Alter reicht ihre Sicht weit über ihr direktes Umfeld heraus, wie bei ihrer ersten Single „Mein Traum“ – „Ich habe Angst meinen Kindern von Geschichte zu erzählen, die für mich Geschichte war, die für dich Geschichte war“.
Trotz aller Vorschusslorbeeren und Diskussionen, das Debütalbum der drei Hamburger ist alles andere als ein Hitalbum für die Indiedisco und soll es auch gar nicht sein. Zu sperrig wirken die kurzen, aber prägnanten Songs gespickt mit allerlei Parolen a la „Schmeiß dein Ego weg und feier das was du liebst“, immer wieder nach vorne geworfen durch einen drückenden Bass. Ansonsten ist instrumental eher wenig anzumerken, zu viel Platz nimmt der Zweimannchor des Gitarristen Anton Spielmann und des Schlagzeugers Jonas Hinnerkort ein. Die Anspielungen auf die Neue Deutsche Welle sind erfrischend und genau, damit distanzieren sie sich von den restlichen Bands. Ob sie jedoch nur Musik für Musikjournalisten und Szeneliebhaber machen oder auch sonst Erfolge feiern können, werden die nächsten Monate zeigen. Irgendwie wäre es für Deutschland zu hoffen, denn 1000 Robota sind wieder eine vorzeigbare Band, die sich nicht vor der vorzeigbaren deutschen Musikvergangenheit versteckt. Da kann man ruhig auch mal so dreist sein und ein nicht mal 27-minütiges Album veröffentlichen.