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Qualitätskontrolle 2.0:
Das Gute liegt so nah

Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 15.12.2008

PLATTENKISTE

Qualitätskontrolle 2.0 - Das Gute liegt so nah

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt? Frei nach diesem Motto, widmet sich Crazewire der popmusikalischen Heimatkunde. Weit entfernt von Deutschtümelei oder Hurrah-Patriotismus, soll schlichtweg ein wenig Scheinwerferlicht auf einheimische Gewächse fallen, die in der breiten Wahrnehmung bislang kaum Beachtung finden. Zu Unrecht, finden wir! Miao Mio, Falk & Die Wiese, Fickscheisse, Beat! Beat! Beat! und One Armed Scissor - höchst Entdeckenswertes von hier.

 

Miao Mio

Miao Mio Vier Damen aus Bonn beweisen seit gut einem Jahr, dass auch Kerzen lichterloh brennen und sanfte Pfoten zu tiefen Spuren führen können. Hier vereinen sich in Musik und Text die Gedanken und Gefühle von vier Frauen, die sich ihre inneren Mädchen bewahrt haben. Miao Mio sind eine Band der Vielschichtigkeit. So reichen die persönlichen Vorlieben der einzelnen Bandmitglieder von Sonic Youth über Tori Amos bis zu Sigur Ros. Natürlich klingt die Musik des Quartetts am Ende ganz anders. In Manchen Augenblicken mag man sich an Wir Sind Helden oder Mia erinnern, dann wiederum findet man sich eher auf stilvolle Tanzflächen neben Peter, Bjorn And John versetzt, oder meint in schwebenden Orgelklängen eine Note Post-Rock zu vernehemen.  Zwischen balladesker Liebestaumelei („Dreh mich“), schelmisch kicherndem Stakkato-Pop („Perfekt“) und charmanter Disco-Schieberei („Tanzflur“) beweisen Miao Mio auf Fellen, Saiten und Tasten, dass sie musikalisch viele Varianten lieben. Diese Musik sucht trotz deutscher Texte nach internationaler Verortung. Man darf gespannt sein, wenn Anfang nächsten Jahres endlich das Debütalbum erscheint.

Bastian Küllenberg, Wuppertal / Düsseldorf

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Falk & Die Wiese

Falk & Die Wiese Trotz des Supports für Major Matt Manson USA und einem ausgiebig durchtourten Sommer 2007 löste die Platte „Pigeon And Maron“ nicht die angebrachte Resonanz aus. Falk & Die Wiese nahmen sich eine Auszeit, um sich heute nach zwei Jahren wieder ihrer Musik zu widmen. Ein  neues Album für dieses Jahr ist in der Mache. Außerdem ist eine Deutschland-Tour, eine Europa-Tour für Frühjahr 2009 und sogar eine USA-Ostküsten-Tour im Herbst 2009 angelegt. Mehr als eine minimale Besetzung aus Gitarre, Orgel und einem Schlagzeug braucht Falk Quenstedt nicht. Mehr als die wohlklingenden Melodien und charmaneten Reime braucht ein Hörer nicht, um das was die Wiese schafft für gut zu befinden. Der geplante Titel für das kommende Album lautet „The Backlash Of Mediocrity“. Wir sind gespannt wie viel Resonanz der zweite Anlauf der Berliner auslösen wird.

Christopher Szwabczynski, Steinfeld

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One Armed Scissor

One Armed Scissor Sänger und Songschreiber Dustin Wollny und seine drei Mitstreiter haben unlängst ihr Debütalbum fertiggestellt. Aufgenommen wurde in Dustins Wohnung und nun wird er laut eigener Aussage von seiner Nachbarschaft gehasst. Doch was kann so ein bisschen Hass schon schaden, wenn das Ergebnis so wundervoll erdig, unaufdringlich und unerwartet country'esk klingt, wie bei dieser Bonner Indie-Combo. Auch wenn man hinter dem eigentlich untragbaren Namen One Armed Scissor ohne zu Zögern eine Emo-Kapelle vermuten würde, sind die vier Herren weit entfernt von geschminkten Augen. Hier geht es eher um flackernd beleuchtete Lagerfeuer-Melancholie. Zeitgemäße Referenzen für unmittelbare Folk-Balladen wie „New Love“ oder programmatisch warme Blues-Schunkler wie „Lonely Nights In Lonely Bars“ findet man daher eher bei den Jayhawks oder The Isolation Years. Get Well Soon in Lo-Fi könnte einem vielleicht auch in den Sinn kommen. In jedem Fall rechtfertigen die Lieder des im Eigenvertrieb erscheinenden Debüts, diese Band weiter auf dem Schirm zu haben und auf einen Labeldeal für die Burschen zu hoffen.

Bastian Küllenberg, Wuppertal / Düsseldorf

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Fickscheisse

Fickscheisse

Unpassender als die vier blutjungen Berliner namens Fickscheisse konnte man wohl einen Bandnamen nicht wählen. So gab es vor kurzem eine Nachricht aus Brandenburg, wo sie gerade auf einem Schulkonzert spielten, auf ihrem Twitter zu lesen: „Gibt Ärger wegen eurem Namen! Machen hier voll Terz! Was wir Gymnasiasten so `ne Band buchen! Brief vom Bürgermeister." Allen kann man es wohl nicht recht machen. Was kurzfristig mit noch wenig musikalischen Vorkenntnissen als Band für Trashparties geplant war, schlägt in Berlin aber bereits seit einigen Monaten große Wellen und bekommt immer mehr Aufsehen. Mit einer mittlerweile guten Mischung aus tanzbaren Rythmen, krachenden Gitarren, drückendem Synthiesounds und manchmal wortwitzigen, deutschen Texten haben sie bereits schnell ihre eigene Art gefunden, ohne zu sehr in irgendwelche Trends zu verfallen. Vor allem sind sie eins nicht, nämlich leise. So kriegen auch einige Kollegen ihr Fett weg. Wie in der 1000 Robota Parodie „Anton Wird Erwachsen“, der an deren Sänger Anton Spielmann gerichtet ist, und den Fickscheisse mit seiner arroganten Art bereits auf ein paar Supportkonzerten erleben durften. Natürlich nehmen sie sich dabei auch selbst nicht ernst. Wie zum Beispiel in „Cobra“, indem sie typisch berlinerisch einen Battlerap anzetteln. Bis dahin sollte jeder gemerkt haben, dass der Name Programm ist. Langsam wird es Zeit, dass aus dem Berlinhype mehr wird als nur eine Eintagsfliege. Die Frage ist nur, ob man bereit ist für Fickscheisse.

Kai Töpel, Dresden

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Beat! Beat! Beat!

Beat! Beat! Beat! Manchmal ist es wichtig zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Das gilt auch für Beat!Beat!Beat aus dem beschaulichen Ort Viersen am Niederrhein. So wurden die vier, damals alle noch unter 18, Anfang des Jahres zum Hamburger „i Scream: Underage Club" eingeladen, ein Club konzipiert für Indiefreunde unter 19, die in Städten wie Hamburg Probleme haben in Livekonzerte zu kommen oder einfach nur tanzen zu gehen. Genau an diesem Tag war die Arte Tracks Redaktion vor Ort um diesen beginnenden Trend, der seinen Anfang in England und später in Amerika gemacht hat, zu beleuchten und natürlich auch die Band des abends vorzustellen. Von eben diesem Underage Club redet heute niemand wirklich mehr, umso mehr Leute jedoch von Beat!Beat!Beat!. Dabei ist es fast Angst erregend wie sehr sie mit zackig gespielten Riffs doch am Zahn der Zeit sind. Wer jedoch nur abwinkt und sie als Foals-Kopie abstempelt, tut ihnen unrecht. Das konnten sie auch auf ihren vielen Konzerten bis jetzt beweisen, die sich zwischen ihre Schulzeit noch pressen konnten. So waren sie unter anderen mit The Pigeon Detectives auf Tour und spielten einige Konzerte mit Robocop Kraus. Nächstes Jahr wird sich zeigen, wie zwischen Abistress noch Zeit bleibt den ganz großen Schritt zu schaffen. Potenzial dazu haben sie auf jedenfall.

Kai Töpel, Dresden

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