Qualitätskontrolle 2.0:
Alles umsonst, aber nicht vergebens
Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 14.04.2011
Im Web 2.0 ist nicht alles Gold was glänzt. Das wissen wir mit am besten. Dennoch haben unser Chefredakteur Michael Weber und Autor Christopher Szwabczynski einige Gratis-Schätze im Internet gefunden, die mitunter mehr Wert sind, als so manch andere Veröffentlichung im Handel. Für unsere Qualitätskontrolle 2.0: „Alles umsonst, aber nicht vergebens“ haben wir uns auf die Suche gemacht und sind über das ein oder andere Album und die ein oder andere EP heftig gestolpert. Wir bitten zum Download folgender Dateien!
„We are not racists / We love white people“, rappen Das Racist in „Hahahaha Jk?“ mit ganz viel Humor. Das Trio aus Brooklyn, New York, liebt die Provokation, vergisst dabei aber zu keinem Zeitpunkt die nötige Portion Ironie in seinen frischen Zeilen. Denn ohne Ironie sind solche Textstellen und der Name Das Racist bei Himanshu Suri (Heems), Victor Vazquez (Kool A.D.) und Ashok Kondabolu nicht zu verstehen. Zu Teilen kommen ihre Familienahnen aus Indien, Südamerika oder sind Afro-Americans. Ein bunt gemischtes Rap-Gespann, das mit Humor, Unkenventionalität und einer Prise Schmierigkeit in Sachen Rap und Beats gehörig das Feld von hinten aufräumt. Und trotzdem haben sie Recht, wenn sie in ihrer manchmal rotzigen Art von sich behaupten, dass sie einen Song gemacht haben, der besser sei als „Two Weeks“ von Grizzly Bear oder alles was je von Jay-Z gemacht wurde („Free Jazzmataz“), über „Commercial“ rappen oder sich von den Anbiederungen einer „Fashion Party“ - das im Übrigen einen der geilsten, glitzernden, von einer Frau gesungenen 80er Refrains ever hat - abgrenzen wollen. Sie sind einfach smart, wenn sie auf ihre rumpelnden, polternden Beats ihr Bestes geben. Und obwohl sie sich wirklich viele Produzenten beziehungsweise Featurings mit ins Boot geholt haben, ist „Sit Down, Man“ zum einen wie aus einem Guss und zum anderen höchst abwechslungsreich. Mit Produktionen von unter anderem Keepaway (auf deren EP „Kompetitor“ Das Racist schon gefeatured waren), Teengirl Fantasy, Diplo und eigenen sollte es „Sit Down, Man“ in den 20 Tracks auch sein. Daran erkennt man auch, dass sie stilistisch ihre Fühler sehr weit ausstrecken und sich ihre Suppe nicht vom Tellerrand begrenzen lassen. Zu ihren schnoddrigen Stimmen und Rap-Parts gesellt sich dann sogar noch ein Jay-Z in „All Tan Everything“. Das ist schon derbe gut und mit Sicherheit kein „Return To Innocence“: ein Song, der zerhackt und bouncend ist und mit dem gleichnamigen Enigma-Sample spielt. Hammer, cool und eines Doktor-Titels würdig. Und ihr erstes Album/Mixtape „Shut Up, Dude“ gibt es ebenfalls umsonst. Da ist dann auch ihre Single „Combination Pizza Hut And Taco Bell“ drauf, mit der sie 2008 das erste Mal für Furore sorgten.
Michael Weber, Köln
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R&B. Ein wirklich schwer vorbelasteter Begriff mit seinen angebundenen Interpreten. Schleimig, unsympathisch, überheblich und total kitschig kann er sein. Ja, auch beim Projekt The Weeknd des Trios um Sänger Abel Tesfaye und den Produzenten Doc McKinney und Illangelo aus Toronto trifft all das zu. Der große Unterschied zu all den Möchtegern-Schmierbolzen ist, dass das hier nichts Sauberes an sich hat, nicht etwas ist, dass aus einem geschliffenen Studio kommt. Purer Underground R&B, der den Pathos mit sexuellen Anspielungen, die bis in die Extreme („Loft Music“) gehen können, schwängert. Was die drei aber hier machen, ist unfassbar gut. Die Kombination aus sehr mutigen und wirklich krachenden Beats, die zwischen Rührseligkeiten, energischem Gepumpe, knackigen Claps, cheesy Samples und von Synthesizern verschleierten Knistereien („The Morning“) verlaufen, und Tesfayes höchst beseelter, fast schon heuchelnder Stimme ist wahnsinnig sexy („The Party & The After Party“). Man sollte also all die Vorurteile schnell beiseite legen, wenn sie auf dem neun Tracks beladenen „House Of Balloons“ gleich vom Start weg mit dem umgarnenden „High For This“ beginnen. „Open your hand / Take a glass / Don't be scared / I'm right here / Even though / You don't know / Trust me girl / You wanna be high for this“, singt Tesfayes zunächst ambitioniert alleine in einem wachrüttelnden Refrain, bevor er diese Zeilen gemeinsam mit einem Chor voller Inbrunst zum Besten gibt. Da fühlt man sich wirklich wie weggeblasen. Zum Glück ändert sich das Bild da auch schon mit dem langsamen und ruhigen „What You Need“. Es geht auf und ab auf diesem genialen Album/Mixtape, das kaum Wünsche offen lässt, sofern man sich darauf einlassen will. Den Vogel schießen sie allerdings erst noch mit dem zweigeteilten „House Of Ballon / Glass Table Girls“ ab. Wo zunächst eine dezente R&B-Poppigkeit ist, ändert sich das Bild ganz drastisch mit dem zweiten Teil, der zum Ende des zweiten Refrains eingeleitet wird. Der Beat, die Melodie, alles bricht in sich zusammen und Jeckyll wird zu Hyde. Trocken klatscht die Snare zu düsteren Synthesizer-Samples und Tesfayes rappt eher, als dass er singt. Die mit E-Gitarren-Samples gespickten und mit Mini-Chören versehenen „Wicked Games“ können sich bei The Weeknd eben ganz schnell zu einem „Nightmare on elmstreet“ wandeln. Ohren-Porno!
Michael Weber, Köln
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Im 17. Jahrhundert war das Fliegen so etwas, wie es heute das Zeitreisen ist. Ein unmöglicher Traum, ein Mysterium. Die mystische Unmöglichkeit des Zeitreisens wird bei Garagen-Bands wie Literature mit einem Schlag weggeblasen. Direkt aus der Zeit gefallen ist der Sound dieser aus Austin, Texas, stammenden Band. Die vier Mitglieder Nathaniel Cardaci, Seth Whaland, Erik Smith und Kevin Attics beschreiben ihre Musik selber als „Jangle Pop“. Ihre erste Show hatten sie im September 2009. Und gut kann man sich die vier jungen Herren vorstellen, wie sie mit ihrem Lo-Fi Skateboard-Punk einer Teenager-Party Sinn verleihen. Einer Party, die wir nur aus dem Fernsehen kennen, bei der Bier aus roten Pappbechern getrunken und später mit den Mädchen geknutscht wird. Nathaniel führt das kleine Record-Label Voice Academy, auf dem die erste EP „Cincinnatti“ erschienen ist, für eine erste LP gibt es kein Geld und kein Label-Vertrag. Im Herbst 2011 geht es erstmal auf US-Tournee. Sicher ist, dass Literature Bands wie Cloud Nothings oder PS I Love You in nichts nachsteht.
Christopher Szwabczynski, Steinfeld
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Wenn „Single Status“ mit seinem aufheulenden Sirenen-Synthie und einer dumpfe Bassdrum lostönt, ist der erste Eindruck verzerrt. Augenblicke später heben sich die vermeintlichen Störelemente ab und formen sich zu einer melodiösen Harmonie, angereichert mit der fiepsenden Stimme Caila Thompson-Hannant, dem Kopf von Mozart's Sister. Wer diesen Namen schon gehört hat, dann in Zusammenhang mit der kanadischen Indie-Band Shapes & Sizes, den einzigen Kanadiern, die beim Sufjan Stevens-Label Asthmatic Kitty veröffentlichen. Die Liste der Projekte, bei denen Caila mitwirkte, ist lang und reicht über viele Ecken bis zu den ganz großen des Landes: Arcade Fire oder Broken Social Scene. Erstmals ganz alleine steht sie hinter dem Elektro-Pop-Projekt Mozart's Sister. Ihre Debüt-EP „Dear Fear“ wurde in Eigenregie aufgenommen und steht nun auf ihrem Bandcamp zur Verfügung. Verspielt kindlich und dennoch vertrackt tricky sind die drei Songs der EP. Dass sich die Produktionen von Mozart's Sister entwickeln, die bereits jetzt schon nach Passion Pit oder The Luyas klingen mit einer Stimme wie Erykah Badu und Debbie Harry, macht Mozart's Sister zu einem viel versprechenden Nachwuchs-Act Kanadas. Ihren erste Pop-Hit hat sie mit „Don't Leave It To Me“ schon jetzt abgeliefert.
Christopher Szwabczynski, Steinfeld
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