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Qualitätskontrolle 2.0:
4-Ohren-Test zu Wrongkong - „So Electric"

Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 14.01.2012

PLATTENKISTE

Qualitätskontrolle 2.0 - 4-Ohren-Test zu Wrongkong - „So Electric"

Das Jahr hat noch gar nicht richtig angefangen und schon streiten sich die Geister: „So Electric“, die Neuerscheinung der deutsch-kanadischen Band Wrongkong spaltet die Redaktion. Während Lisa Bertram hier einen aufgehenden Stern am Elektropop-Himmel prophezeit, schmerzt es Isabel Parzich dabei in den Ohren. Aber macht Euch am besten selbst ein Bild davon. 

 

Wrongkong

Wrongkong

Die Messlatte ist nach dem letzten Jahr hoch, denn 2011 stand in Sachen Elektropop keinem anderen Jahr etwas nach. Mit der kanadisch-deutschen Band Wrongkong und ihrem zweiten Werk „So Electric“ geht es direkt zum Jahresbeginn nahtlos weiter, wobei lediglich die Sparte „Elektropop“ für Wrongkong zu verallgemeinernd wäre. Der Opener „Hearts Are Breaking Hearts“ erinnert von der Art des elektrisch-verzerrten Gesangs an Daft Punks „Harder, Better, Faster, Stronger“. Die Gitarre bringt das Lied nach vorne und gibt dem Ganzen keine Ruhepause. Einen Moment scheint es so, als würde Thomas Wurm und Cyrena Dunbar die Luft ausgehen, doch weit gefehlt. Nach dem energischen und abrupt endenden Track folgt das (Schweden-)poppige und von verzweifelt hohem Refraingesang geprägte „Dear Euphoria“. Dunbar lässt sich nicht unterkriegen, sanfter Gesang wechselt anklagendes Geschrei ab, begleitet von Synthesizern.

Ein Anspieltipp auf „So Electric“ wird wohl „Crystal Clear“ sein. Der vom Soul beeinflusste Anfang des Songs steigert sich langsam in einen poppig-schillernden Refrain mit echoartigem Gesang, der so mitreißend ist, dass man den grauen Januar einfach nur vergessen kann. Das Gefühl von Sonnenschein wird von den sommerlichen Gitarrenakkorden, die das Lied durchziehen, nur noch verstärkt. Ein warmer Song trotz des hohen Gesangs. Wrongkong ruhen sich nicht auf einem guten Lied aus, sondern wollen mit ihrer Palette von 13 Songs immer wieder anders sein und aufs Neue überraschen. So ist der „Eye Of The Tiger“-meets-Florence Welch-Beginn von „My Dearest Enemy“ ein Sprung in ganz andere Gefilde. Generell ist eine Ähnlichkeit von Dunbars Stimme zu Florence Welch zu erkennen. Denn obwohl man bei diesem Track im Refrain einen Hauch 80er verspürt, sind auch die Parallelen zu Florence And The Machine nicht zu überhören. 

„What Do We Know“ dagegen lässt den Hörer zur Ruhe kommen. Hin und wieder wird eine Taste auf dem Keyboard gedrückt und eine sanfte Basslinie läutet den Track ein. Gleichförmige Strophen werden hin und wieder von verspielten Synthie-Einstellungen durchwoben. „What Do We Know“ ist wie ein schillerndes Aquarium voller exotischer Fische. Die eindringliche Melancholie des Wassers wird blitzschnell von seinen bunten Bewohnern durchzogen, die so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Was bleibt, ist die langsam verebbende Bewegung des Wassers. Tiefer Bass und dazu ein helles Keyboard werden zu „Hands Up High“. Dieser RnB-Track ist besonders dicht, Dunbars Stimme kommt in zwei unterschiedlichen Tonlagen zur vollen Entfaltung. 

„Electric“ wird seinem Namen gerecht: Starker Beat, eine einzelne verzerrte Gitarrensaite und wabernder Bass liegen in der Luft, hüllen den Raum ein wie schwerer Rauch. Gehauchte Stimmen, Dunbars eindringlicher Gesang und Synthies ergeben ein enges Geflecht und machen „Electric“ zu einem düsteren Dance-Track. Es ist erstaunlich, dass man auf „So Electric“ keinen Song weiterzappen möchte. „My Mind“ ist eine herrlich spaßige und nicht weniger tanzbare Gruppenaktion der Band, „A To Z“, mit seinen groovigen Gitarren, ein energiegeladener Mitspring-Song. Bei diesen beiden Tracks ist auch Wurm wieder beim Gesang dabei. Vor allem bei letzterem Track lässt Florence besonders grüßen. Und ob es zum Schluss das süße Duett „Radiohits For Idiots“ ist oder Thomas Wurms ganz eigenes „Love In Hi-Fi“  Wrongkong überzeugen mit authentischen Stilmixen und einem ausgeprägten Sinn für Tanzmusik. Fast eine Stunde Musik und trotzdem so viele bemerkenswerte Songs  einen besseren Indikator für ein gelungenes Album kann es fast nicht geben. Man sollte Wrongkong im Auge behalten. Oder eher im Ohr. 

Punkte: 8,0 von 10

Lisa Bertram, Köln

Wrongkong

Wrongkong

Die deutsch-kanadische Band Wrongkong, deren Name eine Anlehnung an Hong Kong und das Gefühl, am falschen Ort zu sein ist, veröffentlicht mit „So Electric“ nun also den zweiten Longplayer. Für diejenigen, die die Band bis zu diesem Zeitpunkt ebenso wie ich nicht kannten, hier ein wenig Nachhilfe. Hervorgegangen aus dem Nürnberger Electro-Act Strike Boys, die u.a. für ihren Track „Chemical Princess“ feat. Chris Corner bekannt sind, erspielten sich Wrongkong bald den Award „Best Unsigned Electronic Music Act“ auf dem Cravefest in Toronto. Auftritte auf diversen kleineren Festivals in Deutschland folgten, ebenso der Sieg des Becks On Stage Wettbewerbs 2008. So viel zur Historie.

„So Electric“ verspricht eine Mischung aus My Bloody Valentine, The Rapture und Ladytron zu sein  so der Waschzettel. Zumindest bei erstgenannter Band horche ich auf und streue direkt Zweifel, wie das mit The Rapture und Ladytron einhergehen soll. Man sollte ein bisschen vorsichtiger mit derartigen Vergleichen umgehen, denn so ist die Enttäuschung vorprogrammiert. „So Electric“ hat in keinster Weise mit Shoegaze zu tun, das hier ist Elektropop, an dem sich beispielsweise The Sounds auf ihrem letzten Album „Something To Die For“ versucht haben.

Dabei fängt mit „Hearts Are Breaking Hearts“ noch alles ganz vielversprechend an. Monotonie, wabernder Bass, eine nahezu hypnotische Nummer. „Dear Euphoria“ hingegen frisst sich mit einer Mischung aus The Gossip und The Sounds dermaßen in die Gehirnwindungen, dass es beinahe schon schmerzt. Einschlägige Radiosender könnten die Nummer gut in die Dauerrotation packen. „Crystal Clear“, ein sehr luftiger Track, perfekt für einen sonnigen Nachmittag am Rhein, stellt die wirklich lobenswerten Gesangskünste der Cyrena Dunbar zur Schau. Leider verschwimmen die gut produzierten, sauberen Tracks oft in der Beliebigkeit und sind mir persönlich in den meisten Fällen zu glatt. Doch bin ich mir sicher, dass diese radiotauglichen Nummern ihren Weg in die Herzen der Hörer finden werden, wenngleich sie meins nicht erreicht haben.

Punkte: 5,0 von 10

Isabel Parzich, Wuppertal

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