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Qualitätskontrolle 2.0:
4-Ohren Test zu Born Ruffians „Say It"

Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 31.05.2010

PLATTENKISTE

Qualitätskontrolle 2.0 - 4-Ohren Test zu Born Ruffians „Say It"

Born Ruffians sind jung, gelten in UK als „heißer Scheiß" und ihr neues Album „ Say It" wird auch hierzulande von so manchem Indie Kid sehnlichst erwartet. Ich habe festgestellt, dass mich sowas in letzter Zeit eher skeptisch gemacht hat und es jugendliche Hype-Bands doch eher schwer hatten in meinem Musikzimmer. Doch ganz anders bei diesem Album. Schnell reingehört, schnell überzeugt, also alles gut, zwischen Musikfaschist und der Jugend? Ein Album für den großen Konsens. Aber einen Moment, gibt Redaktionskollege Christopher tatsächlich nur 3,5 Punkte?

 

Born Ruffians

Born Ruffians

 Als es Born Ruffians 2008 mit „Badonkadonkey“ auf den Spex Sampler schafften, war ich sehr schnell überzeugt von der auf dem Traktor dahin fahrenden Melodie und dem etwas hinterwäldlerischen Stil der drei Kanadier. Holpriger Indie-Kram mit irgendwie verquerter Stimme, bei der man lediglich eins von zehn Wörtern versteht. Hommage an Kurt Vonnegut, ein, zwei Hits, also beste Voraussetzungen zum Gutfinden. Da ich damals wohl eher den Moment auskostete, dachte ich nicht an ein zweites Album. Doch dieses sollte ja ganz sicher kommen, und damit die berühmt, berüchtigte Meisterprüfung.

Die drei Born Ruffians fanden sich 2004 zusammen und wurden schnell zum lokalen Gesprächsthema. Nach wachsender Internetpräsenz gelangten sie zum britischen Elektro-Label Warp Records, worauf ihre Debüt EP erschien. Nach unzähligen Touren unter anderem mit Caribou, Hot Chip, Four Tet und No Age veröffentlichten sie 2008 ihre erste LP „Red, Yellow & Blue“, mit der sie internationale Erfolge in der Indie-Szene erzielten. Die erste Single „Hummingbird“ brachte die Band sogar in die britische Fernsehserie Skins. Nun erscheint das zweite Album „Say It“ auf dem es nichts neues gibt, nein schlimmer noch.

Die vorausgehende Single „What To Say“ lässt einen mit ihrer noch eher aus der Garage kommenden Produktion zwar noch aufhorchen, bekommt man aber das gesamte Album in die Hand, wird klar, dass da nicht mehr viel kommt. Der Opener „Oh Man“ verpufft musikalisch förmlich, als hätte man in den letzten Minuten gar nichts gehört. Kommt die zweite Nummer „Retard Canard“ daher, weiß man schon gar nicht, ob die Jungs das ernst meinen. Bassläufe, die ein schlechter „Hummingbird“-Remix sein könnten und eine Art Jodeln, das große Antipathie bei mir auslöst, obwohl ich Luke LaLonde's Stil immer mochte. Born Ruffians zerlaufen ihren so angenehmen Stil zu einem ekligen homogenen Indie-Brei. Einzig drei Songs lenken im positiven Sinne die Aufmerksamkeit vom Texten dieser Zeilen auf die Musik. „Higher & Higher“ überzeugt wie frühere Songs mit einer freundlichen Melodie, die diese Art von Musik einfach braucht und verhindert ein frühzeitiges Auswerfen der Platte. Einfache, melodische Gitarrensolos, holperndes Schlagzeug und Texte, die auf den Gesang zu geschnitten sind. Dies sind Punkte, die Born Ruffians auf ihrem ersten Album beachtet haben und hier lediglich noch bei „Nova Leigh“ im Ansatz erahnen lassen.

Es könnte sein, dass Born Ruffians neue Platte ein bisschen mehr Zeit braucht. Mehr als fünf Hördurchgänge, doch ein solch einfacher Indie-Rock muss auch einfacher funktionieren. Play und der Laden sollte laufen.

Punkte: 3,5 von 10

Christopher Szwabczynski, Steinfeld

Weiterführende Links:
Offizielle Homepage
Offizielle Homepage des Labels

Born Ruffians

Born Ruffians

Born Ruffians haben mit den Elektronikfachleuten von Warp einen zuverlässigen Partner, der bereits mit Maximo Park ein gutes Händchen in Sachen Gitarrenmusik bewiesen hat. „ Say It" wandelt auf den Spuren von The Jam, The Clash, Gang Of Four und den Talking Heads, mischt Power-Pop und Rock mit Afro-Beat-Rhythmen oder Dub und darf damit die bessere Vampire Weekend-Platte in 2010 genannt werden. Schon sonderbar, warum gerade die Nordamerikaner den besseren Briten-Indie Rock spielen.

Bereits zum Auftakt wird es hymnisch. Bass und Schlagzeug zementieren das dezent beschwingte „Oh Man", zudem liefert die Band einen Chorus, der nicht unbedingt nach stumpfen Mitgrölen, doch aber nach Partizipation verlangt. Unmittelbar im Anschluss dann „Retard Canard". Es wird direkter, noch mehr Hymne, das ist der Hit des Albums. „I don't wanna start a flame in your heart /  I just want to set the world on fire" schallt es zu packenden Rhythmuswechseln und sparsam sowie aktzentuierter Instrumentierung. Es herrscht die pure Euphorie.

Im Anschluss lehnt sich die Band zurück, entschläunigt den Tanz. Diese Buben haben den Groove und beweisen es mit entspannten Liedern wie „Sole Brother", „Higher And Higher" und dem bluesigen „Come Back". Dieses Album ruft den Sommer aus.

Punkte: 7,5 von 10

Bastian Küllenberg, Wuppertal / Düsseldorf

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Offizielle Homepage
Offizielle Homepage des Labels

 

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