Qualitätskontrolle 2.0:
0208 Teil 2
Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 12.03.2008
Wir haben mal wieder in den tiefsten Tiefen der Blogosphären des Web 2.0 geprägten Netzes nach den edelsten Perlen der Musikkultur für euch getaucht. Vorbei an schleimigen Selbstdarstellren und fadenscheinigen Gestallten. Immer tiefer. So tief bis wir unseren Klickpfad gar nicht mehr zurückverfolgen konnten. Dorthin, wo sich jeder weitere Klick lohnt. Und jeder neue Ton, jede neue Melodie des neu entdeckten Acts wie Balsam für die vom „Informationsmüll“ geplagte Seele der surfenden Gesellschaft ist. Heute in unserer Qualitätstkontrolle, die unbehandelten Natur-Perlen der besonderen Güte von Crystal Castles, Cyne, Miumi, Bon Iver, Late Of The Pier und Brooke Waggoner. Jetzt heißt es die guten Stücke zu pflegen, denn sonst werden sie ihren Glanz ganz schnell wieder verlieren.
Nicht ein frisches Paar Augen wird man nach dem ersten Hören von Brooke Waggoners gratis EP „A Fresh Pair Of Eyes" benötigen. Ein schönes jungfräuliches Paar Ohren zum erneuten unberührten Hören dieser strahlenden EP würde man viel mehr begrüßen. Brooke Waggoner aus Nashville, Tennessee macht äußerst talentierten und herzlichen Indie Pop, der gesanglich etwas von Björk und Beth Orton mitbekommen hat, dem Singer/Songwriter Handwerk schmeichelt und stets dem Folk auf den Versen ist. Mal schnell und mal langsam, mal verspielt und mal schüchtern. Die junge Frau mit den zarten Melodien reißt Mauern ein und baut sie wieder auf, damit sie gleich wieder eingerissen werden können. Streicher stapeln sich auf den vorerst behaglichen Klavierläufen zu einem überschäumenden Ganzen, das dann implodiert und sich neu definiert. Bei so viel Hingabe für Schwermut und Leidenschaft in ihren Songs wird man in diesem Frühling dahin getragen werden, wenn „My Legionair“ den Post Rock schon fast neu definiert.
Michael Weber, Köln
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Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Um eine der spannenderen Bands dieser Tage zu erforschen, genügt der Blick in die süddeutsche Provinz. In Wiesbaden wächst und gedeiht mit Miumi seit ein paar Jahren eine Vorstellung von Klangwelten, die nicht nur hierzulande seines gleichen länger suchen muss. Die vier Jungspunde nennen, neben den bei dieser Gitarren- und Laptop-gestützten Experimentierwut obligatorischen Radiohead, auch Bands wie Mogwai oder Sigur Ros ihre Einflüsse. Man versteht sich als polymediales Konstrukt, dessen hörbare Aspekte auf der Bühne durch Videoprojektionen und Licht erweitert werden. Da wundert es auch nicht, dass nach der Debüt - EP "Blips" statt eines regulären Longplayers Ende letzten Jahres zunächst mal eine DVD nebst konzeptuellen Tonfilmereien unter die Wissenden geworfen wurde.
Wer sich einen ersten Eindruck dieser Andersartigkeit verschaffen möchte, bestellt bei der Band direkt besagten Erstling "Blips" und erhält in schmucker Buchoptik fünf Titel, die wie ein Album wirken. Cinematic Rock könnte man dies hier taufen und läge, wie so oft bei vielschichtiger Musik, doch wieder knapp daneben. Miumi können vieles und scheuen sich nicht davor, sämtliche Grenzen auszuloten. Simples "laut/leise" -Spiel geht anders, hier folgen Klänge Visionen und erschaffen so eine ganz eigene Welt. Nachzuhören ist dies in packenden Stücken wie "Progressive Yoga" oder "Sloggy". Shoegazer, Kraut Rock oder Britpop, das Quartett bezieht Gedanken aus unterschiedlichen Lagern mit ein, legt sich nie fest und erfindet Lieder gerne mal nach der Hälfte neu. Viel zu selten hört man eine Band derart einnehmend dem eigenen Anspruch "Emotionen zu fördern" gerecht werden. Wiesbaden ist London, Paris und Tokio.
Bastian Küllenberg, Wuppertal / Düsseldorf
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