Qualitätskontrolle 2.0:
„4 Ohren Test“ - The Whispertown 2000
Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 26.01.2009
Folk und Frauenstimme sind ein Feld, dem in der jüngeren Vergangenheit dank Acts wie Jenny Lewis und ihrer Band Rilo Kiley vermehrt Beachtung geschenkt wird. Blake Sennet, der andere Teil von Rilo Kiley und Songwriter von The Elected, schlägt nun den Bogen zu The Whispertown 2000, schließlich ist er mit deren Sängerin Morgan Nagler bereits seit den späten Neunzigern befreundet. Keine Frage, dass da die Kapelle der Freundin schon einige Male ins Vorprogramm eingeladen wurde, wo die ungeschönten, schnörkellosen und oft nach traditionellen Country- und Blues-Anleihen klingenden Songs der Band aus L.A. auch hinzugehören scheinen. Seit früher Jugend verdient Nagler ihre Brötchen im übrigen regelmäßig als Nebendarstellerin in zahlreichen TV- und Filmproduktionen, deren Namen man hier aber meistens gnädig ausblenden sollte. „Hör mal wer da hämmert?“ war immerhin dabei. Doch lassen wir die Schauspielerei beiseite, bei „Swim“ von The Whispertown 2000 geht es ja schließlich um Musik. Und die bezaubert - nach einigen Startschwierigkeiten - aktuell nicht nur ein Redaktionsmitglied.
Warum also nicht mal zwei Menschen zur selben Platte befragen?
Wie geht man eigentlich mit Platten um, von den bereits vor dem ersten Hördurchgang gesagt wird: „Davon halte ich gar nichts!“ Als aufgeschlossener und toleranter Crazewire-Autor lässt man sich nicht beirren und gibt den Musikern eine Chance. Bei The Whispertown 2000 war das der Fall. Umso schöner ist es, wenn der zu Unrecht kritisierte Tonträger richtig was hergibt.
„Swim“ hat jedoch mehrere Chancen in Anspruch genommen, bis der Charme der Band übergesprungen ist. Es treten zu oft wirre instrumentale Stellen auf, der stetige Chor von Morgan Nagler und Vanessa Corbala strebt zu hohe Oktaven an und das ganze Paket scheint nicht die nötigen melodiösen Portionen zu beinhalten. Doch sobald die teilweise sehr experimentellen Country-Blues Parts, wie in „From The Start/Jamboree“ oder „Ebb And Flow“ Anklang finden, entpuppen alle Songs des Albums kantige und abenteuerliche Melodien. Die Stimmen finden prompt ihren richtigen Platz und sowieso ist nichts mehr richtig fehl am Platz. Plötzlich kann das Album nicht genug solcher Songs wie „Lock And Key“ mit seinem bretternden Bass, „103“ mit seiner bitteren Geschichte oder der Hit-Single „Old Times“ aufweisen. So „Dylan“ war lang keine Platte mehr. Apropos „Old Times“: Im Video zur aktuellen Single, sieht man die Geschwister Wisenbaker mit einem rot geschriebenen „Morrissey“ am Arm, diesem Tribut zollen. Diese Lobpreisung an Steven Patrick Morrissey gewährt mir der Band eine weitere Ladung Charme zuzuschreiben.
Punkte: 8.0 von 10
Christopher Szwabczynski, Steinfeld
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Schief, kehlig, dann wieder zuckersüß, ausdrucksstark. Morgan Nagler hat eine Stimme, die zu Vielem fähig ist. Das zeigt sie anhand facettenreicher Songs wie „103“ oder „Atlantis“, bei denen vom schmalen Grad, bis zum Trauermarsch durch die Kuppelhalle jegliche Wege gegangen werden. Schmollend wie ein verärgertes Kind schaukelt Nagler durch das ansteckende „No Dope“, rumpelt und schunkelt zu „Lock And Key“, oder gibt die Geschichtenerzählerin in „Old Times“. Die Band begleitet den zentralen Gesang, ergänzt feine Melodien, oder die zweite Stimme. Country, Folk und Gospel, einer alten Zeit entstammend, einer Zeit, die es so vielleicht nie gegeben hat. The Whispertown 2000 sind trotz futuristischer Namensgebung auf der Suche nach einem Ort außerhalb der Geschichte. „I'll never gonna be a sinner / till the day that I die“, also stimme man fröhlich ein, beim „From The Start Jamboree“, dem hymnisch staubigen Höhepunkt des Albums und freue sich, mit „Swim“ eine höchst erfreuliche Entdeckung gemacht zu haben.
Punkte: 7.5 von 10
Bastian Küllenberg, Wuppertal / Düsseldorf