DETAILS

Interpret:
Vandaveer

Titel:
Über Folk und Michael Jackson

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Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 29.03.2010

INTERVIEWS

Vandaveer - Über Folk und Michael Jackson

Vandaveer - Über Folk und Michael Jackson

Mark Charles Heidinger hat viele Geschichten zu erzählen. Seine Biographie erzählt von einem Priester als Vater, der wiederum der Sohn eines Spielers war. Vermeintliche Widersprüche und Eindeutigkeiten vereinen sich zur persönlichen Geschichte, die Heidinger auf musikalischem Wege unter dem Namen Vandaveer in melancholischen Folk-Songs verarbeitet. „Divide & Conquer" ist der beinahe folgerichtige Titel des zweiten Albums, das unlängst in der Plattenkiste großen Anklang fand. Es ist an der Zeit etwas Licht in die dunkle Ecke dieses Songwriters zu werfen.

Crazewire: Dein Album klingt, als hättest du in jüngster Zeit eine Menge alten Folk gehört.

Mark Charles Heidinger: Ich höre sehr viel Musik, aber nicht notwendigerweise nur alte Folk-Platten. Ich liebe allerdings den Klang von alten Aufnahmen. Sie haben eine grobe, rohe Qualität, die man nicht zwangsläufig bekommt, wenn man mit einem Computer aufnimmt. Ich vermute, ich mag eine Reihe aktuelle Künstler, die viel alten Folk gehört haben. Ich stehle von den Dieben.

Crazewire: In Reviews zu deinem Debütalbum wirst du oft mit Nick Drake verglichen. Was denkst du darüber?

Heidinger: Ich liebe seine Musik sehr und denke es ist furchtbar, dass er so jung gestorben ist. Ich weiß nicht, ob solche Vergleiche eine Menge Sinn ergeben, doch sie sind gut für Aufkleber, die das Label auf die CD macht, um mehr zu verkaufen.

Crazewire: Das erste Album hat in den USA sehr gute Kritiken geerntet hat. War es schwer, an einem würdigen Nachfolger zu arbeiten?

Heidinger: Es war eigentlich nicht wirklich schwierig. Wir haben uns viel Zeit gegeben, um die Platte fertig zu machen. Mit etwas Luft zum Verschnaufen erlaubt man manchen Ideen, sich erstmal wirklich zu entwickeln und zu festigen, bevor man eine endgültige Entscheidung treffen muss. Es gibt Alben, die werden schnell eingespielt, andere dauern länger. Das Wichtigste ist, dass man jedem Song und jedem neuen Album mit offenem Geist begegnet und Entwicklungen folgt, die sich im Verlauf ganz natürlich ergeben.

Crazewire: Bei vielen Songs des neuen Albums wirst du von Sängerin Rose Guerin begleitet. Ist es schwierig, die richtige Duettpartnerin zu finden?

Heidinger: In meinem Fall ist es sehr einfach, ich habe Rose. Sie singt wie ein Engel. Ich kann mir vorstellen, dass es wirklich nicht einfach sein mag, die richtige Duettpartnerin auszuwählen, doch in unserem Fall fühlt es sich auch nicht so an, als hätte ich sie ausgesucht. Wir sind irgendwie ganz von alleine und ohne große Gedanken im Vorfeld in diese gemeinsam Sache gerutscht. Im Moment funktioniert es so sehr gut.

Crazewire: Es gibt verschiedene Traditionen von Folk-Songwritern, von Blues- oder Gospel-Künstlern aus der ländlichen Arbeiterklasse, wie etwa Leadbelly, bis zu bohemen und urbanen Geschichtenerzählern wie Paul Simon oder Bob Dylan. In wessen Fußstapfen siehst du dich?

Heidinger: Ich bin mir nicht sicher, wie ich mich selbst einordnen würde, aber wenn ich auch nur in Reichweite einer der Schatten dieser Künstler kommen könnte, wäre ich ein sehr zufriedener kleiner Junge. Bisher ist Vandaveer erst zwei Alben tief, mit einer dritten Platte in der Entwicklung. Ich habe also noch eine Menge zu tun.

Crazewire: In deiner Biographie heißt es, du bist der Sohn eines Priesters, dessen Vater ein Spieler war. Das klingt ein bißchen nach der Verschmelzung von Himmel und Hölle. Beeinflusst das deine Kunst?

Heidinger: Ich vermute, es beeinflusst mich ebenso, wie mein Hund oder meine Zimmerpflanzen oder mein Küchentisch einen Einfluss auf mich haben. Alles spielt seine eigene kleine Rolle. I love my pops. He’s a fine man. Meinen Großvater habe ich nie kennengelernt, er starb zu früh. Aber Familienbande sind fest, Blut ist dicker als Wasser, daher denke ich, dass ich schon von alldem stark beeinflusst werde oder eben überhaupt nicht. Ich denke, es ändert sich von Tag zu Tag.

Crazewire: Wann hast du gemerkt, dass du Musiker werden möchtest?

Heidinger: „We Are The World", 1985. Damals wollte ich schon länger Michael Jackson sein, jedoch hauptsächlich, da er ein so verdammt guter Tänzer war. „We Are The World" hat die Messlatte noch einmal deutlich erhöht. All diese Menschen, die zusammen in einem Raum sangen. Zu viel Spaß und auch zu viel Haarspray, aber so waren die 80er.


 

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