DETAILS

Interpret:
Turner Cody

Titel:
Just the way it is

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 05.06.2007

INTERVIEWS

Turner Cody - Just the way it is

Turner Cody - Just the way it is

Im sonnendurchfluteten Biergarten der schnuckeligen Harmonie in Bonn wird man von Rauschebart David-Ivar Herman Düne empfangen, der als erste Schnittstelle zum eigentlichen Gesprächspartner dient. Hinaufgeführt in den gemütlichen Aufenthaltsraum der Band, darf man sich freuen, mit eigener Gesichtsbehaarung perfekt in die Szenerie zu passen. Nicht nur der zweite Herman Düne – Bruder, auch Turner Cody, Songwriter aus Brooklyn und Tourbassist der Band, glänzt trotz erkennbarer Ermüdung durch das Leben on the road, durch schicken Bartwuchs. Fluchs verzieht man sich mit dem Mittzwanziger auf des Nebenraums gemütliches Ledersofa, steckt eine Zigarette an und drückt auf record. Was recht spontan wenige Tage zuvor als Interview zum neuen Album geplant worden war, entwickelt sich rasch zum ausgiebigen Gespräch über urbanen Folk, Szenehelden im Freundeskreis und unentdeckte Rohdiamanten aus Brooklyn.

Crazewire: Du veröffentlichst dieser Tage eine Compilation deiner frühen Arbeiten. Dies bedeutet, dass es eine Menge Musik von dir gibt, die bislang nicht wirklich in den Blickwinkel der Öffentlichkeit gerückt ist. Bitte erzähl, wie es dazu kam, dass du in den letzten Jahren knappe acht Alben aufgenommen hast und sie ausschließlich übers Internet vertreibst.

Turner Cody: In den vergangenen fünf Jahren oder so, habe ich also acht Alben gemacht. Ich nenne sie aber eigentlich nicht Alben. Es war auch nicht so schwierig, denn ich habe einfach Songs aufgenommen und sie dann auf eigene Faust herausgebracht, so wie die meisten Leute die ich kenne es auch machen. Für mich fühlt es sich nicht so an, als hätte ich schon so viel Musik gemacht. Wenn man sich nicht um Veröffentlichungstermine und so etwas kümmern muss, hat man die Freiheit zu machen, was immer man möchte. Ich hoffe einfach, ich werde noch viel mehr Musik aufnehmen.

Crazewire: War es denn eine bewusste Entscheidung, nicht mit einem Label zusammenzuarbeiten?

Cody: Ich habe mich weder für das eine, noch das andere entschieden. Ich habe immer schon gedacht, ich möchte etwas veröffentlichen, aber wusste nicht wirklich, wie man es anstellt. Die letzten paar Alben wurden mit dem Vorhaben gemacht, sie auch zu veröffentlichen, aber ich glaube die frühen Sachen, hatte ich nie zur Veröffentlichung gedacht. Ich denke, ich wusste nicht so richtig, was ich tat. I was just kind of doing whatever. Wenn jemand zu mir gekommen wäre, als ich 20 oder 21 war und gesagt hätte, er bringt meine Platte raus, hätte ich ja gesagt. Es hat aber nie jemand gemacht. Daher war es eine Art Kombination aus beidem. Ich bin keiner Möglichkeit aus dem Weg gegangen, habe es aber auch nicht forciert. Die meisten meiner Freunde haben niemand, der ihre Musik veröffentlicht und einige von ihnen sind wirklich sehr gut. In der Umgebung, in der ich mich bewegte, war es also nicht ungewöhnlich, keinen Plattenvertrag zu haben. It`s just the way it was.

Crazewire: Nun hast du grade dein Umfeld angesprochen. In der Bio deines Labels, kann man lesen, dass du mit Adam Green, Jeffrey Lewis und den Leuten von Herman Düne, bei denen du auf Tour auch Bass spielst, befreundet bist. Fühlst du dich als Teil dieser New Yorker Szene?

Cody: Wenn ich Teil einer Szene sein müsste, dann wäre es sicher diese. Die meisten der Musiker die ich kenne, sind eher wie eine Gruppe von Menschen. Wir kennen uns alle schon recht lange und sind Freunde. Das einzige was wir gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass wir alle Freunde und Songwriter sind.

Crazewire: Arbeiten denn diese Freunde miteinander, oder macht eher jeder sein eigenes Ding und man begegnet sich nur auf dem Freundschaftslevel?

Cody: Die einzigen von denen, die du grade genannt hast, mit denen ich künstlerisch zusammengearbeitet habe, sind Herman Düne. Daneben gibt es eine Reihe unbekannter Künstler, wie The Wowz, mit denen ich etwas gemacht habe. Ich habe aber nie wirklich mit Adam oder Jeff gearbeitet.

Crazewire: Stört es dich, dass diese Namen dann in Reviews fallen werden, um dich einzuordnen? Besonders Adam Green war ja eine Zeit lang recht groß hier in Deutschland.

Cody: Man muss sich nur einige Minuten meiner Musik anhören, um festzustellen, dass sie nicht viel gemeinsam mit der von Adam hat. In der Tiefe vielleicht mehr, als mancher denken würde, aber an der Oberfläche überhaupt nicht. Aber jeder kann schreiben, was er will. Solange sie überhaupt irgendetwas schreiben (lacht, Anm. d. Autors).

Crazewire: Lass uns jetzt über deine Platte „60 Seasons“ sprechen. Als ich sie zum ersten Mal gehört habe, wusste ich nicht, dass es eine Compilation ist. Doch auch beim zweiten hören, konnte ich nicht glauben, dass hier eine Zeitspanne von knapp 5 Jahren zusammengefasst wird.

Cody: Oh, that`s cool!

Crazewire: Nach welchen Kriterien wurden die Stücke ausgesucht?

Cody: Eigentlich habe ich die wenigsten der Stücke ausgesucht. Ein Freund von mir, der die Platte veröffentlichte, suchte die meisten Lieder aus. Es gab ein paar Songs, die ich erst nicht haben wollte, aber dann dachte ich mir, er kann nehmen, was er möchte, so lange er es rausbringt. I don`t care. (lacht, Anm. d. Autors) Ein Stück ist drauf, das ich verlangt habe, „When These Sands Are Beds Again“.


Crazewire: Bist du zufrieden mit der endgültigen Trackliste?

Cody: Ja, schon. Ich mag die Sachen, die ich grade im Moment mache am meisten. Doch ich stehe als Künstler hinter allem, was ich gemacht habe. Alle diese Lieder haben etwas anzubieten. Sie repräsentieren alle mehr oder weniger ausgeprägt meine Kunst.

Crazewire: Wenn ich Musik höre, kommen mir oft bestimmte Bilder und Vorstellungen in den Kopf. Dann überlege ich mir, was die Künstler beeinflusst haben mag und stelle mir die Umgebung vor, aus der ein Künstler stammt. Deine Lieder klingen sehr warm und tief, etwas folky. Stücke wie „Abaraxis Foyer“ oder „Hey Jim“ haben diese Atmosphäre von alten Countryaufnahmen. Es scheint schwer vorstellbar, dass Songs wie diese eventuell in der U-Bahn oder anderswo im Großstadtdschungel von New York geschrieben wurden.

Cody: Für mich sind Lieder wie „Hey Jim“ eher urban, da sie meiner Meinung nach eine jazzy instrumentation haben. Andererseits mag, was für mich Jazz ist, anderen Leuten folky erscheinen. Es gibt noch eine ganze Menge Folk und Country Sachen, die nicht auf „60 Seasons“ sind. Ich bin nicht sicher, ob man als Songwriter notwendigerweise vom Leben in New York beeinflusst sein muss. Ich werde von der Musik inspiriert, die ich mir anhöre, nicht davon, durch die Straßen zu gehen oder mit der U-Bahn zu fahren. Es gibt aber sicher einige Musiker, die das so machen. Textlich werde ich vielleicht von der Stadt beeinflusst, aber nicht musikalisch. Ich mag Country und Folk, alte Bluesmusik. Das sind die Sachen, die ich mir anhöre. Ich bin eher der folky guy, kein urbaner Rock Punk Typ.

Crazewire: Da du dich schon selbst als folky bezeichnest, was denkst du über den Begriff „Anti-Folk“ als Kategorie für Musik?

Cody: Ich weiß nicht so recht. Im Augenblick kümmert es eigentlich nicht wirklich, was ich über Anti-Folk als Slogan für Musik denke, denn es gibt genug Leute die dabei eine bestimmte Vorstellung haben. Mir ist es egal, ob sie mich in diese Schublade stecken oder nicht. Ich sehe mich selbst nicht als Folksänger. Ich habe nicht die Stimme eines Folksängers und spiele nicht so Gitarre. Ich gehöre nicht zur Folkszene. Von daher macht es vielleicht schon Sinn, wenn man so etwas über meine Musik sagt. Ich sehe mich als Songwriter, der die Lieder singt, die er schreibt.

Crazewire: In Deutschland ist vor kurzem eine Compilation mit Künstlern wie Adam Green und Kimya Dawson erschienen, die den Untertitel „New Urban Folk“ trug. Ich denke man kann es so verstehen, dass viele dieser Künstler, wie auch du, aus großen Städten stammen, ihre Musik aber oft etwas Ursprüngliches von Blues und Folk hat. Sie bringen das urbane Leben sozusagen in den zeitlosen Folk.

Cody: Ich glaube nicht, dass Musik, die nach Country klingt, unbedingt vom Land kommen muss. Es hat wirklich mehr damit zu tun, was du dir anhörst und wer du bist, vielleicht. Ich mag die Stadt, ich mag es dort zu leben. Vielleicht liegt es an der Tatsache, dass die Musik eher von einem surrealistischen, künstlerischen Gesichtspunkt, statt einer uralten, gewachsenen Tradition herrührt, dass sie etwas weniger nach authentischem Folk klingt. Maybe that`s what give`s it what some people might call an edge. Wenn man sich die Geschichte der Folk Music ansieht, wurde sie ohnehin in den Städten so richtig berühmt. Seit sie in den Sechzigern wieder beliebter wurde, kam Folk auch aus New York.

Crazewire: Vorhin hast du von einigen deiner Freunde erzählt, die leider noch keine Plattenverträge haben. Empfiehl doch mal einige Künstler, die unsere Leser im Internet finden können, auf die wir aber so nicht ohne weiteres stoßen würden.

Cody: Ish Marquez und The Wowz. Ich kenne zwar noch mehr Leute die keine Plattenverträge haben, aber diese beiden gehören auf jeden Fall zu meinen absoluten Favoriten. Jeder sollte sich ihre Musik anhören!

Crazewire: Ich danke dir herzlich für das nette Gespräch.



 

Freunde

 
 
 
 

Wir Präsentieren:

 
 
 
 

Prunkstücke