DETAILS

Interpret:
Trembling Bells

Titel:
Eine Sache von Lieben oder Hassen

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Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 05.07.2010

INTERVIEWS

Trembling Bells - Eine Sache von Lieben oder Hassen

Trembling Bells - Eine Sache von Lieben oder Hassen

Trembling Bells sind eine Band die man nicht so leicht beschreiben kann. Das aktuelle Album „Abandoned Love“ umfasst eine schier überwältigende Bandbreite der unterschiedlichsten Stile. So mag man Einflüsse aus Folk und irischen Traditionals wahrnehmen, Anleihen von 60er-Psychedelic-Rock und Blues ebenso erkennen, wie eine Note Lee-Hazelwood-Pop.

Einer der Hauptverantwortlichen hinter dem facettenreichen Machwerk ist Drummer Alex Neilson, der sein Können in der Vergangenheit schon in den Dienst von klangvollen Namen wie Bonnie „Prince“ Billy, Isobel Campbell oder Six Organce Of Admittance gestellt hatte. Mit Trembling Bells versucht Alex einen zeitlosen Klang zu erzeugen und den Sprung von der britischen Insel zu schaffen.

Crazewire: Wie kommt diese ungeheure Bandbreite eures Klangs zustande? Was inspiriert dein Songwriting?

Alex Neilson: Ich fühle mich wirklich geschmeichelt durch deinen Enthusiasmus für unsere Musik. Jeder in der Band ist ziemlich besessen, wenn es um Musik geht, daher leben wir unser Interesse sehr christlich aus und diskriminieren keine Genres oder Stile. In der Zeit von 18 bis 25, bevor ich überhaupt meine eigenen Songs geschrieben habe, hörte ich fast ausschließlich traditionellen Folk, deshalb schätze ich es sehr, wenn einzelne Adern aus dieser Zeit noch in mein gegenwärtiges Konzept des Musizierens bluten, etwa in Form der Melodie oder der Metaphern, die wir benutzen. Allerdings ist es nur eine einzelne Gottes-Büste in einem Pantheon von Einflüssen. Ich stehe wirklich sehr auf sogenannte Easy-Listening-Musik, elektrischen Blues, frühen Rock’n’Roll, höre gerne mittelalterliche Musik, klassische Songwriter-Sachen oder Doo Wop und der Rest meiner Bandkollegen hat ähnlich schizophrene Interessen, obgleich sie sich etwas mehr auf die 60er fokussieren, als ich. All diese Dinge zusammen mit einer ganzen Menge an persönlicher Erfahrung und Enthusiasmus füttert die Musik, die wir machen.

Crazewire: Was bedeutet Folk für dich? Würdest du dich als Folk-Fan bezeichnen?

Alex Neilson: Ich würde einen Unterschied zwischen traditioneller Musik und Folk machen und mich selbst ganz sicher als Fan von traditioneller Musik bezeichnen. Viele Jahre habe ich mich dabei nur auf die musikalische Vergangenheit in Großbritannien konzentriert, doch in der letzten Zeit habe ich immer mehr Interesse an den musikalischen Traditionen anderer Länder entwickelt. Unser Label Honest Jon’s ist perfekt, wenn man sich für qualitativ hochwertige und spannende Musik aus der ganzen Welt interessiert. Ich habe mich so lange für britische traditionelle Musik interessiert, bis ich irgendwann einen Punkt der Übersättigung erreicht hatte und mittlerweile fühlt es sich einfach als so natürlicher Teil meines Verständnisses von Musik an, dass ich die Platten nicht mehr so häufig hören muss, wie früher.

Crazewire: Die in Deutschland eher mäßig bekannte, britische 60’s Folk-Band The Pentangle scheint einigen Eindruck auf eure Musik hinterlassen zu haben. Magst du die Band und kannst du etwas über sie und den Vergleich mit euch erzählen?

Alex Neilson: The Pentangle sind eine Art Prüfstein-Band für viele Leute in Großbritannien und den USA, die eine bestimmte Art von Herangehensweise an Folk gestartet und definiert haben. Ich habe mir sie jedoch eher selten angehört und es hat nicht so richtig gezündet. Für mich ist ihr Sound etwas klinisch und glatt, daher kann ich die Vergleiche mit uns nicht wirklich nachvollziehen. Ich weiß jedoch, dass Lavinia (Sängerin, Anm. d. Verf.) und Mike (Gitarre, Anm. d. Verf.) die Band sehr mögen und noch mehr auf die etwas dunkleren Solosachen von Bert Jansch (Gitarre bei The Pentangle, Anm. d. Verf.) stehen. Es mag also sein, dass es einige Fingerabdrücke von The Pentangle bei den Trembling Bells gibt.

Crazewire: Machst du dir Gedanken darüber, ob eure Musik altmodisch oder eher zeitlos ist?

Alex Neilson: Eine meiner Definitionen von erfolgreicher Kunst umfasst die Qualität, Ewigkeit und eine gewisse Schlichtheit hervorrufen zu können. Wenn unsere Musik also ein Gefühl von Zeitlosigkeit verströmt, ist das schön zu hören. Ich werde sehr viel stärker von Musik der Vergangenheit angezogen – sei es Elvis oder Duke Ellington, die Rolling Stones oder Komponisten des 15. Jahrhunderts, wie John Dunsstable – außerdem mag ich den ehrlichen Klang von analoger Aufnahmetechnik, besonders bei alten Doo-Wop- oder Sun-Records-Sachen, so dass mich vieles von dem, was ich als Oberflächlichkeit zeitgenössischer Popmusik bezeichnen würde, einfach kalt lässt, wenn es um Melodien, Themen und Produktion geht. Eine Zeit lang habe ich mich sehr mit kanonisierten Musikgattungen, wie dem Werk von Bob Dylan oder den Giganten des Country und anderen klassischen Songwritern beschäftigt, was für mich einfach wunderbar und sehr lehrreich war. Generell glaube ich, dass diese Künstler der Mehrheit der „Generation-i“ ein Gräuel sind, ich aber finde sie unwiderstehlich und inspirierend.

Crazewire: Ich habe meiner Freundin eure neue Platte mit den Worten „Das hier ist die beste Platte in 2010 bisher“ vorgespielt und sie reagierte schon nach wenigen Minuten schockiert. Später erzählte sie mir, dass sie in dem Moment wirklich an meinem Musikgeschmack gezweifelt hätte und meine Euphorie überhaupt nicht teile. Denkst du, eure Musik ist eine Sache von Lieben oder Hassen?

Alex Neilson: Ich habe schon häufiger gehört, dass es mit unserer Musik ist, wie mit diesem veganen Hefebrotaufstrich Marmite, entweder man liebt es, oder man hasst es, allerdings bin ich nicht ganz sicher, woran das liegt. Einige Leute haben offenbar ein Problem damit, dass Lavinias Gesang zu sehr definiert und verfeinert klingt, aber ich sehe in der Kraft ihrer Stimme eine absolute Stärke. Andere Menschen denken, wir klingen zu sehr nach Fairport Convention, eine Band, die ich bisher aber kaum gehört habe. Wieder andere beschweren sich, wenn wir zu wenig nach Fairport Convention klingen und damit aus ihrem Verständnis davon herausfallen, wie eine Folk-Rock-Band klingen sollte, obwohl wir nie behauptet haben, eine Folk-Rock-Band zu sein. Am Ende versuchst du einfach, die bestmögliche Musik zu machen und hast keine Kontrolle darüber, wie die Hörer darauf reagieren werden.

Crazewire: Wie muss ich mir den typischen Trembling-Bells-Hörer vorstellen?

Alex Neilson: Wir scheinen ein älteres Publikum zu unseren Gigs zu ziehen, daher konzentrieren wir unsere Bemühungen jetzt eben auf diesen „Senioren“-Teil des Musikmarkts. Wer zu einer Trembling-Bells-Show geht, ist vermutlich mittleren Alters, kahl, hat eine Brille und einen langsam ergrauenden Bart … und der männliche Teil des Publikums sieht ziemlich ähnlich aus. Es scheint so, als mögen Mädchen unsere Musik nicht so richtig, was mich ein bisschen frustriert, da ich der einzige Single in der Band bin. Aber vielleicht müssen wir einfach bessere Songs schreiben, um mehr weibliche Fans zu bekommen, so wie zum Beispiel die Jonas Brothers.

Crazewire: Was sind eure Pläne für dieses Jahr? Gibt es eine Chance, dass ihr durch Europa tourt?

Alex Neilson: Wir hoffen, dass wir im Sommer ein weiteres Album aufnehmen können und dann auch einige Konzerte spielen. Wir werden im Juli den support für Bonnie „Prince“ Billy & The Cairo Gang in Irland und England übernehmen. Lavinia und ich werden in Bonnies Band mitspielen. Darauf freue ich mich sehr. Außerdem werden wir auf Festivals in Dänemark und den Niederlanden spielen und versuchen, um diese Daten herum ein paar Shows zu organisieren. Am besten schaut ihr regelmäßig auf unsere MySpace-Seite.


 

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