Interpret:
Treefight For Sunlight
Titel:
Inspiration durch Tradition
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 07.12.2011
Das Debütalbum von Treefight For Sunlight gehört zu jenen strahlenden Höhepunkten des Musikjahres 2011, die nicht im Spotlight der Hypemaschine gelandet sind. Trotz reichlich guter Kritiken, wurde die dänische Band hierzulande bislang eher stiefmütterlich behandelt. Dabei platzt ihr Album vor Ideenreichtum aus allen Nähten, findet neben einer tiefen Verbeugung vor Brian Wilson auch eine Menge höchst modernen Klangzauber statt. Bassist und Sänger Christian Rohde Lindinger nahm sich Zeit für unsere Fragen und outet sich ohne Scheu als Nostalgiker.
Crazewire: Euer Debütalbum scheint stark von Brian Wilson beeinflusst. Liege ich richtig?
Christian Rohde Lindinger: Ja, absolut. Seine Harmonien, seine Melodien seine Arrangements und Instrumentierung, das alles ist Teil eines größeren Plans. So scheint es zu funktionieren, wenn ein Genie all diese einzelnen Aspekte verbindet.
Crazewire: Ist eure Musik auf eine Art psychedelisch?
Lindinger: Dieses Wort kann eine Menge bedeuten, aber ich denke schon, dass man unseren Klang als psychedelisch beschreiben kann (grinst, Anm. d. Autors). Wir haben schon immer viel psychedelische Musik gehört und solche Musik, die versucht anders zu sein, indem sie etwas originelles macht. Das ist in etwa auch, was wir mit Treefight For Sunlight versuchen. Aber du kannst dich nie vollkommen von deinen Inspirationsquellen trennen und das ist auch auf eine Weise sehr schön. So different aesthetics pass down through history via inspiration. That’s very cool.
Crazewire: Gibt es auch zeitgemäße Bands, die euch inspirieren?
Lindinger: Ja, die gibt es. AIR, Animal Collective, MGMT, Flaming Lips, Thulebasen oder Deerhoof. Doch das meiste, das uns beeinflusst ist sehr alt.
Crazewire: Wie ist es euch bei der Produktion gelungen, das Album so warm und farbenprächtig klingen zu lassen?
Lindinger: Es gab eine gewisse Ahnung, wie wir klingen wollten, bevor wir die Aufnahmen begannen. Außerdem hat unser Freund Aske Zidore als Produzent einen außergewöhnlichen Job gemacht. Er hat uns eine Menge beigebracht und mit ruhiger Hand aufgenommen, produziert und gemischt..
Crazewire: Ihr habt den Song „What became of you and I" als 7'Inch veröffentlicht. Seid ihr Vinylliebhaber?
Lindinger: We love vinyl because it’s the right way to care about music. Es ist zerbrechlich und wunderschön. Du musst es sorgsam behandeln, wenn du möchtest, dass es lange übersteht. Außerdem klingt es einfach delikat!
Crazewire: Würdest du dich als Nostalgiker bezeichnen?
Lindinger: Ja und wir waren ohne Frage Nostalgiker, als wir das Album gemacht haben. Doch seither hat sich einiges geändert. Zu der Zeit waren wir gerade von zu hause weggezogen und gruben uns durch Kindheitserinnerungen und ähnliche Stimmungen.
Crazewire: Ihr werdet am 14.12. in Köln bei einem Konzertabend der Musikexport-Initiative „Spot On Denmark" auftreten. Was erwartet ihr von der Show?
Lindinger: Wir werden hoffentlich eine gute Zeit auf der Bühne haben, wenn wir spielen. Es wird für eine längere Zeit unser letztes Konzert sein, da wir uns anschließend wieder ins Studio begeben werden, um ein neues Album einzuspielen. Wir werden also jede Sekunde der Show genießen, egal ob es ein großes Publikum ist oder was sonst geschieht.
Crazewire: Denkst du, es gibt etwas „typisch dänisches" an euch oder eurer Musik?
Lindinger: An uns persönlich ist sicherlich auch einiges „typisch dänisch", doch ich denke nicht, dass sich dies auch auf die Musik bezieht. An den Songs von Treefight For Sunlight ist nichts weiter dänisch, außer der Tatsache, dass sie in Dänemark aufgenommen wurde. Immer wenn wir im Ausland unterwegs sind, werden wir gefragt, was da gerade in der dänischen Musikszene abgeht und warum es so viele coole dänische Bands gibt. Ich weiß nie so wirklich, wie ich darauf antworten soll, es gibt sie einfach.
Crazewire: Wie ist die Situation junger Bands in Dänemark? Ist es möglich, von der Musik zu leben?
Lindinger: It’s pretty tight. Wir können mit der Band allein nicht unseren Lebensunterhalt verdienen. Manchmal bekommen wir zwar Fördergelder , aber das passiert sehr selten, so dass wir alle nebenbei noch die regulären Jobs behalten müssen. Das nervt echt, weil wir so viel Musik hätten machen und ausprobieren können, wenn wir usere Zeit nicht damit verschwenden müssten, die Finanzen am Laufen zu halten. Bummerrrrr. But we’ll live. Hopefully.
Video: „What became of you and I"