DETAILS

Interpret:
The Zutons

Titel:
Fast so gut wie Weezer

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Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 27.08.2006

INTERVIEWS

The Zutons - Fast so gut wie Weezer

The Zutons - Fast so gut wie Weezer

Backstage auf dem Haldern. Die Sonne scheint (noch) und wir treffen Sänger David McGabe von den Zutons zu einem kurzen Interview. Im Schlepptau sind auch Gitarrist Boyan Chodbury and Bassist Russell Pritchard, die sich während des Interviews aber eher zurückhalten. Nachdem ihr erstes Album bei vielen angesichts der Masse der englischen Bands etwas untergegangen ist, haben sie nun mit ihrem neuen Album zumindest in England den Durchbruch geschafft.

Crazewire: Euer Album und die dazugehörige Single „Valerie“ sind in England beide in den Top Ten gelandet. Hat sich dadurch euer Publikum auf den Konzerten verändert?

David McGabe: Derzeit ist es noch schwer zu sagen. Am Ende des Jahres können wir da sicherlich mehr sagen, wenn wir die größeren Clubs auf unserer eigenen Tour gespielt haben. Natürlich bekommen wir jetzt von vielen Leuten gesagt, dass sie nicht mehr zu unseren Konzerten kommen wollen, weil wir jetzt größere Clubs spielen. Sie denken, die Band gehöre ihnen und wollen nicht mit anderen teilen und springen immer auf das nächste Undergroundding. Ich denke also schon, dass wir ein etwas anderes Publikum bekommen, was manchmal schon etwas komisch ist. Es stört unser aber eigentlich nicht weiter.

Crazewire: Meinst du, dass dies auch am Sound des neuen Albums liegt, dass es ein größeres Publikum anspricht? Dadurch, dass die Songs eingängiger und auch zum Mitsingen geeignet sind?

David McGabe: Ich weiß, was du meinst aber bei uns war es ein ganz natürlicher Prozess, der sich durch das Touren mit der Band ergeben hat. Wir sind dadurch mehr zusammengewachsen, was sich in unseren Songs widerspiegelt.

Crazewire: Es gibt einige Bands aus England, wie z.B. Razorlight, die zwar dort sehr bekannt sind und große Hallen füllen, aber es nie in anderen Ländern schaffen, weil sie dort nicht oder nur sehr selten auf Tour gehen. Wie sieht eure Motivation in dieser Richtung aus, auch im Rest Europas groß zu werden?

David McGabe: Razorlight? Die haben doch zwei Schweden oder Dänen in der Band? Skandinavier jedenfalls, sehr komisch, dass sie dann nicht auf Tour kommen, aber vielleicht wollen sie wirklich den Erfolg in England genießen. Für uns ist es immer eine neue Herausforderung vor neuem Publikum zu spielen. Wir sind gerade aus Japan wiedergekommen und konnten dort die Entwicklung vom ersten zum zweiten Mal feststellen. Es fühlt sich wirklich manchmal an, als würde man für einen großen Baumstamm spielen. Ich denke schon, dass wir eine Band sind, die durch Livekonzerte Fans an sich binden kann. In Südamerika zum Beispiel sollen wir eine Menge Fans haben, obwohl wir noch nicht da waren. Wir werden es also demnächst dort versuchen, um diese Leute zu erreichen.

Russell Pritchard: Es ist schade, dass man dieses Liveerlebnis nicht jedem geben kann. Ein Livealbum ist vielleicht das einzige, was dort drankommt, aber auch dort fehlt halt einiges, wenn der Sound nachbearbeitet wurde, damit es sich auch im Wohnzimmer gut anhört. Der Touraspekt ist für uns als Band sehr wichtig, vielleicht sogar noch wichtiger als Alben aufzunehmen.

Crazewire: Lasst uns über das neue Album reden. Es klingt ein wenig so, als ob ihr neue Einflüsse auf dem Album zulasst und mehr Funkmusik gehört habt?

David McGabe: Ich denke, dass insgesamt mehr von uns selbst ins Album eingeflossen ist. Wir haben uns persönlich weiterentwickelt. Das neue Album ist geradliniger, während das erste Album viel aus Jam-Sessions entstanden ist. Beim nächsten Album werden wir dann versuchen, beide Extreme zusammenzuführen. Ich denke, dass die Funkeinflüsse vor allem aus der Rhythmusfraktion der Band kommen, was vorher schon vorhanden war, aber nie wirklich zum Vorschein gekommen ist. Bei diesem Album sind die Einflüsse nun da, aber man weiß nicht, in welche Richtung es sich nun entwickeln wird. Die Touren zum ersten Album haben uns als Band und auch als Menschen viel näher gebracht und dadurch war das Vertrauen da, seine eigenen Vorlieben mehr einfließen zu lassen.

Crazewire: Als das erste Album herauskam sprach man von einer Liverpool-Szene um Bands wie The Coral, The Stands, The Bandits und euch. Habt ihr euch jemals dieser Szene zugehörig gefühlt und wie sieht es nach diesem Album aus?

David McGabe: Irgendwie schon, aber auch wiederum nicht. Wir kamen ziemlich am Ende dieser Szene, haben aber auch gleichzeitig das Startsignal gegeben. Die Zutons bestehen zu Teilen aus Tampata und einem anderen Teil aus einer Band namens The Big Kids, und Ben hatte auch noch seine eigene Band. Wir gehörten damals zu den größeren Bands in Liverpool, haben dann aber aufgehört. Bands wie The Bandits, The Stands oder The Coral kamen dann mit ihren Alben heraus, während wir uns als Band gerade erst finden mussten. Das war schon irgendwie ein komisches Gefühl im Schatten dieser Bands zu stehen, obwohl wir vorher die Wegbereiter waren und mindestens genauso gut sind. Aber das hat uns für das zweite Album beim Songschreiben eher noch angestachelt. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, worüber ich rede. Ich könnte dir Stunden lang von diesem blauen Truck erzählen der da vorne steht.

Crazewire: Zum Schluss noch eine Frage zum Saxophon. Es gibt sehr wenige Bands in der Popmusik, die sich für dieses Instrument entscheiden. War es damals eine schwere Entscheidung sich dazu durchzuringen? Es ist meiner Meinung das schlimmste Instrument in der Popmusik und es gibt nur wenige Bands, die das tun können.

David McGabe: Ich weiß, was du meinst. Es gibt Madness, The Zutons, Ian Dury and The Blockheads, The Band und die Rolling Stones, aber es sind doch eher wenige Bands die sich dort herantrauen. Wir benutzen das Saxophon auch nicht als solches sondern eher als eine weitere Gitarre. Wir wollen das Saxophon nicht als Soloinstrument mit diesem schmutzigen Image benutzen, mit dem du es verbindest, aus Pornofilmen oder 80er Jahre-Serien. Wir haben jedoch festgestellt, da wir jetzt bewusster auf Saxophonsounds achten, dass doch viele Bands es nutzen, wie die Stones sehr oft sogar. Die Sache mit Abby ist auch, dass sie dich nicht angreift mit dem Instrument, wie es viele machen. Sie bleibt eher im Hintergrund und spielt wie eine Gitarre mit einem anderen Sound. So soll es auch bleiben. Auf diesem Album gibt es einen Song namens „Stacey“, der hart an der Grenze ist was den Sax-Anteil angeht. Ich mag es meistens, wenn ich es höre, es ist schließlich nur ein Saxophon und eine Gitarre, die das spielen und keine Bläsersektion. Ich mag es, in dieser Band zu sein, falls du mich gerade fragen wolltest warum ich in dieser Band spiele. Wir werden nie so gut sein, wie Weezer zum Beispiel. Ich liebe „Buddy Holly“.

Crazewire: Danke für dieses Gespräch.

Interview von:

Bastian Küllenberg & Fabian Töpel


 

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