The School - Cry and dance at the same time
Es
gibt diese Momente, da verheißt bereits ein einziger Song, dass etwas
ganz Besonderes seinen Anfang nimmt. „All I Wanna Do“ von The School –
stilecht veröffentlicht auf einer rosafarbenen Vinylsingle - ist so ein
Stück. Bereits nach nur vier absolvierten Shows konnte die Band aus
Wales im vergangenen Jahr einen Vertrag mit den Indie Pop und Twee
–Spezialisten von Elefant Records ergattern und erwähntes
Debüt-Schmuckstück unter die Menschen bringen. In Großbritannien folgt
in diesen Tagen die EP „Let It Slip“ und wenn es einen gerechten
Musikgott gibt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis The School auch
hierzulande ein Name ist, den man kennen muss. Höchste Zeit also für
eine ausführliche Vorstellung.
Sängerin und Mastermind Liz
spielte beinahe sieben Jahre bei The Loves, die unter anderem bei Track
& Field und Fortuna Pop veröffentlichten. Nebenbei versuchte sie
sich nach eigener Aussage auch immer daran, eigene Lieder zu schreiben,
die jedoch nicht so recht in den Bandkosmos passen wollten. „Meine
Songs waren definitiv kein Loves-Material, da ihr Sound eher
Rock`n`Roll und bubblegum ist. Deshalb habe ich irgendwann entschieden,
gemeinsam mit Simon Love zu versuchen, mit meinen Liedern ein
vernünftiges Demo aufzunehmen, stellte eine Band zusammen and people
seemed to love them! Im Bekanntenkreis fand Liz in Bassist Ryan,
Gitarristin Ceri und Steph an der Violine schnell einige Mitstreiter
und ergänzt um The Boy Least Likely To - Drummer Rob, mit dem man –
ganz Web 2.0 – über My Space in Kontakt gekommen war, schien das
Bandgerüst zu stehen. „Er musste jedoch The School bald wieder
verlassen, als ein weiters Projekt von ihm, The Voluntary Butler
Scheme, eine Menge Aufmerksamkeit bekam. Außerdem lebt er in
Birmingham, was auch nicht gerade hilfreich war. Zu dieser Zeit meldete
sich Elefant Records bei mir und fragte, ob wir uns vorstellen können,
mit ihnen zusammenzuarbeiten. Es war immer schon ein Vorhaben von mir,
auf diesem Label etwas zu veröffentlichen, aber ich hätte nie gedacht,
dass sie sich unsere Songs anhören und so schnell antworten würden.
Dann trafen wir Josh, unseren Schlagzeuger und gemeinsam mit Harri, der
bei einer anderen Tweepop-Band namens Little My spielt, stand das
aktuelle line up fest.“
Gemeinsam spielt die Band eine Musik,
ganz im Geiste großer Popmagier der Sechziger Jahre, wall of sound ein
Stichwort in diesem Kontext. „Wir sind noch nicht wirklich beim Phil
Spector Klang angelangt, haben aber angefangen, diese warme Atmosphäre
auch in unsere Stücke einfließen zu lassen. Einige unserer Harmonien
schaffen es aber tatsächlich, ähnlich auf mich zu wirken, als hörte ich
das Christmas-Album von Spector.“ Als weiteren Einfluss gibt Liz die
Beach Boys an. „Sie waren einfach eine so originelle Band. Ihre
Harmonien stammen nicht aus dieser Welt und jeder einzelne Song ist
perfekt und klingt auch heute noch frisch.“ Die Sixties haben es The
School angetan und diese Liebe setzt sich auch auf den Bandfotos fort.
Soll hier ein größerer Rahmen gespannt, ein bestimmtes Image
transportiert werden? „Oh ja! Wir haben zum Beispiel noch ein
Fotoshooting gemacht, bei dem wir alle in unseren eigenen Kisten
sitzen, wie The Brady Bunch oder die Monkees. Unsere Fotos laufen
meistens darauf hinaus, dass ich die Band dränge, helle Klamotten und
starke Farben anzuziehen, da ich ihnen ansonsten androhe, sie in 60`s
und 70`s Sachen zu stecken, die ich bei ebay gekauft habe.“
„All
I Wanna Do“ hätte in der Tat auch in den frühen Sechziger Jahren in der
Jukebox eine glänzende Figur gemacht. Das Stück klingt zeitlos, nach
großen Gefühle und ehrlicher Emotion. Fast möchte man weinen und
zugleich vor Freude strahlen. „Bei Konzerten sage ich neuerdings auch
immer, wir seien gekommen um die Leute zum Weinen und Tanzen zu
bringen. Der perfekte Popsong sollte nicht zu lang sein, sich in deinem
Kopf für Tage einnisten und dich entweder sehr fröhlich oder sehr
traurig machen - am besten, beides zur gleichen Zeit“, fasst Liz ihren
Anspruch ans eigene Songwriting zusammen. „All I wanna do/ is hang
around with you”, heißt es da im Chorus und man kann sich diesem Zauber
kaum verschließen. Sind The School wahre Romantiker? „Absolut! Ich
denke alle meine Lieder werden überwiegend von girls & boys
handeln. Dazu kommen dann einige über Sonnenschein und Tanzen. That`s
pretty much all I care about! Auch Schallplattenkäufer sind Romantiker
und so geht dem Musikliebhaber das Herz auf vor Freude, angesichts
einer Debütsingle, die ausschließlich auf farbigem Vinyl erscheint. Die
Wahl für das farbenfrohe Medium, eine Ehrensache? „Wir wollten einfach,
dass unsere erste Veröffentlichung etwas Besonderes für die Leute ist,
die sie kaufen. Vinyl sieht sehr gut aus und riecht angenehm, CDs in
Hüllen dagegen sehen echt schäbig aus“, kommentiert die Britin.
Nachdem
die aktuelle EP nun zumindest in Großbritannien zu haben ist und dort
einige sehr positive Reaktionen ernten konnte, bleibt die wichtigste
Frage am Ende jene, wann man sich denn endlich auf und über ein
vollwertiges Album freuen könne. „Wir haben etwa die Hälfte unseres
Albums aufgenommen und werden es im Sommer mit Ian Catt (St. Etienne)
abschließen, der bereits auch die EP produziert hatte. Es wird bald
eine weitere Single geben und das Album soll dann im neuen Jahr nach
dem ganzen Weihnachtswahnsinn erscheinen.“