DETAILS

Interpret:
The Radio Dept.

Titel:
No Rock at all

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Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 10.09.2006

INTERVIEWS

The Radio Dept. - No Rock at all

The Radio Dept. - No Rock at all

Vor zwei Jahren betraten The Radio Dept. das Licht einer größeren Öffentlichkeit. Das Debüt „Lesser Matters“ sorgte für Kritikerlob und eine wachsende Fangemeinde. Jüngst veröffentlichten die Schweden mit „Pet Grief“ den sehnlich erwarteten Nachfolger und zeigten sich klanglich von einer neuen Seite. Sänger Johan Duncanson nahm sich Zeit für einige Fragen.

Crazewire: Euer erstes Album „Lesser Matters“ wurde von Musikmagazinen überall in Europa gefeiert. Der NME nannte es sogar eine der besten Platten des Jahres 2004. Hat euch das unter Druck gesetzt?

Johan Duncanson. Ja und Nein. Selbstverständlich möchte man sich als Band die ganze Zeit verbessern und weiterentwickeln. Du möchtest nicht, dass du mit dem ersten Album deine beste Arbeit abgeliefert hast und fortan nur noch versuchen kannst, den Erfolg zu wiederholen. Sobald wir aber anfangen, neue Musik aufzunehmen, schaffen wir es glücklicherweise immer irgendwie, diese Erwartungen zu verdrängen.

Crazewire: Wie ist die Idee entstanden, zunächst eine Reihe EPs zu veröffentlichen, bevor ein neues Album erscheint?

Duncanson: Einer der Gründe war rein ästhetischer Natur. Wir mögen das Format. Für mich sind Singles und EPs besser in der Lage, die Essenz des Pop zu begreifen, als Alben. Die Idee entstand bevor wir jemals irgendetwas veröffentlicht hatten. Im Frühjahr 2002 entschieden wir, unsere eigene EP raus zu bringen und veröffentlichten „Against The Tide“ auf 7Inch Vinyl im August des gleichen Jahres. Die Idee war, für ewig EPs zu veröffentlichen oder so lange, wie es Leute gibt, die Interesse daran haben, sie sich anzuhören. Dann haben wir den Plattenvertrag bekommen und begonnen, das erste Album zu machen, uns aber entschieden, weiterhin zwischen den Alben EPs zu veröffentlichen.

Crazewire: Mit der EP „This Past Week“ habt ihr begonnen, auf Verzerrung und Shoegazer-Gitarren zu verzichten. Auf dem neuen Album „Pet Grief“ ist nahezu keine Verzerrung mehr zu hören. Warum habt ihr euch dagegen entschieden und wie hat sich der neue Sound entwickelt?

Duncanson: Wir wollten nicht vorhersehbar sein und uns begann die ganze Sache irgendwie zu langweilen. Wir wurden andauernd mit denselben Bands verglichen. Und wir wollten, dass die Leute wissen: wir sind sophisticated und nicht deine alltägliche, verzerrte Indierock-Band. Of course we’re not rock at all! Wir sind eine amateurhafte Popgruppe, die zu hause Musik macht. Unser Sound hat sich in die Richtung raffinierter Bands wie Prefab Sprout bewegt. Es provoziert einige Leute, was ich sehr befriedigend finde.

Crazewire: Mir scheint das neue Album auch beeinflusst von 80er Synthie-Pop wie The Pet Shop Boys. Würdest du zustimmen? Welche anderen Künstler beeinflussen eure Musik?

Duncanson: Die Pet Shop Boys hatten immer einen Einfluss auf uns, aber man hört es nun besser, da die Gitarren die Stücke nicht mehr so sehr dominieren, wie zuvor. In letzter Zeit und während der Aufnahmen zum neuen Album haben wir viel Musik von Prefab Sprout, M.I.A, Style Council, Snoop Dogg, Charles Aznavour, Wagner, Junior Boys, Frank Sinatra und eine Menge anderer Sachen gehört.

Crazewire: Eure Musik wird im neuen Film von Sophia Copolla zu hören sein. Seit „Lost In Translation“ genießt ihre Arbeit eine große Öffentlichkeit, die zuletzt so auch der im Soundtrack gefeatureten französischen Band Air zu Teil wurde. Was erwartet ihr euch von der Zusammenarbeit?

Duncanson: Wir haben keine Erwartungen. Wenn sich Dinge für uns ändern sollten, werden wir damit umgehen. Wir sind Amateure, keine Profis.

Crazewire: Wie ist denn der Kontakt entstanden?

Duncanson: Brian Reitzell, der für die Musik in allen von Sophias Filmen verantwortlich ist, hat uns kontaktiert, nachdem er einige Songs gehört hat, die er auf Anraten eines Freundes heruntergeladen hatte. Außerdem hatte er ein Review zu einer unserer EPs gelesen, in dem „Lost In Translation“ erwähnt wurde.

Crazewire: Das Filmprojekt ist eine Sache. Was können wir sonst von The Radio Dept. in der näheren Zukunft erwarten?

Duncanson: Wir werden eine weitere Single aus dem Album in etwa einem Monat veröffentlichen. Sie wird auch einige neue Songs enthalten. Danach werden wir einen Film über Farbe und Bewegung machen und neue Alben aufnehmen.

Crazewire: Ich danke dir für das Interview.



 

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