DETAILS

Inpterpret:
The Miserable Rich

Titel:
Das Glück eines langweiligen Fußballspiels

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Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 12.04.2010

INTERVIEWS

The Miserable Rich - Das Glück eines langweiligen Fußballspiels

The Miserable Rich - Das Glück eines langweiligen Fußballspiels

Brighton ist dem Briten als beliebtes Seebad bekannt. Von „Quadrophenia" bis Big Beat Boutique war der Ort an der Küste jedoch auch schon immer ein guter Platz für Popkultur. Seit einigen Jahren gehören The Miserable Rich zum interessantesten Output der Stadt, obgleich ihr Klang nicht direkt zu grölenden Touristenhorden oder Vespa- fahrenden Mods passen will. Vielleicht liegt hier ein Grund dafür, dass man so gerne durch Europa tourt und sich für das hessische Label Hazelwood entschieden hat, wo nun mit „Of Flight and Fury" das zweite Album erscheint. Sänger James De Malplaquet berichtet über seine Liebe zu Deutschland, Brighton als Inspiration und langweilige Fußballspiele.

Crazewire: Euer neues Album steht seit kurzem in den Läden. Wie fühlt ihr euch? Seid ihr zufrieden mit dem Endergebnis?

James De Malplaquet: Wir sind sehr glücklich darüber, wie alles gelaufen ist. Du weißt nie genau, wie es am Ende klingen wird und der kreative Prozess beinhaltet oft, dass man die endgültigen Möglichkeiten eines Songs eingrenzen muss. Das Endresultat ist oft auf viele, unerwartete Arten verschieden von den ursrpünglichen Vorstellungen und dieses Album hat ein Eigenleben entwickelt, obwohl es von uns selbst geplant und produziert wurde.

Crazewire: In der Vergangenheit wurde euer Klang als „Chamber Pop" bezeichnet. Gefällt dir die Bezeichnung und verstehst du, warum Journalisten auf sowas kommen?

James: Ich denke, Musiker fühlen sich immer ein bisschen unwohl mit Kategorien, die von anderen Leuten für sie erdacht wurden, auch wenn es oft recht einfach ist, die Gründe für solche Charakterisierungen zu erkennen. Wir verstehen natürlich diese „Chamber Pop"-Sache, obwohl wir ziemlich sicher sind, dass wir eine Indierock-Band sind, die ihre elektrischen Gitarren verloren und einige Streicher dafür gefunden hat. Das neue Album klingt streckenweise sogar ein bisschen psychedelisch, wie ein lange vermisstes Love-Album.

Crazewire: Eine der Haupteinflüsse eurer Songs scheint aus der klassichen Musik zu kommen. Was inspiriert das Songwriting sonst?

James: Es gibt wirklich massenweise Input, obgleich es offensichtliche klassische Einflüsse durch Will am Cello auf dem neuen Album gibt - so manchem mag eine kleines bisschen von Ravels „Bolero" bei einem Stück aufgefallen sein. Mike an der Violine liebt Indie, Jim ist ein Classic-Rock-Fan, Rhys liebt Jazz und ich selbst wurde von meiner Mutter mit Soul und durch meinen Vater mit Big Band Swing erzogen. Das ist alles, bevor wir überhaupt zu den Texten kommen.

Crazewire: Durch den starken Einsatz von Streichern auf der neuen Platte könnte man ein Orchesterwerk vermuten. Siehst du The Miserable Rich als Band?

James: Wir sind auf jeden Fall eine Band und kein Orchester. Der Klang von „Of Flight and Fury" ist zwar ein wenig epischer und großfroamtiger als zuvor, aber jeder, der uns schon einmal spielen gesehen hat, wird wissen, dass wir eine bestimmte Art von roher Direktheit in unseren Liveshows haben. Wir haben allerdings die Fantasie, eines Tages in einem großen Opernhaus zu spielen, wo jeder von uns seine eigene Sektion des Orchester dirigiert. Aber das sind Träume...

Crazewire: Denkst du, dass sich eure Heimat, der Touristenort Brighton, auf die Musik von The Miserable Rich niederschlägt?

James: Das Touristische spielt keine Rolle, aber es gibt ein Stück, dass über die Liebe zu einer Beschäftigung geschrieben wurde, die wir in der Kleinstadt „Yummy Mummy" nennen. Es geht dabei darum, durch die Stadt zu schleichen, ohne von den ganzen Müttern und sonstigen Leuten, die dich kennen, entdeckt zu werden. Das Lied heißt „Somerhill", nach einer Straße mit zwei Schulen zwischen Rhys, Jims und meinem Haus und es enthält eine Menge Brighton-Referenzen, wie zum Beispiel meinen Lieblingspub.

Crazewire: Im Song „The Mouth Of The Wolf" heißt es: „If you're afraid of the wolf / don't go to the forrest alone". Man kann das auf verschiedene Weise verstehen. Sollte ich also aus Angst überhaupt nicht in den Wald gehen oder jemanden suchen, der mich begleitet?

James: Du solltest gehen, wenn das Verlangen danach stark genug ist, denn wenn du nur halb überzeugt bist, wird es nie funktionieren. Es ist ein romatisches Lied darüber, für etwas zu kämpfen, was man liebt und es geht auf ein russisches Sprichwort zurück. „Wenn du die Hitze nicht ertragen kannst, verschwinde aus der Küche", so könnte man es sinngemäß übersetzen, mir gefällt jedoch die russische Version mehr, besonders da meine Partnerin sich für eine Wölfin hält.

Crazewire: In „Hungover" findet man die Zeile: „And in the morning I will be the man I wanted to be". Hilft die Musik dabei, dieser Mann zu werden?

James: Wow, wenn es nur so einfach wäre. Ich habe eine Menge Künstler, nicht nur Musiker, getroffen, die wundervolle und bezaubernd schöne Dinge machen, aber nicht im Geringsten nachdenklich oder freundlich sind. Mir persönlich hilft es, mich besser zu fühlen, wenn ich durch Musik oder auf anderen Wegen kreativ bin. Ich bin allerdings nicht sicher, ob es aus mir einen besseren Mann macht - maybe I’m just selfishly pursuing my own creativity. Das Lied beschreibt das Driften zwischen den Gefühlen Hoffnung und Verzweiflung, was oft als Nachwirkung auftaucht, wenn man zu viel getrunken hat.

Crazewire: Euer neues Album erscheint auf dem deutschen Label Hazelwood. Wie kam der Kontakt zustande?

James: Ganz ehrlich gesagt, war etwas Glück dabei. Einer der Labelgründer, Wolfgang Gottlieb, schaute Fußball im Fernsehen - er ist ein großer Eintracht-Frankfurt-Fan. Er hatte seine Kopfhörer in den Computer gesteckt und lag auf auf dem Boden. Geistesabwesend surfte er durch MySpace und hörte dabei unsere Sachen. Er setzte sich die Kopfhörer auf und hörte es sich wieder und wieder an. Dann fiel ihm auf, dass wir ohne Vertrag sind und er nahm Kontakt mit uns auf. Zu der Zeit waren wir mitten in Aufnahmen und ich habe mich komplett darauf konzentriert. Es hat einen Monat gedauert, bis ich antwortete, doch Wolfgang war sehr geduldig und sehr enthusiastisch. Ich vermute, das war einfach einer dieser Glücksfälle, denn er sagte, dass er üblicherweise MySpace keine Aufmerksamkeit schenkt. Ich denke, dass Fußballspiel an diesem Tag muss sehr langweilig gewesen sein.

Crazewire: Ihr werdet bald auch in Deutschland auf Tour gehen. Was erwartest du von der Tour?

James: Wir erwarten viel Spaß und dass sich gut um uns gekümmert wird. Ich denke jede Band würde sagen, dass sie die Orte mögen, die sie auf Tour besuchen, aber durch unsere Erfahrungen mit Hazelwood und den Konzerten bei euch, fühlen wir wirklich eine besondere Verbindung zu Deutschland. Die Dankbarkeit, das Gefühl, willkommen zu sein und die Gruppe von freiwilligen und unabhängigen Promotern, die hart arbeiten, um alles überhaupt möglich zu machen, sind für uns etwas ganz Besonderes. Ich kann es kaum erwarten, wieder zu euch zu fahren.

Crazewire: Gibt es besondere Tour-Erinnerungen an Deutschland?

James: Es gab haufenweise schöne Erinnerungen: große Shows als support für Isobel Campbell und Mark Lanegan in Berlin, die Prinzenbar in Hamburg auszuverkaufen, vier Zugaben in Halle, die Kids in Würzburg, das Publikum im MUZ in Nürnberg, die Liste geht immer so weiter. Wie gesagt, ich kann es kaum erwarten. 

Video: „Pisshead" (live)

 

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