DETAILS

Interpret:
The Diggs

Titel:
Die Schönheit der Chance

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Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 20.10.2008

INTERVIEWS

The Diggs - Die Schönheit der Chance

The Diggs - Die Schönheit der Chance

Vor zwei Jahren erschien in Deutschland fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit das kleines aber feines Indie-Rock Album „Commute“ von der New Yorker Band The Diggs. Trotz einiger guter Kritiken konnte das Trio jedoch kaum Aufmerksamkeit erregen. Es soll jedoch Menschen geben, die das Album allein wegen des Songs „It‘s Just Like You Say“ für eines der besten Alben der vergangenen Jahre halten.

Aufgewachsen sind die drei Musiker Timothy Lannen (Gitarre und Gesang), Robert Haussmann (Bass) und Charlie Schmid (Schlagzeug) während der einsetzenden Grunge-Welle zu Beginn der 1990er Jahre. Und so haben die Jungs ihre Instrumente dann auch zu einer Zeit erlernt, als „Under The Bridge“ und „Smells Like Teen Spirit“ auf MTV rauf und runter genudelt wurden. Eine Dekade später, im Jahr 2003, fand sich das Trio in Mineola, einer kleinen Stadt nördlich von Long Island zusammen. Schon ein paar Monate später konnten sie als großartige Liveband in New York und Umgebung auf sich aufmerksam machen. Und auch ihr Debütalbum „Commute“ wurde wohlwollend von der amerikanischen Musikpresse aufgenommen.

Nach dessen Veröffentlichung in Deutschland bekam die Band von den hiesigen Schreibern überraschend positives Feedback, worüber die Band bis heute sichtlich erfreut ist. „Wenn man nach der Resonanz geht, die wir über MySpace und per E-Mail bekommen haben, denke ich schon, dass das Album in Deutschland sehr gut angekommen ist“, sagt Timothy. „Es ist schon interessant, dass unsere ältesten und größten Fans aus Deutschland kommen“, ergänzt Robert. Diese „frühen“ Fans waren es dann auch, die der Band die Beziehungen zu Labels und Promo-Firmen hier in Deutschland vermittelten. Stellt sich nur die Frage, warum das aktuelle Album „Ctrl-Alt-Del“ jetzt nur noch über iTunes vertrieben wird. Ist die Zeit für physische Tonträger vorbei? Die Band ist sich da nicht so sicher. „Auf der einen Seite reicht es natürlich aus, dass man durch das Internet überall auf der Welt gehört werden kann. Schließlich ist das das Wichtigste für eine Band“, erklärt Robert. Aber auch das immer wieder angeführte Argument des „in den Händen halten“ ist nicht zu vernachlässigen, weiß die Band.

Bei den ganzen Überlegungen, ob man eine Platte nur noch über das Netz vertreiben will oder auch als CD/LP in die Läden stellen möchte, bleibt häufig auf der Strecke, dass die Bands ihr Geld eigentlich mit Livekonzerten verdienen. In einer Stadt wie New York City ist es wahrscheinlich kein wirklich leichtes Unterfangen, eine Fanbase aufzubauen. Dafür muss man sich gegen viele andere Bands durchsetzen. Robert: „Es ist eigentlich nicht schwer, ein paar Fans für sich zu begeistern. Das Problem ist nur, diese später auch zu behalten. Die Leute in New York sind immer sehr up to date und auf der Suche nach dem nächsten neuen Ding - Das ist es aber auch, was New York zu so einem tollen Ort macht.“

Ein Thema an dem in diesem Herbst wohl kein Amerikaner vorbei kommt, sind die Präsidentschaftswahlen Anfang November. Denn nicht nur in Deutschland will man einen Regierungswechsel. Auch viele Amerikaner hoffen auf einen Umschwung. „Die Bush-Administration hat wirklich ihr bestes gegeben, um unser Land zu zerstören. Ich werde definitiv Obama wählen und bete, dass er für das eintreten wird, was er momentan überall verspricht“, sagt Robert. Timothy hat den Glauben an die Politiker seines Landes offensichtlich verloren. „Für mich ist es hart, dieser Wahl zu folgen. In den vergangenen Jahren bin ich eher zu einem politischen Pessimist geworden.“ In der Frage, ob man denn als Musiker noch etwas dazu beitragen kann die politische Einstellung seiner Zuhörer zu verändern oder zu beeinflussen, sind sich The Diggs nicht sicher. „Die Pop-Kultur wird immer die Massen beeinflussen können. Aber die meisten Menschen nehmen sich nicht die Zeit, sich über die wirklich wichtigen Themen zu bilden. Sie verbringen ihre Zeit eher damit cool zu sein“, so Robert. Und Charlie pflichtet ihm bei, dass Musik immer auch eine Reflektion der Regierung war, nur das die Leute nicht deutlich genug zuhören. Und so bleibt uns allen nur zu hoffen, dass nicht McCain an die Macht kommt.

Bleibt noch die Frage was eigentlich hinter dem Namen des aktuellen Albums „Ctrl-Alt-Del“ steckt. Wer jetzt aber einen tiefsinnigen Gedanken hinter dem etwas gewöhnungsbedürftigen Titel vermutet, liegt falsch. Vielmehr war es der Arbeitstitel eines befreundeten Schriftstellers, den man sich kurzerhand geklaut hat. Natürlich mit dessen Einwilligung. „Ich glaube, der Albumtitel bedeutet für jeden von uns etwas anderes. Aber allgemein gesehen würde ich sagen es geht über neue Songs, neue Ideen und neue Möglichkeiten.“

Und die Wünsche für das kommende Jahr? „Rock the World, go on tour and writing an EP”. Wir dürfen gespannt sein, was da noch kommen mag.


 

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