DETAILS

Interpret:
The Aim Of Design Is To Define Space

Titel:
„Interessanter als Madsen, oder?"

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Autor:
Daniel vom Bruch
Herne, 26.02.2008

INTERVIEWS

The Aim Of Design Is To Define Space - „Interessanter als Madsen, oder?"

The Aim Of Design Is To Define Space - „Interessanter als Madsen, oder?"

Sie lesen Vanity Fair und wollen das Krümelmonster fesseln. Nebenbei machen sie auch noch gute Musik. „Aimthusiasm“ heißt das neueste Werk von The Aim Of Design Is To Define Space. Es ist ein Album, das eine düstere Stimmung vermittelt. Im Interview mit Crazewire verrät Schulzky, Gitarrist und Songschreiber der Brandenburger Band, was Filmtars wie Marlon Brando und Charlton Heston mit ihren Songs zu tun haben und was er davon hält, dass Tokio Hotel Werbung für Aim of Design machen.

Crazewire: Euer Bandname ist ja eher sperrig. Wie ist er entstanden?

Schulzky: Als wir uns vor fünf, sechs Jahren gründeten, entstanden gleichzeitig mit uns befreundete Projekte wie „Apparat“, „Modeselektor“ oder „Rechenzentrum“ - alles eher technische Bezeichnungen. Diese Tatsache stellte uns vor die Wahl, uns entweder „Tastatur“ zu nennen, oder einen ganz neuen Weg einzuschlagen. Wir entschieden uns für letzteres. Falls wir noch ein Album machen sollten, werden wir das Geheimnis lüften woher wir den Bandnamen geklaut haben.

Crazewire: Was soll der Name genau bedeuten?

Schulzky: Ich schwanke immer in der Interpretation. Im Moment deute ich ihn so, dass er so etwas wie „klare Linie“, „Strenge in Form und Geist“ bedeutet.

Crazewire: Ihr stammt aus den Kleinstädten Gosen und Erkner. Inwieweit fließt das Aufwachsen in brandenburgischen Kleinstädten in eure Musik mit ein?

Schulzky: Jugend ist natürlich immer prägend. Insofern, ja, es fließt ein. Vielleicht spielt das Szenario „Suburbia“ eine Rolle: in sich geschlossene Systeme, die jedoch an die Großstadt Berlin grenzen, so dass Ausgrenzung fast noch spürbarer war, als wenn man beispielsweise in Freiburg wohnt.

Crazewire: Wer sind eure musikalischen Helden bzw. wer hat euch musikalisch beeinflusst?

Schulzky: Über die Offensichtlichen braucht man ja nicht zu sprechen. Die anderen sind eigentlich nur Talk Talk und ....öhm...., Talk Talk.

Crazewire: „Aimthusiam“ ist euer drittes Album. Wie unterscheidet es sich von den beiden Vorgängern?

Schulzky: In erster Linie durch die Arbeitsweise. Wir wussten, wir können eigenständig und selbstständig ein Album schreiben, aufnehmen und produzieren. Und natürlich ist es viel besser als die Musik, die wir zuvor veröffentlicht haben. Für das Cover haben wir ein Bild gemalt, mit Sicherheit das erste gemeinschaftlich produzierte Gemälde in der Kunstgeschichte. Und die Songs? Als wir anfingen, war Aim of Design wie ein Baby, welches durch den Schock der Geburt bedingt nur schrie. Bei „Aimthusiasm“ ist Aim of Design mittlerweile ein junger Mensch, der singen kann.

Crazewire: Ihr sagt, es war euer Ziel, ein Album mit einheitlicher Ästhetik und Stimmung zu produzieren. Bei mir lösten die Songs eine teils düstere, aber sehr angenehme Stimmung aus. Meine Gedanken schweiften in Richtung Fantasywelt. Ziel erreicht?

Schulzky: Das Ziel einer linearen Ästhetik haben wir eventuell erreicht, ja. Die provozierte Stimmung ist gewünscht interpretierbar und natürlich individuell. Unsere Bildung, was das Fantasybusiness angeht, ist aber, glaube ich, nicht groß genug, als dass wir uns das bewusst vorgenommen haben. Ich denke auch, dass das Album düster ist. Düster ist wohl im Moment die Stimmung, die uns interessiert. Obwohl wir natürlich nicht die Finsternis einer Depression meinen sondern die einer Revolution.

Crazewire: Vom Titel „Mein See hat viele Ufer" gibt es die Charlton Heston-Version. Was verbindet Aim of Design mit Charlton Heston? Wieso widmet ihr ihm einen Song?

Schulzky: Wenn ich mir überlege, wie viel Stress wir jetzt schon wieder für Charlton Heston bekommen haben, werden wir in Zukunft wohl nur noch Herrn von Bödefeld aus der Sesamstraße droppen. Also, die Heston-Version erinnerte uns an die Ben Hur-Verfilmung von 1959: Altes Testament, Posaunen von Jericho usw. Heston spielt Ben Hur und nach ihm die Sinnflut. Und, nein, wir sind keine Waffen-Freaks. Aber zwielichtige Gestalten sind eben interessanter als Madsen, oder?

Crazewire: Ihr singt „Nimm das letzte Schiff und Du bist frei". Das erinnert an die letzte Szene aus der Herr der Ringe-Trilogie. Gleichzeitig wirkt der Text von „Marlon Brando Impersonator" wie eine Abrechnung mit der DDR-Diktatur. Inwieweit habt ihr euch von beiden Dingen, Herr der Ringe und DDR-Vergangenheit, beeinflussen lassen?

Schulzky: Oh, das ist eine interessante Frage. Lord of the Rings? Leider nein. Als ich klein war, war eher Winnetou mein Baby. Jetzt, wo du es sagst, könnte man das tatsächlich so sehen mit der Fluchtbewegung aus der DDR. Betrifft im übrigen auch meine Familie. Aber meine Intention war hier eher eine Flucht vor der Diktatur der Kleinbürgerlichkeit in ganz Shermany. Es gibt mit Sicherheit interessante Kunst in diesem Land. Aber wenn du in die Tiefe gehen willst, wenn du etablierten Leuten näher auf die Finger schaust, gibt es am Ende doch nur Schnitzel zum Abendbrot - geistig gesehen Wirkliche freie Radikale sind irgendwann korrumpiert. Und damit meine ich nicht einen Werbevertrag mit VW, sondern tatsächliche Kapitulation. Sie wanderten aus, sind arm und einsam, oder sind so selten wie Kraftwerk. Oder eben Brando.

Crazewire: „Nach falsch kommt richtig" heißt ein neues Stück von euch. Darf man das so interpretieren, dass im Nachhinein alles als falsch gesehen wird? Oder weiter gedacht: Seht ihr euer bisheriges Schaffen als falsch an und „Aimthusiasm" ist nun „das Richtige"?

Schulzky: (lacht, Anm. d. Red.) Nein. Dieses Stück bezieht sich auf die Möglichkeit der zweiten Chance, des zweiten Aufschlages. Kannst du verallgemeinern. Wir sehen unser Schaffen durchaus kritisch, sind aber weit davon entfernt es als „falsch“ zu bezeichnen. Und haben im Gegenteil das Gefühl, dass es erst jetzt besser verstanden wird und so endlich die entsprechende Würdigung erfährt.

Crazewire: Bei „Ich bin soweit" singt ihr von Monstern, die festgebunden werden sollen. Welche Monster sind gemeint?

Schulzky: Das Krümelmonster aus der Sesamstraße.

Crazewire: Der Bassist von Tokio Hotel trug letztens bei einer Fernsehshow euer T-Shirt. Willkommene oder eher unwillkommene Promo?

Schulzky: Sehr willkommen.

Crazewire: Ihr werdet von Kritikern als „stilsichere Bildungsbürger", aber auch als „spätpubertäre Phrasendrescher ohne intellektuellen Nährwert" tituliert. Wie seht ihr euch?

Schulzky: Wir sind Dachse und lesen nur Vanity Fair. Da steht so etwas nicht.

Crazewire: Vielen Dank für das Gespräch.


 

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