TGV - Schubladen sprengen
Gitarre, Bass, Schlagzeug. Mehr braucht es oft nicht, um einen Saal zum Kochen zu bringen. Auch TGV setzen auf die Macht der bewährten Dreifaltigkeit, um Körper in Bewegung zu bringen. Noch im Frühjahr konnte man sich nahezu deutschlandweit selbst überzeugen, wie schnell dieser Express ist. Sängerin Elena Lange, die manchem Musikfreund durch ihr Engagement bei Stella bekannt sein dürfte, nahm sich Zeit für ein kurzes Interview mit
Crazewire.
Crazewire: TGV gibt es nun ja schon seit einiger Zeit. Dennoch ist der Name wohl hauptsächlich jenen ein Begriff, die schon mal in den Genuss kamen, euch live zu sehen. Bitte gib uns einen kleinen Einblick in die Gründung und Geschichte der Band.Elena Lange: TGV existiert seit einigen Jahren. Wir haben uns erst zu zweit getroffen. Barbara, die Schlagzeugerin, und ich und fanden dann, dass zu den Songs auch eine richtige Band gehört. Sie kannte Katrin, die Bass spielt. Barbara und ich waren und sind permanent in anderen Bands. Ich beispielsweise bin oft mit Stella unterwegs gewesen oder im Studio, Katrin war ein Jahr in München. Wir haben immer neue Fans, auch wirklich manische Fans gewonnen, aber das Vertrauen in uns von Seiten der Labels blieb, aus welchen Gründen auch immer, aus.
Crazewire: Vor kurzem habt ihr eine selbstbetitelte EP veröffentlicht, die auf eurem eigenen Label erscheint. Ist euch der D.I.Y. – Gedanke wichtig?Elena Lange: Inzwischen schon.
Crazewire: Man kann die EP über eure Myspace-Seite bestellen. Ist das Internet eine gute Plattform für euch?Elena Lange: Es ist gerade die einzige Plattform. Also anklicken!
Crazewire: Nachdem ich euch live gesehen habe, bin ich davon überzeugt, dass packende Konzerte immer noch die beste Werbung für eine Band sind. Wie wichtig ist es euch zu touren und wie schwer fällt es, das mit dem „normalen“ Alltag zu verbinden?Elena Lange: Touren ist das Beste an der Musik. Es gibt aber auch einen Touralltag. Wenn man lange unterwegs ist, muss man wissen, mit wem man kann und mit wem nicht. Das sage ich aber eher in Bezug auf Jungsbandkombinationen. Bei TGV ist das anders, entgegen der landläufigen Meinung kommen Frauen untereinander besser aus als Männer. Ich habe bei Stella so putzige, aber auch extreme, zum Haare raufen fiese Erfahrungen gemacht, das ist bei TGV noch nie vorgekommen, dazu sind wir untereinander zu gemächlich. Wenn die Location und das Publikum, am besten auch noch die Kasse stimmen, ist es doch hervorragend. Wenn nicht, dann betrinkt man sich halt besinnungslos und rockt trotzdem das Haus.
Crazewire: Im Frühling habt ihr den Support für Sleater-Kinney übernommen, die sich mittlerweile leider aufgelöst haben. Seid ihr froh dabei gewesen zu sein, oder traurig?Elena Lange: Wir fanden die Damen von Sleater-Kinney höchst unsympathisch, aber dafür haben wir sie ja in Köln auch von der Bühne gefegt.
Crazewire: Weibliche Trios, die krachige, schnelle Musik mit selbstbewussten Texten machen, werden gerne schnell in Schubladen verfrachtet. Mögt ihr es als Riot Grrls, Girlpunks oder ähnliches bezeichnet zu werden?Elena Lange: Nein. Sorry, aber wir mögen lieber Destiny’s Child, die Melvins und Can.
Crazewire: Wie möchtet ihr, dass man eure Musik bezeichnet? Wie würdet ihr euren Stil charakterisieren?Elena Lange: Wir sagten immer White Funk dazu, obwohl sich das inzwischen ja auch klischeehaft eingebürgert hat.
Crazewire: Zum Abschluss würde ich noch gerne erfahren, wie es mit TGV weiter gehen wird. Gibt es schon Pläne für die nähere Zukunft?Elena Lange: Ich werde für eineinhalb Jahre nach Japan gehen. Vielleicht in Tokyo das Budokan ausverkaufen?
Crazewire: Vielen Dank für das Interview.