Interpret:
STRFKR
Titel:
„Das einfache Leben“
Autor:
Isabel Parzich
Wuppertal, 30.11.2011
Gott sei Dank gibt es neben all den unzähligen Casting-Formaten, die in dieser zweiten Jahreshälfte so omnipräsent sind, auch immer noch das reale Leben. Richtige Konzerte mit handgemachter Musik. Auch wenn diese zum Teil aus der Dose kommt wie bei STRFKR oder auch Starfucker, einem Trio aus Portland, Oregon, welches gekonnt elektronische Elemente mit analogen Sounds verbindet, und einen Elektro/Dance/Indie/Pop-Hybriden schafft. Die drei befinden sich derzeit auf ausgiebiger Europatournee und haben in diesem Jahr ihr aktuelles Album „Reptilians“ via Polyvinyl auf den Markt geworfen. Gerade erst erschien die Wiederveröffentlichung von „Jupiter“. Grund genug für Crazewire, 2/3 der Band, nämlich Shawn Glassford (Bass, Keyboards, Drums) und Joshua Hodges (Vocals, Keyboards, Gitarre, Drums) zu befragen.
Crazewire: Ihr habt gerade zwei Gigs in Berlin gespielt. Gibt es eine besondere Verbindung zu unserer Hauptstadt oder war es bloßer Zufall, dass ihr dort zwei Shows hintereinander gespielt habt? Welche deutschen Städte stehen noch auf Eurem Plan in diesem Jahr?
STRFKR: Wir sind derzeit auf einer ausgedehnten Europatour. Berlin war bloß der erste Stopp einer monatelangen Reise. Wiesbaden und Duisburg stehen außerdem auf dem Plan und wir hoffen, auch in Hamburg Halt zu machen. Wir sind also schon eine Weile in Deutschland. Wir sind das erste Mal hier und wir lieben das, was wir bisher gesehen haben. Wir hoffen, dass wir bald und oft zurückkommen werden!
Crazewire: Könnt Ihr die Musik von STRFKR in drei Worten beschreiben?
STRFKR: Lustig, depressiv, vielfältig.
Crazewire: Gibt es Künstler, die Ihr bewundert oder die Euch inspirieren?
STRFKR: Das Unknown Mortal Orchestra.
Crazewire: Wenn Ihr euch entscheiden müsstet, nur noch instrumentale Musik zu produzieren oder ganz mit der Musik aufzuhören, wie sähe Eure Wahl aus?
STRFKR: Natürlich würden wir uns für die instrumentale Musik entscheiden, einige unserer liebsten Songs sind rein instrumental. Und ich glaube nicht, dass irgendjemand von uns jemals aufhören wird Musik zu machen. Selbst wenn wir damit aufhören, sie zu veröffentlichen, werden wir vermutlich immer noch Musik für uns selbst machen. Das ist eine Form der Therapie.
Crazewire: Musik drückt für verschiedene Menschen unterschiedliches aus. Was ist Eure eigene Message, was wollt ihr ausdrücken?
STRFKR: Ich weiß es nicht. Meine erste Motivation ist rein egoistisch. Ich würde das auch machen, selbst wenn es kein Publikum gäbe, das mir zuhören würde. Es ist eine Veröffentlichung für mich. Aber auf der anderen Seite ist es schwierig, sich das zu vergegenwärtigen und seitdem es da ein Publikum gibt, ist es schwierig, diesen Aspekt außen vor zu lassen, wenn man einen Song schreibt. Wenn ich an unsere Hörer denke, denke ich meistens an meine beste Freundin Emma Newman, die auf vielen meiner Tracks singt (z.B. bei unserer Coverversion von „Girls Just Wanna Have Fun") und frage mich, ob ihr das gefallen würde. Was die Texte angeht: Ich mag es über Themen zu schreiben, über die ich auch gerne rede und nachdenke: den Tod, Sex und das Ego. Manchmal verstehen andere das so, wie auch ich es meine, aber die meiste Zeit denke ich, dass sich jeder seine eigenen Dinge aus einem Song zieht. Es kann etwas total anderes für den Hörer bedeuten als für den Komponisten, das ist absolut natürlich.
Crazewire: Euer aktuelles Album „Reptilians" kam über Polyvinyl Records raus, „Jupiter" wurde jetzt von selbigem Label re-released. Ihr reiht Euch dort zwischen großartige Acts wie Xiu Xiu, 31 Knots und andere ein. Ich habe schon oft gehört, dass Musiker davon träumen, auf einem bestimmten Label zu veröffentlichen. Ist für Euch ein Traum in Erfüllung gegangen, als ihr einen Vertrag mit Polyvinyl unterzeichnet habt?
STRFKR: Ich glaube nicht, dass wir jemals von einem bestimmten Label geträumt haben. Aber nachdem wir uns mit Polyvinyl unterhalten haben, wussten wir, dass wir mit ihnen arbeiten wollen. Sie sind unglaublich authentisch und real, was in der Industrie nicht ganz leicht zu finden ist. Sie machen das aus dem richtigen Grund und das zeigt sich auch in ihrer Arbeit. Wir fühlen uns geehrt, ein Teil ihrer Familie zu sein. Und einige von uns hören Polyvinyl-Bands seit wir Teenager sind. Demnach fühlt es sich besonders an und ja, wie eine Art Traum.
Crazewire: Das Artwork zu „Reptilians" und der „Julius"-7" ist fantastisch und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Könnt Ihr mir mehr über den Entstehungsprozess erzählen, was Eure Gedanken dahinter waren und wer sich dafür verantwortlich zeichnet?
STRFKR: Sohale Kevin Darouian hat das „Reptilians"-Cover erschaffen wie auch alle anderen Alben-Cover. Keil, unser Drummer zeichnet sich für das Cover der „Julius"-7" verantwortlich. Wir alle mögen die Cover der 70er-Science-Fiction Bücher und was sie ausdrücken. Für „Reptilians" wollten wir etwas Nostalgisches, was aber zeitgleich auch futuristisch wirkt. Viele der Songs handeln vom Tod und dem Ende der Welt und es ist fast so, als würden die Charaktere auf dem Cover zu einer neuen Welt blicken oder einer zerstörten Welt, die bereit ist, wiedergeboren zu werden, als ob sie etwas überlebt hätten. Unser Grafiker hat damit begonnen, die Außenlinien zu zeichnen. Dann haben wir uns alle noch mal mit ihm zusammen hingesetzt und wie bei einem Malbuch die Flächen mit Farben ausgefüllt.
Crazewire: Wie sieht Euer Leben abseits der Musik aus?
STRFKR: Wir waren in den letzten drei Jahren so viel auf Tour, dass wir zu Hause einfach nur entspannen. Es dauert in der Regel ein paar Wochen, um sich von der langen Einschränkung auf Tour zu regenerieren. Wir spielen Brettspiele und fahren Fahrrad, das einfache Leben.
Crazewire: Gibt es etwas, das Ihr in den nächsten Jahren erreichen möchtet? Träume, die in Erfüllung gehen sollen?
STRFKR: 2012 wollen wir ein paar neue Alben fertigstellen. Wir haben eine Menge an neuem Material, das im Studio festgehalten werden muss. Wir nehmen uns die erste Hälfte des Jahres frei, um aufzunehmen. Danach gehen wir wieder auf Tour. Was wir wirklich wollen, ist außerhalb der USA zu touren. Wir möchten Europa ausgiebig betouren und es hoffentlich nach Japan, Australien und Südamerika schaffen. Im Grunde wollen wir überall spielen, wo es nur möglich ist.
Crazewire: Danke für die Antworten!
Stream: „Reptilians“