DETAILS

Interpret:
Speedmarket Avenue

Titel:
See, listen and think

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Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 15.12.2008

INTERVIEWS

Speedmarket Avenue - See, listen and think

Speedmarket Avenue - See, listen and think

Sarah Records oder Belle & Sebastian sind die Schlagworte. Bücher lesen und Brille tragen, gern gesehen. Eine Vorliebe zur Popmusik der 60er Jahre ist Grundkonsens. Als Spielart des britischen Indie Pops entstanden, etablierte sich über die Jahre ein Genre namens Twee, dessen Vertreter in leiseren Tönen ihren Ausdruck finden. Oft wurde Künstlern jener Gattung fälschlich der Vorwurf der Niedlichkeit gemacht, klangliche Harmonie mit Gefälligkeit gleichgesetzt. Dass dies ein grobes Missverständnis ist, zeigten in jüngerer Vergangenheit etwa Bands wie Camera Obscura, The School oder auch Los Campesinos, die mit „International TweeXcore Underground“ den Leisetretern unlängst eine ironische Hymne gewidmet haben.

Seit einigen Jahren spielen auch Speedmarket Avenue einen melodieverliebten, zurückhaltenden Gitarrenpop. Mit dem Twee-Etikett wollen die Schweden allerdings nicht wirklich etwas anfangen können. „Ich denke nicht, dass diese Bezeichnung unsere Musik beschreibt“, blockt Sänger und Gitarrist Isak Klasson die erste Einordnung seiner Band ab. Dementsprechend hat er auch noch nie etwas von Los Campesinos gehört, auch wenn er einräumt, „einige Freunde haben gesagt, wir klängen ein bisschen wie sie. Hoffentlich sind sie gut!“ War denn dann die Entscheidung für Elefant Records, die man auch gerne Twee-Spezialisten nennen könnte, einfach Zufall? „Wir wollten mit Elefant arbeiten, da sie einfach ein klassisches Label sind und über die Jahre viele großartige Platten veröffentlicht haben.“

Ein anderer wahrer Klassiker spukt seit Jahren durch die Lieder von Speedmarket Avenue. Bereits auf früheren EPs spürbar, deutlich jedoch auf dem neuen Album, ist der raumfüllende Geist von Phil Spector allgegenwärtig. „Obwohl ich seine Arbeit sehr liebe, habe ich daran eigentlich noch nie gedacht“, kommentiert der Songwriter, „aber es gibt eine Menge Hall auf dem Album und wir haben doppelte Drums bei einigen Liedern benutzt. Spector wollte jedoch, dass seine Songs nie mehr als drei Minuten dauern, unsere sind meistens länger.“ Mit Nostalgie haben Speedmarket Avenue demnach nichts am Hut. Hört man Stücke wie die aktuelle Single „Don't Fall In Love“, so bekommt man dennoch den Eindruck, als seien hier einige hoffnungslose Romantiker am Werk. „Ich denke schon, dass wir alle sehr romantische Menschen sind, doch der Song speziell, ist über eine Person, die mir sehr nah steht und sich unbedingt verlieben wollte. Sie hat es getan, oder zumindest stolperte sie in eine Beziehung. Doch andererseits bekam sie dadurch eine Menge Probleme und nun ist sie sehr krank. Die Geschichte ist eine Tragödie.“

Dennoch hat „Way Better Now“ nicht nur tragische Momente. Der Titeltrack etwa ist musikalisch der euphorische Aufruf, das Leben optimistischer zu sehen. An anderer Stelle verströmen die Lieder eine angenehm zurückgelehnte After-Hour-Atmosphäre. Gab es also ein großes Bild, ein klangliches Konzept? „Wir haben nie über konkrete Bilder nachgedacht, die wir vermitteln möchten. Wir wollten schlicht ein Album machen, das man sich immer wieder anhören kann.“ Interesse findet die Anmerkung, ein perfekter Moment für diese Songs seien die frühen Morgenstunden, nachdem man von einer Party heimgekehrt ist. „Oh ja, das ist ein sehr guter Moment, sich die Platte anzuhören.“, stimmt Isak zu. Generell helfe es, sich Zeit zu nehmen. Für Speedmarket Avenue und überhaupt im Leben. „See, listen and think“, ist sein Ratschlag gegen die Traurigkeit des Alltags.


 

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