DETAILS

Interpret:
Snailhouse

Titel:
Die Balance zwischen Erwartung und Aufregung

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Autor:
Kai Töpel
Dresden, 17.11.2008

INTERVIEWS

Snailhouse - Die Balance zwischen Erwartung und Aufregung

Snailhouse - Die Balance zwischen Erwartung und Aufregung

Anfang Oktober gab es für alle Crazewire-Schreiber und -Leser einen ganz besonderen Abend. Nach fünf Jahren feierten wir euch, uns und natürlich die Musik mit einem Konzertabend in Bonn. Einen ganz besonderen Anteil daran hatte Mike Feuerstack, auch bekannt als Snailhouse, durch sein Konzert. Ob es für ihn auch so besonders war erzählte er uns im Interview und blickte dabei auch mit uns auf seine über 15 Jahre als Musiker zurück.

Crazewire: Hallo Mike, wie geht es dir? Was machst du gerade?

Mike Feuerstack: Ich genieße ein wenig die ruhige Zeit im Moment, oder sollte ich sagen Zeit zum Aufholen? Direkt nachdem ich in Deutschland auf Tour war, bin ich hier mit einem anderen Projekt unterwegs gewesen Jetzt versuche ich mich wieder in den Alltag einzufinden und gleichzeitig etwas auszuruhen.

Crazewire: Anfang Oktober hast du auf unserer Geburtstagsfeier ein großartiges Konzert in Bonn gespielt, eine Stadt die nicht verwöhnt ist mit vielen guten Konzerten. Wie denkst du jetzt im nachinein über das Konzert nach?

Mike: Für mich war es wirklich großartig. Ich habe mich wie zuhause gefühlt, sehr willkommen und ich war froh, dass so viele mein Konzert angesehn haben. Ich habe die Musikgemeinschaft in Bonn als sehr angenehm in Erinnerung, als Musiker ist es einfach großartig vor so einem Publikum zu spielen.

Crazewire: Du hast mit Cedarwell noch ein paar Lieder nach dem Konzert in der Menge gespielt. War das eine spontante Aktion? Wie fandest du die Reaktion den Publikums?

Mike: Ich denke es war schon ein wenig geplant. Wir kannten uns ja vorher beide nicht, auch nicht unsere Musik, aber wir haben den gesamten Tag miteinander verbracht und uns kennengelernt. Die Atmosphäre war einfach die richtige dafür, um einfach zu singen ohne auf die Qualität zu achten, sondern einfach nur als Gemeinschaftsgefühl. Ich denke, dadurch haben wir zusammen mit dem Publikum eine einmalige Situation gehabt, die wir sicherlich nicht an jedem Ort gehabt hätten.

Crazewire: Du bist selbst schon Musiker seit den 90ern, manche Freunde und Wegbegleiter von dir, wie der Arcade-Fire-Drummer Jeremy Gara haben große Erfolge gefeiert. Wie blickst du zurück auf die letzten 15 Jahre? Würdest du gerne mehr Aufmerksamkeit für deine Musik haben und auch größere Hallen füllen?

Mike: Natürlich erhofft man sich immer die größte mögliche Aufmerksamkeit und ein großes Publikum, jedoch denke ich, dass da eine Grenze ist, an der die Hallen zu groß werden, um immernoch die selbe Musik zu spielen. Bands wie Radiohead und Arcade Fire spielen großartige Konzerte in großen Hallen und Arenen, aber es ändert die Natur der Musik. Mein Ziel wäre, dass meine Musik so viel Aufmerksamkeit bekommt, dass es meine Karriere unterstützt, aber gleichzeitig meine Musik weiterhin so wirkt wie in kleinen Bars und Clubs.

Crazewire: Du hast mit Jeremy selbst an deinem aktuellen Album gearbeitet. Wie lief die Arbeit mit ihm?

Mike: Jeremy und ich sind schon seit langem gute Freunde und machen lange zusammen Musik. Also war es ganz natürlich für uns zusammenzuarbeiten. Als Musiker hat er bereits an den letzten drei Snailhouse Alben mitgearbeitet. Diesmal war  es anders, weil er sich auch um das Aufnehmen und Mixen gekümmert hat und damit einen riesigen Anteil hatte. Er vertraut darauf, dass ich ein klares Bild von der Art habe, wie das Lied werden soll, auch wenn er diesen Weg nicht erkennt, und lässt meine Musik frei entfalten. Außerdem ist es für uns eine großartige Entschuldigung dafür, miteinander Zeit zu verbringen.

Crazewire: War es eigentlich schwierig für ihn, vergleichsweise zu Arcade Fire, einfachere Möglichkeiten zu nutzen, mit geringem Budget zu arbeiten?

Mike: Jeremy ist ein Vollblutmusiker, Er atmet und lebt die Musik. Wir fühlten uns nicht eingeschränkt in den Möglichkeiten, die wir hatten. Zum Beispiel wirst du Hörner, Streicher, Contrabass, mehrere Gitarren, Keyboards und eine große Anzahl von verschiedenen Sounds bemerken. Unsere Musikcommunity is riesig und wir hatten viele fleißige Helfer, die uns dieses Album in dieser Art ermöglicht haben. Also hat jedes Lied die Instrumentierung bekommen, die wir uns erhofft haben.

Crazewire: Als Songwriter liegt eine der größten Schwierigkeiten darin, eine gute Mischung aus den Texten und der Musik zu finden. Wie schaffst du, die Waage zu halten. Wie wichtig ist dabei deine Erfahrungen, die du in den letzten Jahren als Musiker sammeln konnte?

Mike: Ich habe einfach immer Musik geliebt. Ich seh es als mein Ziel an, ein Lied zu schreiben, welches ich hören will, aber noch nicht gehört habe. Was die Texte ansieht, ich finde sie verdammt wichtig, bei meiner Musik nehmen sie mindestens 50% ein. Ich würde nicht instrumentale Musik machen wollen, genauso will ich aber auch keine Bücher schreiben. Diese beiden Seiten balancieren sich für mich selbstständig aus. Darüber muss ich mir dabei gar keine Gedanken machen. Ich mein, versteh mich nicht falsch, ich liebe instrumentale Musik und Bücher, aber wenn ich mich alleine auf mich konzentriere, klappt nur die Mischung.

Crazewire: Gerade als Songwriter ändern sich eigentlich die Möglichkeiten, die man nutzen kann nicht sehr. Was motiviert dich, weiter neue Lieder zu schreiben?

Mike: Es gibt da diese Balance aus Erwartung und Aufregung, welche das Schreiben für mich immer wieder interessant macht. Die Kombination aus Noten, Klängen, Melodien, lyrischen Ideen und Konzepten sind unbegrenzt. Mir kommt es so vor, als sei die einzige Sache, die man falsch machen könnte, es nicht hart genug zu versuchen. Ich finde das traurig, denn es passiert andauernd. Musik ist gar nicht unbdingt Talent, sondern viel eher die Arbeit und das Herz, welches man reinsteckt.

Crazewire: Du hast dir teilweise recht viel Zeit zwischen den Alben. Braucht der Prozess des Schreibens so lang oder hast du so viel zu tun?

Mike: Es liegt nicht am Schreiben, sondern wirklich daran, zwischen den ganzen anderen Projekten, die ich habe, Zeit zu finden. Außerdem kostet es viel Geld ein Album zu machen und man muss genug Zeit investieren, um es richtig zu machen, sodass man damit zufrieden ist. Aber versprochen, das nächste Album wird nicht so lange brauchen.

Crazewire: Du spielst ja auch für die Wooden Stars, wie unterscheidet sich das Arbeiten und Schreiben für ein Wooden-Stars-Lied im Vergleich zu einem Snailhouse-Song?

Mike: Wooden Stars ist eine enge Zusammenarbeit. Sicherlich ist dies Snailhouse auch, aber ich bin dabei die Person, die es steuert. Man kann es mit einem Film vergleichen, da arbeiten auch viele Leute zusammen, aber es gibt einen Regisseur. Bei Wooden Stars wiederrum gibt es vier Regisseure. Dadurch gibt es natürlich viel mehr Ideen, aber es macht auch vieles schwieriger.

Crazewire: Du kommst aus Montreal, einem Ort, der für viele Europäer fast schon magisch klingt, so viele namhafte Indie-Bands leben dort. Was macht Montreal so besonders?

Mike: Es gibt hier einfach an jeder Ecke tolle Indie Bands Montreal ist einfach eine tolle, aktive Großstadt und zieht vor allem deshalb so viele Musiker an, weil es bezahlbar ist und gleichzeitig ein tolles Leben ermöglicht. Künstler leben immer dort, wo sie es bezahlen können und gute Möglichkeiten finden.

Crazewire: Mike, vielen Dank für deine Antworten und im Namen der Redaktion und den begeisterten Zuschauern für dein tolles Konzert in Bonn anlässlich unserer Geburtstagsfeier.

Mike: Ich hab zu danken, wir sehen uns nächsten Monat!


 

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