DETAILS

Interpret:
Situation LeClerq

Titel:
Glitzerstaub für Indie-Kids

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Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 26.01.2009

INTERVIEWS

Situation LeClerq - Glitzerstaub für Indie-Kids

Situation LeClerq - Glitzerstaub für Indie-Kids

Alison Records sind schon länger für ihre liebevoll verpackten Promo-CDs bekannt. Da wird gerne von Hand gebastelt und zum Honig-Album gab es beispielsweis - was wohl? - Honig! Klar, dass man es sich dann bei einem Album wie „Glaxo“, das wie der wahrgewordene Albtraum jedes Trübsalbläsers klingt, nicht nehmen lässt, ordentlich die Fetzen fliegen zu lassen. Alles so schön bunt hier! Da rieselt der Glitzerstaub, aus einer Zellofantüte purzeln, begleitet von erwähntem bunten Plastikglitter einige goldene Kügelchen und sonstiger discophile Dekospaß. Doch kommen wir zum Inhalt, Vorhang auf für Situation LeClerq. Crazewire fragte bei Robert nach, seines Zeichens für Bass und einige elektronische Programmierungen verantwortlich.

Crazewire: Situation LeClerq wurden bereits 2003 gegründet und dennoch ist Glaxo euer Debütalbum. Warum die lange Wartezeit?

Robert: Wir haben Situation Leclerq gegründet, als wir alle noch studiert und in Hannover gelebt haben. Danach folgten einige personelle Wechsel, außerdem sind zwei von uns nach Hamburg gezogen. Das alles bremste uns am Anfang etwas aus. Wir brauchten einige Zeit, um erstens eine Arbeitsweise zu finden, wie wir trotz der Distanz den Bandbetrieb aufrecht erhalten können und zweitens uns auch stilistisch zu finden, das war ein langer Prozess. Wir haben vieles ausprobiert, stilistische Berg- und Talfahrten gemacht und sind natürlich immer weiter unterwegs.

Crazewire: Ihr habt vor zwei Jahren den Lado-Nachwuchswettbewerb gewonnen, konntet dann jedoch infolge der Pleite des Labels dort nicht mehr veröffentlichen. Wie fühlt es sich an, nun endlich doch einen Release zu haben?

Robert: Es fühlt sich super an. Der Lado-Nachwuchswettbewerb war für uns ein Schritt in eine professionelle Richtung, wir haben dort eine Studioproduktion  gewonnen mit der Option auf ein Release. Zum Release ist es nicht gekommen, aber wir haben aus dem Studio einiges an Erfahrung mitgenommen und außerdem war es auch eine Anerkennung unserer Arbeit, dass wir ausgewählt wurden.

Crazewire: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Alison Records?

Robert: Wir haben lange unser eigenes Süppchen gekocht, versucht, über eigene Kanäle unsere Musik zu promoten. Das lief auch ganz gut, verschlang aber jede Menge Arbeit und Zeit. Dazu kommt, dass die Strukturen so sind, dass man als Band mit Label erst professionell wahrgenommen wird und auch erst dann so richtig professionelle Arbeit möglich ist. Wir sind im Mai '08 mit ein paar Promos im Gepäck auf die PopUp-Messe in Leipzig gefahren, wo sich viele deutsche Indielabels, Booker, Magazine etc. vorstellen. Dort kamen wir mit Robin von Alison ins Gespräch. Wir verstanden uns auf Anhieb und auch musikalisch hats gepasst, so dass wir ca. drei Wochen später schon in einem Hamburger Cafe saßen, um erste konkretere Absprachen zu treffen... Naja und der Rest ergab sich dann so und liegt in Form unseres Albums nun vor. Und wir müssen auch betonen, wie super die Arbeit mit Alison ist, es ist sehr kooperativ, wir merken auf jeden Fall, dass das alles Hand und Fuß hat und auch schon saftige und große Früchte trägt. Außerdem sind die alle total nett dort, wir sind sehr glücklich mit unserer Entscheidung.

Crazewire: Das Album klingt, als wolle es im Club gespielt werden und ihr seit ja auch als DJs aktiv. Inwiefern wirkt sich das auf eure Musik aus?

Robert: Wir haben Situation Leclerq damals gegründet, weil wir als DJs gemerkt haben, dass man Musik nicht mit Scheuklappen betrachten darf und sich gegenüber allen Einflüssen öffnen muss. Man muss sowohl in der Musikgeschichte schauen, als auch neueste Einflüsse zulassen, wenn man ein ausgewogenes, dynamisches und stets spannendes Set spielen will. Als DJ, aber auch als Band. Das fing damit an, dass wir mit Elektronik experimentierten, als wir noch eine „klassische“ Indie-Gitarrenband waren. Aber nach und nach hat mehr Verspieltheit Einzug erhalten. Man muss sich auch in die Leute hineinversetzen beim DJing, nicht einfach nur alle Hits nacheinander raushauen. Klar, beim Songwriting folgen wir immer unserer eigenen Inspiration und musikalischen Sozialisation. Aber z.B. bei Konzerten machen wir uns schon sehr klare Gedanken darüber, wie wir unser Set aufbauen, an welcher Stelle des Abends wir spielen etc. Wir beziehen das Publikum auf jeden Fall auch in unsere Performance ein.

Crazewire: Mir scheint, ihr verwendet Zitate der Popgeschichte als Stilmittel. Wie erkennt man eine Melodie, oder ein Sample, dass es lohnt, zitiert zu werden?

Robert: Das kommt nicht bewusst. Wir hören extrem unterschiedliche Musik innerhalb der Band und haben uns auch als DJs - zum Teil schon fast seit 10 Jahren - mit unterschiedlichsten Musikstilen beschäftigt. Dabei bleibt natürlich viel hängen. Wir haben auch schon in den unterschiedlichsten Bands vorher gespielt. Und alle beschäftigen sich sehr viel privat mit Musik. Unbewusst verarbeitet man viele dieser Einflüsse in der eigenen Musik. Es ist nicht so, dass wir sagen „Hey, lass uns mal in einem Song Kate Bush oder Prince zitieren“ - es ist vielmehr so, dass beim Songschreiben manchmal zufällig Elemente entstehen, die einer gewissen Inspiration entspringen. Und wenn das so ist, spielen oder kokettieren wir eben gern damit.

Crazewire: Neben 70er-Disco haben Stücke wie Freaks oder Thank You mich zeitweise an einheimische Pop-Produktionen der 80er erinnert. Plant ihr heimlich das große NDW-Revival?

Robert: Nein, das eher nicht. Insbesondere, weil wir uns irgendwann nach anfänglichen Experimenten mal von der deutschen Sprache verabschiedet haben. Aber klar, wir sind alle in den 80er-Jahren groß geworden und da haben wir auch angefangen, uns mit Musik zu beschäftigen. Und die Musik aus dieser Zeit, zum Beispiel Depeche Mode, New Order, Human League, fanden und finden wir immer noch super. Absolut wegweisend für elektronische Musik der Neuzeit und somit auch für uns.

Crazewire: Wieviel Glitzerstaub vertragen die hiesigen Indie-Hörer?

Robert: Wir hoffen so viel wie möglich. Uns ist es wichtig, dass insbesondere live das Entertainment im Vordergrund steht. Wir bringen live eine gehörige Portion Selbstironie mit, versuchen die Leute aus der Reserve zu locken und nehmen das Leben und uns selbst nicht so bierernst. Letztendlich arbeiten alle Bands mit irgendwelchen Klischees, seien es die vollbärtigen bebrillten Songwriter, die neonfarbenen New-Rave-Kids oder oder oder... Wir stehen dazu und überspitzen es gern. Vielleicht treten wir eines Tages in Paradiesvogelkostümen auf oder machen ein Acapella-Album - keine Ahnung. Aber alles ist möglich und das wollen wir definitiv verkörpern - angefangen beim Glitzerstaub auf unseren Promo-CDs.

Crazewire: Ist ein Situation-Leclerq-Konzert eher eine Rockshow, oder ein DJ-Gig?

Robert: Es ist schon eher eine Rockshow, aber mit Erfahrungen aus dem DJing - das heißt, wir versuchen, die Pausen zwischen den Songs kurz zu halten, außerdem spielen wir am liebsten eingebettet in ein DJ-Set, d.h. ohne Unterbrechung legt vor und nach unserem Gig ein DJ - da haben wir einige Partner-DJs - auf und bindet uns als Band quasi in sein Set ein. Das funktioniert sehr gut und ist für DJ, Band und Publikum eine Win-Win-Lösung.

Crazewire: Abschließend würde ich die Herren DJs bitten, eure Lieblings-Club-Hits aus 2008 preiszugeben.

Robert: Tja, da sind die individuellen Einschätzungen unterschiedlich. Für mich gilt - und da spreche ich zumindest teilweise für meine Kollegen:

Holy Ghost - „Hold On!“
Hot Chip - „One Pure Thought“
Chromeo - „Fancy Footwork“
Cut Copy - „Hearts On Fire“
Hercules & Love Affair - „Blind“
Noze - „Dance Avec Moi“


 

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