DETAILS

Inpterpret:
Simian Mobile Disco

Titel:
Fuck, die spielen diesen Track schon wieder

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Autor:
Renate Bichert
Remscheid, 06.07.2009

INTERVIEWS

Simian Mobile Disco - Fuck, die spielen diesen Track schon wieder

Simian Mobile Disco - Fuck, die spielen diesen Track schon wieder

Im August erscheint „Temporary Pleasure“, das neue Album von Simian Mobile Disco - höchste Zeit für ein ernstes Wörtchen mit Jas Shaw und James Ford. Auf dem Electronic Beats Festival haben wir die beiden zur Seite genommen und mit ihnen über die Schatten der Vergangenheit und die Platten der Zukunft gesprochen.

Crazewire: Beginnen wir am Anfang. Bevor ihr Simian Mobile Disco gegründet habt, habt ihr in der Band Simian gespielt. Erzählt uns die Geschichte.

James Ford: Das ist schon so lange her, ich kann mich kaum erinnern. Wir haben zusammen studiert und eine Band gegründet, wie man das so macht. Ein Label hat uns unter Vertrag genommen und wir haben viel mehr Geld bekommen, als gut für uns war. Wir haben einige gute und einige schlechte Entscheidungen getroffen. Zum Schluss haben wir uns nach dem zweiten Album getrennt. Wir haben dann mit Electronic Music weitergemacht und das wars.

Crazewire: Warum habt ihr „Simian“ in eurem Namen behalten?

Jass: Das war eigentlich ein Unfall. Um ehrlich zu sein, hätten wir das nicht machen dürfen.

James Ford: Ja, wir hätten ihn ändern sollen.

Jas Shaw: Ja, definitiv. Hätten wir gewusst, dass wir noch ein Weilchen weiter machen würden, hätten wir ihn auf jeden Fall geändert. Es kam alles dadurch, als wir angefangen haben zu touren, war das einfach ein piss-take name für unser DJ-Ding. Als wir in der Band waren, haben wir nun mal gerne gespielt. Doch als Simian sich aufgelöst haben, haben wir weiter gespielt und wir haben nicht darüber nachgedacht. (Sie sind mit dem Namen Simian Mobile Disco auf Electropartys aufgetreten, als es Simian noch gab, Anm. d. Verf.).

James Ford: Wir haben uns auch schon einen Ruf als Live-DJs erarbeitet als wir noch in der Band waren. Deshalb haben uns die Leute als Simian Mobile Disco gebucht oder nach Remixen von Simian Mobil Disco gefragt. Wir hätten wieder von vorne anfangen müssen, wenn wir den Namen geändert hätten.

Jas Shaw: Es ist ein schrecklicher Name.

James Ford:  Er ist scheiße.

Crazewire: Wenn ihr euren Namen ändern könntet, wie würdet ihr euch nennen?

Jas Shaw: Wir haben darüber gesprochen. Wir haben uns im Pub getroffen und James kam mit einem Haufen Namen an. Aber die waren alle noch schlimmer.

James Ford: Ja, es ist schon hart.

Crazewire: Als Justice „Never Be Alone“ von Simian geremixt haben, war das ihr Durchbruch und sie wurden wesentlich erfolgreicher, als Simian jemals gewesen sind. Was denkt ihr darüber?

Jas Shaw: Es ist eigenartig, dass dieser Remix so groß geworden ist. Als es gerade rausgekommen ist, mochten wir ihn und haben ihn auch aufgelegt. Dann ist er relativ natürlich verschwunden. Dann kam er wieder und er hat uns gelangweilt: „Fuck, die spielen diesen Track schon wieder.“ Na ja, so laufen die Dinge nun mal. Es hat wohl Leute eingefangen. Es ist aber schon etwas tolles, weil wahrscheinlich die meisten Bands das wollen, dass ein Song ewig durchhält. Es ist jetzt, wie lange, sechs Jahre her?

Crazewire: Was denkt ihr darüber, dass jeder euch das Label „New Rave“ verpassen will?

James Ford: Das machen die gar nicht mehr. Das war während des Hypes. Für mich ist New Rave eine Phrase, die von bestimmten Journalisten, vom NME zu Beispiel, entwickelt wurde, um ein paar Bands wie die Klaxons und andere zusammenzustauchen. Er hat nie wirklich existiert.

Jas Shaw: Das waren auch Hot Chip und LCD Soundsystem, eigentlich jeder, der elektronische Live-Musik gespielt hat. Und das ist mittlerweile so üblich, das machen so viele Bands. Die haben es so dargestellt, als wären wir alle gleich, aber wir sind so unterschiedlich.

James Ford: Niemand benutzt diese Phrase noch, außer vielleicht Ed Banger. (Electrolabel aus Frankreich, Anm. d. Verf.)

Crazewire: Warum habt ihr nach eurem Album „Attac Decay Sustain Release“ das zusätzliche Remix-Album „Sample And Hold“ rausgebracht?

James Ford:  Wir haben ja mit Remixen angefangen, bis wir auf der anderen Seite der Münze gelandet sind und unsere Musik geremixt wurde. Also dachten wir, es währe eine nette Idee, einige Leute auszusuchen, die wir für interessant und gut halten, damit sie unsere Musik neu interpretieren können. Ich würde es auch weniger ein Album nennen, als eine Sammlung von Remixen.

Jas Shaw: Ich mag viele dieser Remixe. Normalerweise, wenn du einen Remix machen lässt, steckt viel von einem selbst drin und es ist darauf ausgerichtet im Club gespielt zu werden. Das hier ging in eine komplett andere Richtung. Viele von diesen sind eher Covers. Die Leute haben den Track vollkommen verändert. Es sind sehr interessante Bands, die auch sonst coole Sachen machen.

Crazewire: Bald kommt euer neues Album raus und darauf wird es einen Track geben, auf dem Beth Dito von Gossip singen wird, auf den ich mich schon besonders freue. Wie ist das zustande gekommen?

James Ford: Wir haben Beth auf einem Festival getroffen und zwischen all den Songs auf dem Album hatten wir einen instrumentalen Track und wir haben uns gefragt, welche Stimme dazu passen würde. Wir haben nach einer alten, nach Detroit klingenden, souligen Stimme gesucht. Wir haben Beth angerufen und sie kam rüber ins Studio und wir sind jetzt sehr glücklich mit diesem Track. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit ihr zu arbeiten.

Crazewire: Mir wem habt ihr außerdem auf diesem Album zusammen gearbeitet?

Jas Shaw: Oh, einige. Wir haben die Joung Fathers, Chris von Yeasayer, Alexis von Hot Chip und Jamie LIdell . Ziemlich viele.

Crazewire: Welcher wird der beste Track sein?

James Ford: Ähm... welcher Track?

Jas Shaw: Ich mag den Track „Bad Blood“. Das ist der mit Alexis von Hot Chip.

Crazewire: James, du bist nebenher auch Produzent. Was muss eine Band oder ein Musiker tun oder können, um von dir produziert zu werden?

James Ford: Ich denke, es ist einfach ... wenn du eine Demo oder einen Track hast und dieser Track hat besondere Ideen oder irgendwas, von denen du glaubst, sie gehen in eine neue Richtung oder es ist einfach etwas besser. Es muss das einfach wert sein, dass man dem einen Anstoß gibt. Manchmal hört man einen Track und er sprüht nicht grade vor neuen Ideen oder du magst ihn einfach nicht wenn er fertig ist, und damit willst du einfach nichts zu tun haben. Aber oft hörst du etwas und du bekommst neue Ideen, was du draus machen kannst und versuchst, es geschehen zu lassen.

Crazewire: Was wird die nächste wichtige Platte sein, die du produzieren wirst?

James Ford: Das Jahr hat ziemlich arbeitsam angefangen. Jass und ich haben am neuen Klaxons-Album gearbeitet, das fast fertig ist und ich arbeite am dritten Arctic-Monkeys-Album, das fast fertig ist und an einigen Tracks für Florence And The Machine, die auch fast fertig sind – nein, die sind schon fertig, das Album kommt bald raus – und natürlich unsere eigene Platte. Es war ziemlich verrückt.

Crazewire: Ich freu mich schon drauf und danke euch für das Interview.

 

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