DETAILS

Interpret:
Schreng Schreng & La La

Titel:
Vollkommen haltlose Unterstellungen

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 17.08.2011

INTERVIEWS

Schreng Schreng & La La - Vollkommen haltlose Unterstellungen

Schreng Schreng & La La - Vollkommen haltlose Unterstellungen

Schreng Schreng Und La La sind uns schon länger ein persönliches Anliegen. So manches wurde geschrieben an dieser Stelle über jenes dynamisch-destruktive Duo aus Düsseldorf und Trier. Album und Konzerte wurden mit warmen Zeilen bedacht und so langsam scheint es, als stünden wir nicht alleine. Die Kritiken zum Debütalbum überschlagen sich allerorts vor Lob. Höchste Zeit also, die beiden Pferdchen wieder nach Hause ins Trockene zu holen. Kurz vor dem Hype befragt Crazewire Lasse Paulus und Jörkk Mechenbier zu deutschen Songwritern und netten älteren Männern.

Crazewire: Die heimische Musikjournallie überschlägt sich vor Lobeshymnen auf euer Debüt-Album Berlusconi". Werdet ihr jetzt reich und berühmt?

Lasse: Direkt am Anfang so eine schwierige Frage. Ehrlich gesagt freue ich mich über jede positive Kritik. Aber wenn wir realistisch sind, werden wir zwischen 300-500 CDs verkaufen und weiterhin darum betteln müssen, dass man uns die Zugfahrt zum Konzert-Venue bezahlt.

Jörkk: Ich gebe zu, dass es mich ein wenig überrascht. Ich bin mir dessen wohl bewusst, dass wir live immer einen recht unterhaltsamen Anblick bieten und auch die Songs Spaß machen können, trotz ihrer Einfachheit. Aber so viele Zitate aus meinen Texten in Reviews zu lesen und so euphorische, fremde Musikkritiker zu erleben, das ist schon eine grosse Ehre und freut mich dementsprechend.

Crazewire: Wer ist denn der nette, ältere Herr auf dem Albumcover?

Lasse: Irgendjemand erzählte mir, dass dieser Mann so aussieht wie der Mercher von Jupiter Jones. Aber ich glaube es soll Hunter S. Thompson sein... Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung wer das ist, und warum er auf unserem Cover drauf ist.

Jörkk: Das ist der Typ, mit dem ich mir damals auf dem Schulklo zusammen meinen ersten Schuss gesetzt habe. Benni von Druckwelle Design, der unser Coverartwork zu verantworten hat, hat ihn mit der Hilfe meines ausgezeichneten Gedächtnisses unter meiner Anleitung gezeichnet. Wir haben dabei geraucht und Sherry getrunken. Ich finde, der Typ sieht ein bisschen aus wie der späte Willy Tanner.

Crazewire: Aus gut informierten Quellen wurde mir berichtet, dass einige der Bars in denen ihr gespielt habt, mittlerweile schließen mussten. Seht ihr da einen Zusammenhang zu eurer Musik?

Lasse: Nein, aber zu unserem Bier- und Schnapskonsum. Wobei... Das Hostal Doris auf Mallorca musste schließen, weil es zu einer mittelgroßen Straßenschlacht während unseres Konzertes kam. Wir waren den Mallorquinern in der Nachbarschaft wohl zu laut. Die Polizei in Spanien kommt im Übrigen immer direkt mit Maschinenpistolen zum Ort des Geschehens. Das war schon eher befremdlich.

Jörkk: Nein. Das ist eine vollkommen haltlose Unterstellung. Die Westfalenhalle hat ja auch nicht geschlossen, nachdem Peter Maffay da war. Diese Schließungen waren allesamt unglücklichen Verkettungen widriger Umstände geschuldet. Und wahrscheinlich der ein oder anderen buchhalterischen Nachlässigkeit des jeweiligen Inhabers.

Crazewire: Keiner braucht deutsche Songwriter" singt der Kölner Liedermacher Friedemann Weise - ein spezieller Freund unseres Magazins. Stimmt ihr ihm zu?

Lasse: Ich bin ja auch Musikjournalist und durfte in den vergangenen drei Jahren unzählige deutsche Songwriter über mich ergehen lassen. Friedemann hat nicht Unrecht, viele davon braucht man wirklich nicht. Aber er und auch wir sind ja schon sehr gut. Es wäre schade, wenn uns niemand brauchen würde.

Jörkk: Da gehe ich d´accord mit dem lieben Friedemann. Nicht nur in seinem Falle. Das Problem ist, dass es so unglaublich viele, unfassbar langweilige Menschen gibt, die dank moderner Technik zu Hause ihre in miese Reime gepackte Pein mit dillettantischer Musik untermalen und sodann auf den Markt werfen. Wir nehmen wenigstens nicht zu Hause auf.

Crazewire: Gab es für euch schon einmal  Momente, wo ihr alles hinschmeißen und Schreng Schreng & LaLa beenden wolltet?

Lasse: Wer Jörkk und mich kennt, der weiß, dass wir sehr sehr verschieden sind, leben und denken. Nach besagtem Konzert auf Mallorca haben wir 30 Minuten auf der Straße gestanden und uns boxen wollen. So ist das manchmal bei uns.

Jörkk: VOR jedem Auftritt („Kein Schnaps für Jörkk!") und NACH jedem Auftritt („Hier hast du 8 Euro. Gib nicht alles für Schnaps aus.") - Das ist bei uns alles ein bisschen wie mit Ronald Reagan und Jello Biafra. Die beiden haben sich ja auch immer gegenseitig inspiriert.

Crazewire: Am 9. August konnte man bei Facebook den Satz "Das Dingo is dead!" lesen. Wie kam es zum Ableben eures Bühnenmaskottchens?

Jörkk: Erstens stammt der Post aus der Feder des Hundes höchstpersönlich, womit Gerüchte über sein vorzeitiges Ableben stante pede widerlegt sein dürften. Zweitens hat er das „F" des Glockenspiels gefressen und muß zur Strafe jetzt Nacht für Nacht den Nightliner von David Guetta bewachen. Im Ernst: Es geht ihm gut und er bastelt gerade an einer Solokarriere. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Crazewire: Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Lasse: Wir möchten eine ganz besondere Split-7Inch veröffentlichen. Mit meinem Vorbild St. Thomas auf der A-Seite und Hello Piedpiper und uns auf der B-Seite. Ansonsten bringt Jörkk mit seiner fantastischen Band LOVE A im Oktober ein Album auf Rookie Records raus. Ich werde wohl die Füße etwas still halten müssen. Zumindest solange, bis ihm klar wird, dass wir mehr Potential besitzen und er nur mit Schreng Schreng & La La zu seiner Eckbadewanne kommt.

Jörkk: Viel viel viel live spielen, einiges austrinken, heiraten, noch mehr trinken, einschlafen, aufwachen, abwechselnd mit meiner Frau, meinem Anwalt und meiner Therapiegruppe LOVE A durch die Welt spazieren, Musik spielen, Musik hören, interessante Leute treffen, die Regierung stürzen und noch einige Dinge mehr - aber das alles aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen... Man kennt das ja.

Video: „Bourgeoisie“


 

Freunde

 
 
 
 

Wir Präsentieren:

 
 
 

Prunkstücke