DETAILS

Inpterpret:
Royal Bangs

Titel:
Über Glühwein, Nackenkissen und Tetris-Musik

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Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 25.01.2010

INTERVIEWS

Royal Bangs - Über Glühwein, Nackenkissen und Tetris-Musik

Royal Bangs - Über Glühwein, Nackenkissen und Tetris-Musik

Böse Zungen könnten behaupten, dass Royal Bangs nun schon kalter Kaffee sei. Doch als Ende 2009 ihr zweites Album „Let It Beep“ erschien, horchten wir in der Redaktion noch Mal gehörig auf. Am 01.12. traf ich Sänger Ryan Schaefer und Gitarrist Sam Stratton nach ihrem Konzert im Kölner Gebäude 9. Während Port O'Brien noch auf der Bühne zugegen waren, verschwanden wir im Tour-Bus und ich durfte ein nettes Interview mit den beiden führen. Und es hörte sich nicht gerade so an, als sei das schon alles gewesen.

Crazewire: Hallo, sehr schön dass ihr Zeit für uns gefunden habt. Wie war die Show heute?

Sam Stratton: Heute war es phänomenal! Das Publikum war unglaublich gut drauf.

Ryan Schaefer: Ja, es hat sehr viel Spaß gemacht. Und die Leute in der ersten Reihe konnten sogar unsere Text mitsingen. Dabei ist das unsere erste Europatour. Mir schien es, als wären wir heute Abend der Mainact und nicht Port O'Brien.

Crazewire: Erzählt uns etwas über Knoxville. Weshalb sollten unsere Leser oder Ich eure Heimatstadt besichtigen?

Ryan: Ich weiß nicht ob man extra die weite Reise auf sich nehmen sollte, nur um nach Knoxville zu kommen. Versteh mich nicht falsch. Knoxville hat einiges zu bieten. Neben der wirklich guten und sehr großen Musikszene ist die Gegend wahrlich prächtig. Aber dreizehn Stunden Flug müssen nicht sein.

Crazewire: Laut einem Magazin lebt ihr jetzt in New York. Habt ihr irgend eine Art Kulturschock erlitten seit dem Umzug?

Ryan: Nein, das stimmt nicht. Wir leben weiterhin in Knoxville.

Crazewire: Ist es das erste Mal, dass ihr in Deutschland seid? Habt ihr schon ein wenig Zeit gehabt, um euch die Stadt anzusehen? Was haltet ihr von Köln?

Ryan: Wir sind heute Abend angekommen. Gestern Abend haben wir in Berlin ein Konzert gespielt. Wir hatten leider noch keinen Augenblick Zeit, uns die Stadt anzusehen. Das einzige, was wir kennen ist Glühwein. Ich war einmal in Deutschland und konnte mir einen eurer Weihnachtsmärkte ansehen.

Sam: Ja, Glühwein ist super. Gerade in den Wintermonaten ist heißer Alkohol eine tolle Idee.

Crazewire: Lasst uns über eure Musik reden. In einem Artikel wurde der Sound von Royal Bangs mit Broken Social Scene und TV On The Radio verglichen. Was denkt ihr über eure Mischung aus Rock'n'Roll und Elektro? Mit wem würdet ihr euch vergleichen, oder würdet ihr das gänzlich lassen?

Ryan: Nun ja, wir sind Musiker, das ist was uns verbindet. Aber ich denke, dass dieses ewige „in Schubladen stecken“ und mit anderen Bands vergleichen nicht nötig ist. Nicht, dass Broken Social Scene keine gute Band sei. Ich mag ihre Musik sehr gerne. Tolle Gitarren und viel Percussion, Bongos und Trommeln. Das ist toll.

Sam: Von TV On The Radio hab ich erst einen Song gehört, glaub ich. Als ihr letztes Album erschienen ist, hab ich was über sie gelesen. Ich glaube aber, dass ich sie nicht mit uns vergleichen würde.

Crazewire: Ihr schafft einen sehr wilden Sound. Vergleichbar mit dem „Gorilla King“ Mosaik auf dem Cover eures Albums. Das hört sich jetzt vielleicht wie ein Vorurteil an, aber ist das das Resultat von übermäßigem Whisky-Konsum während man sich die Filme von Johnny Knoxville oder Quentin Tarantino ansieht, die ebenfalls aus Knoxville kommen?

Ryan: Nein, es ist das Resultat von harter Arbeit. Außerdem mag ich Johnny Knoxville nicht. Und Quentin Tarantino ist nicht wirklich aus Knoxville. Er ist zwar in Knoxville geboren lebte aber nur zehn Jahre dort. Dann ist seine Mutter mit ihm nach Los Angeles gezogen. Ja, und Whisky trinken wir aller höchstens nach getaner Arbeit.

Sam: Ja, nein, zum Frühstück trinken wir es doch auch (lachen, Anm. d. Verf.).

Crazewire: Dieses Jahr habt ihr zwei Platten in Deutschland veröffentlicht. Die erste ist nun bereits fast ein Jahr alt und brachte wie auch „Let It Beep“ positive Resonanz. Würdet ihr sagen, dass eure Karriere in Europa nun richtig losgehen kann?

Ryan: Da wir nun mit City Slang zusammen arbeiten hat uns das ein ganzes Stück weiter gebracht. Die machen hier einen echt guten Job. Allein unserer Promoter regelt wirklich alles sehr, sehr gut.

Sam: Es ist wunderbar, dass wir bei dem deutschen Publikum so gut ankommen. Wir sind wirklich froh, in Deutschland zu sein. In naher Zukunft wird das sicher auch noch so sein.

Crazewire: Heute Abend habe ich euch das erste mal live spielen sehen. Und ich hatte schnell den Eindruck, dass eure Gigs wahrlich bombastisch sind, ebenso wie eure energetische Musik. Entströmt bei euch immer diese Energie und Virtuosität, auch wenn ihr euch zum Proben trefft?

Sam: Es ist so, dass wir zur Zeit sehr wenig proben. Schließlich sind wir gerade so gut wie jeden Abend in irgendeiner Stadt um Konzerte zu spielen.

Ryan: Ja, und mir scheint es momentan wesentlich effektiver, wenn ich während des Konzertes ein wenig rumspinne. Ich habe da meinen Computer und meine kleinen Keyboards und daddele, was das Zeug hält. Ich denke, diese kleinen Improvisations-Einheiten bringen uns viel.

Crazewire: Auf „Let It Beep“ klingt ihr ab und zu wie ein pompöser 8bit-Nintendo-Soundtrack. Der NME hat geschrieben: „Garage meets gameboy“ Beeinflussen die Soundtracks von Computerspielen euer musikalisches Schaffen?

Sam: Eben heute auf dem Weg von Berlin nach Köln habe ich mich mit unserem Promoter von City Slang über den Tetris-Soundtrack unterhalten. Diese Chip-Music ist ja wirklich eine Richtung für sich. Und jeder kennt den Tetris-Song.

Ryan: Es hat ungefähr den selben Wiedererkennungswert wie der Sound von z.B. Iron Maiden. Es ist einfach sehr charakteristisch. Und sowas beeinflusst ja schon.

Crazewire: Ich hab auch gelesen, dass einer von euch ein Wissenschaftler ist, ein anderer Ingenieur. Spiegelt sich das in irgendeiner Weise auf euer Songwriting wider?

Ryan: Nun, das ist auch so ein Irrtum, das sich erstaunlich lange hält. Zu Beginn von Royal Bangs waren zwei Mitglieder eben Wissenschaftler und Ingenieur, doch schon nach wenigen Monaten mussten wir Ersatz finden, da solche Leute nicht über Wochen durch Deutschland fahren können.

Sam: Außerdem können solche Theoretiker keine Songs schreiben. Dafür sind sie nicht gemacht. (lachen, Anm. d. Verf.)

Crazewire: Seid ihr mit der momentanen Situation zufrieden? Vom europäischen Publikum entdeckt zu werden?

Sam: Ja, vollkommen. Es ist wie gesagt unglaublich hier. Das deutsche Publikum ist auch ganz anderes als das amerikanische, mit seiner Euphorie und Begeisterung.

Crazewire: Okay, ich bin durch. Das letzte Wort gilt euch!

Sam: Whooo!

Crazewire: Vielen Danke für das Interview. Ich wünsche euch alles gute.

Während des Interviews unterbrach mich Sam völlig zusammenhanglos. „Ob ich sein Nackenkissen ausprobiere möchte?“, welches er während des gesamten Interviews in seinen Händen hielt. Ich versuchte es und befand es für gut.

 

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