DETAILS

Inpterpret:
Port O´Brien

Titel:
Für immer Fisherman's son

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Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 21.09.2009

INTERVIEWS

Port O´Brien - Für immer Fisherman's son

Port O´Brien - Für immer Fisherman's son

Port O‘Brien singen von der Arbeit auf einem Fischerboot in Alaska. Man könnte meinen, das sei nicht gerade ein Thema, mit dem sich allzu viele Hörer identifizieren, doch Port O’Brien werden immer bekannter, vor allem in Deutschland. Wir haben uns mit Sänger und Songwriter Van Pierszalowski unterhalten und nebenbei mit einigen Gerüchten aufgeräumt.

Crazewire: Im Oktober kommt euer neues Album raus. Erzähl mal ein bisschen davon.

Van Pierszalowski: Es ist sehr anders. Es ist so, wie ich denke, dass unser zweites Album sein sollte. Es ist ziemlich ... ich weiß nicht, es ist anders und schwieriger aufzunehmen. Beim ersten Album wussten wir nicht, was wir taten. Wir sind einfach reingerutscht und hatten Spaß dabei. Wir waren sorglos. Bei diesem Album hatten wir einen besseren Plan darüber, was wir machen wollten. Wir haben fast zwei Jahre durchgetourt. Es steckt viel mehr Herz und Gefühl drin.

Crazewire: Wird es mehr Geschichten über das Leben eines Fischers geben?

Van Pierszalowski: Es wird nur einen Song zu diesem Thema geben. Wir wollten so weit wie möglich davon weggehen.

Crazewire: Auf eurem letzten Album habt ihr viel über das Leben auf dem Fischerboot deines Vaters gesungen. Es heißt, es ist der härteste und gefährlichste Job der Welt. Wie geht eine Singer/Songwriter-Seele damit um?

Van Pierszalowski: Na ja, es ist sehr gefährlich. Ich habe Leute gekannt, die gestorben sind und habe Schiffe sinken sehen, aber mein Dad ist ein sehr sicherer Fischer. Er trinkt nicht. Die meisten Unfälle passieren, wenn man trinkt oder wenn man andere Drogen nicht. Die Leute da oben nehmen viele Drogen, weil es so schwer ist, davon weg zu bleiben. Aber mein Dad trinkt nicht, ich fühle mich nie gefährdet.

Crazewire: Ihr habt auch einige Songs über Drogen. Dein Vater ist ein sicherer Fischer, bist du es auch?

Van Pierszalowski: Wenn ich auf dem Boot bin, nehme ich keine Drogen, höchstens ein Bier am Abend. Wenn du auf dem Boot arbeitest, bist du sehr müde, du hast nicht viel gegessen und das Boot macht so (zeigt schwankende Bewegungen, Anm. d. Verf.). Das macht dich betrunken. Ein Bier reicht dann auch. Ich verstehe, warum Alkohol auf dem Boot so ein Problem ist. Du wirst heftiger betrunken.

Crazewire: Ein Songwriter sucht nach Einsamkeit und Melancholie und feiert diese auch und das melancholischste und einsamste Leben ist das Fischerleben. Hast du deine Songs geschrieben während du mit deinem Vater gearbeitet hast, oder hast du nach der Arbeit deine Musik geschrieben?

Van Pierszalowski: Ich arbeite mit meinem Vater seit Jahren. Es wird immer ein besonderer Teil meines Lebens bleiben. Es ist immer nur eine kurze Zeit während des Sommers, drei Monate. Aber es ist wirklich leicht sich dort auf die Songs zu konzentrieren, weil es sonst nicht wirklich was zu tun gibt.

Crazewire: Du hast den Song „Fisherman’s Son“ geschrieben. Er handelt von dem Schicksal, die Nachfolge deines Vaters anzutreten. Siehst du deine Musikkarriere für dich als eine Chance, da raus zu kommen?

Van Pierszalowski: Ja, das ist es. Ich habe zwar immer davon geträumt das Boot meines Vaters zu übernehmen, aber ich weiß nicht, ob ich das könnte, weil es sehr schwer ist. Man muss sehr viel über Motoren und so wissen. Ich weiß nicht, ob ich gut genug darin wäre. Ich bin eher der Künstlertyp, mein Vater kann besser mit Mechanik umgehen. Wenn irgendwas auf dem Boot passiert, kann er explizit sagen: „Wir brauchen mehr so und so auf dem Generator, bla, bla, bla“ und ich habe keine Ahnung, was er meint. Ich kann einen Song darüber schreiben, wie sich das anfühlt.

Crazewire: Versteht dein Vater, dass du Songs darüber schreibst?

Van Pierszalowski: Ja, er unterstützt mich sehr. Er will, dass ich mit meiner Musik weitermache. Er will nicht, dass ich ein Fischer werde.

Cazewire: In eurer Band gibt es zwei Songwriter und dann seid ihr auch noch ein Paar...

Van Pierszalowski: Nein, das ist nicht wahr. Das ist ein Gerücht.

Crazewire: Echt? Ich habe das über euch gelesen und dachte, das ist wahrscheinlich etwas kompliziert.

Van Pierszalowski: Ja, das ist die kurze Antwort: Es ist etwas kompliziert. Ich weiß nicht, wann die Leute angefangen haben über uns zu schreiben, dass wir ein Paar sind. Wir haben das nie gesagt. Aber es ist interessant zu sehen, wie so was passiert. Die Leute sehen, da ist eine Frau und ein Mann, beide Songwriter in einer Band und sie denken: „Ups, da sind zwei Seelenverwandte.“ Es ist erstaunlich. Einer schreibt etwas und die anderen übernehmen es. Aber ich mache niemandem einen Vorwurf. Wenn es einmal raus ist, denken die Leute nun mal, es ist so.

Crazewire: Also ihr seid nur Freunde, wie habt ihr also die Band gegründet?

Van Pierszalowski: Wir haben die Band gegründet, als wir noch zur Highschool gingen. In der Stadt Cambria (nach dieser Stadt ist auch seine Bandkollegin Cambria Goodwin benannt, Anm. d. Verf.). Wir haben die Band aber erst spät gegründet. Ich war erst in einer Punkrockband bis zur frühen Collegezeit und danach bin ich erst zur Folkmusic gekommen. Danach ... (gähnt, Anm. d. Verf.) tut mir leid, ich bin so müde. Danach haben wir angefangen, zusammen solche Musik zu schreiben.

Crazewire: Außer dem Album, was plant ihr noch für die Zukunft?

Van Pierszalowski: Wir werden viel touren. Im November kommen wir auch wieder nach Deutschland.

Crazewire: Was ist das mit euch und Deutschland? Für eine Band aus den USA seid ihr hier in den letzten Monaten sehr oft gewesen.

Van Pierszalowski: Unser Label ist hier – Cityslang. Wir haben im letzten Jahr sehr viel in Deutschland getourt.

Crazewire: Es ist gut, dass sie euch diese Unterstützung geben. Es ist sehr interessant, dass sie euch mit Get Well Soon kombinieren. Er ist in Deutschland sehr bekannt und ihr habt mit ihm getourt. Ich glaube ihr wart hier auch öfter als so manche deutsche Band. Ist hier eure Fanbase?

Van Pierszalowski: Wir waren hier so oft, dass es ... ich weiß nicht, wie ich es sagen soll. Ich fühle es nicht mehr. Das erste mal, als ich in Deutschland war, war alles sehr anders. Aber jetzt weiß ich, du gehst zur Tankstelle und du musst fürs pinkeln bezahlen. Aber sie machen es für dich sauber und du bekommst einen kleinen Coupon. Ihr mögt dieses Mineralwasser mit Kohlensäure, was ich nicht wirklich verstehe – wisst ihr all das wird langweilig. Aber jetzt ist es egal.

Crazewire: Eine Frage wollte ich noch zu dem Fischerthema fragen. Wenn ich „Fisherman’s Son“ höre, habe ich keine Ahnung, wovon du singst. Mein Vater ist ein Lehrer und ich war noch nie auf einem Fischerboot. Andererseits kann ich bestimmte Situationen und Gefühle in meinem Leben damit verbinden. Vielleicht weiß ich nicht, was du sagen wolltest, aber du sagst etwas, das ich verstehe. Das Leben eines Fischers ist ein sehr spezielles Thema, also warum können sich so viele Hörer mit diesem Album identifizieren?

Van Pierszalowski: Es liegt eine ganz bestimmte Romantik im Fischerleben. Fischen und generell das Leben auf dem Boot galt schon immer als sehr romantisch. Viele Leute haben darüber geschrieben, Hemingway zum Beispiel. Auch viele Bands haben darüber geschrieben. Wobei sie sich Geschichten dazu ausdenken, was okay ist, aber das interessiert mich nicht wirklich. Ich glaube, dass auch Leute, die nie auf einem Boot gelebt haben, gerne über Boote schreiben, weil es sehr einfach und symbolisch ist.

Crazewire: Wirst du jemals auf das Boot zurückgehen?

Van Pierszalowski: Ja, auf jeden Fall

Crazewire: Um zu arbeiten oder nur so?

Van Pierszalowski: Um zu arbeiten. Ich verdiene wesentlich mehr Geld, wenn ich einen Sommer auf dem Boot arbeite, als in einem ganzen Jahr auf Tour. Außerdem schreibe ich dort viel mehr Songs, als auf Tour.

Crazewire: Ich hatte nämlich immer das Gefühl, dass du es satt hast.

Van Pierszalowski: Ja, letztes Jahr, als wir in Deutschland getourt haben, habe ich bei jedem Interview erzählt, ich würde nie wieder zurückgehen. Aber jetzt werde ich schon diesen Sommer wieder in Alaska arbeiten.

Crazewire: Gut, dann danken wir dir für das Interview.

Van Pierszalowski: Danke auch.

Interview von: Renate Bichert und Bastian Küllenberg

 

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