DETAILS

Interpret:
Paper Tiger

Titel:
German girls dig our music!

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Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 16.09.2008

INTERVIEWS

Paper Tiger - German girls dig our music!

Paper Tiger - German girls dig our music!

Paper Tiger aus Holland sind eine Perle, die es zu ertauchen gilt. Im Kern bestehend aus zwei alten Freunden, spielt die Band aus den Niederlanden einen folkigen Songwriter-Pop, bei dem das Weghören schwer fällt. Ihr Album „Everyone Here“ ist gespickt mit eingängigstem Liedgut zum mitfühlen. Diese Geschichten verbreiten Freude. Dass diese sympathische Kapelle hierzulande noch ohne anständige Vertriebswege ist, scheint kaum zu glauben. Höchste Zeit also, Aufmerksamkeit herzustellen und ausführlich von einem absoluten Tipp aus dem Nachbarland zu berichten.

Chris und Temy haben sichtlich ihren Spaß miteinander und genießen es, im leichten Nieselregen unter schützendem Schirm ins Diktiergerät zu feixen und erhellende Gedanken über das andere Geschlecht auszutauschen.

Crazewire: Waren Mädchen für euch ein Grund, eine Band zu gründen?

Chris: Deutsche Mädchen sind definitiv ein Grund, eine Band zu gründen.

Temy: Besonders deutsche Mädchen!

Crazewire: Was ist denn das besondere an den deutschen Mädels?

Chris: They dig our music!

Temy: Zumindest mehr als die Mädels in Holland.

Crazewire: Ihr kommt also in Deutschland besser an, als bei euch zu Hause? Oder sind es nur die Damen, die hier positiv auf euch als „exotische“ ausländische Musiker reagieren?

Temy: Na, vielleicht. Aber ich denke, der größte Unterschied zwischen dem Publikum hier und dem in Holland ist, dass die Leute hier deutlich relaxter und enthusiastischer sind. In Holland haben wir viele Freunde, die auch in Bands sind und mit denen wir zusammen auftreten. Die Leute im Publikum stehen da normalerweise nur rum, verschränken die Arme, so in der Art: “show me what you got!“ Da ist es manchmal echt hart zu spielen. In Deutschland hingegen, oder auch in Frankreich, sind die Menschen mehr an den Konzerten interessiert. Vielleicht, weil sie einen nicht kennen.

Crazewire: Es ist interessant, dass ihr die positiven Erfahrungen in Deutschland erwähnt, da nach meinem Dafürhalten holländische Bands durchaus ein gewisses Imageproblem hierzulande haben, etwa im Vergleich zu Acts aus Schweden oder Belgien. Die Niederlande sind nicht gerade ein Land, das für großartigen Indie bekannt ist.

Chris: Das liegt an der Musik! Die schwedischen Bands beispielsweise sind einfach sehr hip, auch in Holland.

Temy: Ich denke, die Bands aus Schweden oder Belgien sind einfach origineller und originaler mit ihrer Musik. Eine Menge holländischer Bands versuchen einfach den Klang amerikanischer und britischer Künstler zu kopieren. Auch ich halte viele schwedische Bands für deutlich interessanter als unsere einheimischen oder auch deutsche Bands.

Crazewire: Absolut. Deutschland hat ein ähnliches Problem, auch wenn es eine Reihe guter Indie-Bands gibt, die im Verborgenen musizieren, ist der einzige wirklich große Name Wir Sind Helden. Und die kann man nun auch nicht mehr Indie nennen.

Temy: Ja, von denen haben wir gehört. Die haben diese Sängerin.

Crazewire: Lasst uns darüber reden, wie ihr euch kennen gelernt habt und es mit Paper Tiger alles angefangen hat.

Temy: Wir haben uns in einer Umkleidekabine getroffen, vor ungefähr 15 Jahren.

Chris: Ich glaube, es war 1994, in der Schule. Wir spielten beide Gitarre und er trat damals häufiger auf als ich. Er bat mich, einen Bryan Adams Song mit ihm zu spielen.

Temy: Nein, Lenny Kravitz. Bryan Adams kam später.

Chris: Oh Nein! Das erste was wir machten war „Everything I Do“ von Bryan Adams, dann „Sister“ von Lenny Kravitz.

Temy: Wir waren 14! Du kannst mich nicht verurteilen. And I still love the man!

Chris: Lenny Kravitz?

Temy: Natürlich Lenny Kravitz. Obwohl, Bryan Adams eigentlich auch. He`s the King of Rock!

Chris: Wir haben auf jeden Fall ursprünglich mit Coversongs angefangen und dann gründeten wir bald eine Punk-Band. Unsere erste Show hatten wir mit ungefähr 15. Zu der Zeit spielten wir auch Stücke von Radiohead, Oasis und Therapy?. Wir coverten viel am Anfang. (lacht, Anm. d. Verf.)

Temy: Wir hörten viel Punk in den Neunzigern. Bands von Fat Wreck oder Sachen wie Green Day und Weezer kamen zu der Zeit auf. Es basierte also alles auf dieser Art von Musik. Mehr und mehr begannen wir unsere eigenen Songs zu schreiben und spielten für knapp 10 Jahre mit unserer Band Grasp. Das verschwamm dann irgendwann zunehmend und wurde zu dem, was jetzt Paper Tiger ist.

Chris: Temy ging für einige Monate nach Kambodia und ich fing an, mit akustischen Sounds rumzuspielen. Als er zurückkam, fragte ich ihn, ob er mitmachen wollte und so hat es sich ergeben.

Temy: Wir zogen in unterschiedliche Städte, gingen zur Uni, probierten uns in einer Reihe von Projekten aus und machten nicht mehr so viel Musik zusammen, bis Paper Tiger entstanden.

Chris: Aber auf der Freundschaftsebene haben wir uns nie aus den Augen verloren.

Temy: You`re the longest friend I have.

Chris: You`re my longest friend, too! (beide lachen, Anm. d. Verf)

Crazewire: Mit Paper Tiger spielt ihr jetzt einen folkigen Indie-Pop, oft akustisch instrumentiert und mit kleinen Details versehen.

Temy: Unsere Eltern sind große Beatles und Simon & Garfunkel-Fans. Mit dieser Musik sind wir aufgewachsen.

Chris: Ich denke, es war einfach Zeit, etwas Neues zu machen und es war gut, das zu tun. Paper Tiger ist definitiv eine Sache, die ich für sehr lange machen möchte. Auch wenn ich es schon manchmal vermisse, einfach auf meiner E-Gitarre durchzudrehen.

Crazewire: Was dürfen wir denn von Paper Tiger in Zukunft erwarten?

Temy: Es fängt gerade erst an. Wir haben die CD Ende letzten Jahres veröffentlicht und einige kleine Touren gemacht.

Chris: Wir beginnen gerade damit, uns Gedanken über Songs für ein neues Album zu machen. Wir probieren neue Sache aus, denn es wäre dumm, die selbe Platte noch einmal, nur mit anderen Songs, zu machen. Im Augenblick experimentieren wir mit einigen ziemlich dämlichen Sachen. Disco stuff.

Temy: Aber es macht Spaß, denn heutzutage kannst du recht professionell arbeiten und brauchst nur einen Labtop dazu.

Chris: Ich benutze jetzt auch einen Computer. Für das letzte Album haben wir keinen Computer gebraucht.

Temy: Die Platte wurde tatsächlich mit einem 8-Spur-Gerät bei Chris im Wohnzimmer aufgenommen.

Chris: Jetzt benutze ich Midi und das ist ein ziemlicher Schock. Ich hasste Midi und nun fange ich langsam an, es zu schätzen. Wenn wir Demos machen und Dinge ausprobieren, ist das echt hilfreich, aber auf einem Album möchte ich so was nicht haben.

Temy: Wir werden im November als Support von Snailhouse in Europa und auch in Deutschland unterwegs sein. Leider können wir da nicht die ganze Band mitnehmen, daher werden wir ein bisschen mit Beats und Computern experimentieren.

Chris: Es geht dabei aber nicht darum, eine Band aus dem Computer zu simulieren, sondern mehr, die Stücke an mancher Stelle mit kleinen Besonderheiten aufzuwerten. To make it more fun.

Temy: Daran werden wir in den nächsten Wochen arbeiten.

Crazewire: Ich danke euch sehr für das nette Gespräch. Wir sehen uns beim nächsten Deutschlandbesuch im Dezember.


 

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