Interpret:
Mouse On Mars
Titel:
Verhackstückte Vocals und absurde Fragen in Vietnam
Autor:
Crazewire Redaktion
Köln, 29.11.2010
Die deutsche Elektrolegende Mouse On Mars erobert Asien. Während zu Beginn ihres Konzerts in Saigon das Publikum ihre Plastikstühle ganz brav in gehörigem Abstand zur Bühne platzierten, brauchte das Duo nicht lange, um den Zuschauern unter den Lichtern der Tropen-Großstadt gehörig einzuheizen (unter anderem mit einer manuellen Luftangriff Sirene!). Schade nur, dass aufgrund lokaler Bestimmungen die Show schon vor 22 Uhr zu Ende sein musste. Ganz sicher wäre da noch einiges mehr gegangen! Vor dem Konzert ergab sich für Crazewire die Möglichkeit mit Jan St. Werner und Andi Toma zu sprechen. Das Interview führte unser Südostasien-Korrespondent Christian Berg.
Crazewire: Was führt euch nach Vietnam?
Jan St. Werner: Wir sind jetzt auf einer Tour hier, die vom Goethe-Institut mitorganisiert wurde. Die ursprüngliche Idee allerdings kam von unserem Booker, Birger Lüdemann. Der hatte schon länger im Kopf, uns eine Südostasien Tour zu buchen. Es gab auch schon lange Interesse aus Australien, wo wir trotz unserer ellenlangen Karriere noch nie gespielt hatten. Und auch Singapur und China kamen dann noch dazu. Das dann im Rahmen der Expo in Shanghai.
Crazewire: Das heißt in Singapur und China seid ihr jetzt schon gewesen?
Jan: Genau. Das hier ist das letzte Konzert unserer Tour. In Neuseeland hatten wir auch noch einen Workshop an der Uni. Aber eigentlich ist es eine Mischung aus überfälligen Gigs die wir endlich mal spielen wollten.
Crazewire: Seid Ihr das erste mal in Vietnam?
Andi Toma: Ja, das erste Mal.
Crazewire: Und? was ist euer Eindruck?
Andi: Ich denke es wird uns schwer fallen, wieder nach Hause zu fahren.
Crazewire: Ihr spielt ja recht komplexe Musik und reist auf euren Tourneen viel herum. Nehmt ihr Ideen für eure Musik mit aus den Ländern, die ihr bereist? Welchen Einfluss haben diese Reisen auf eure Musik?
Jan: Wir sind von allem beinflusst. Sowieso. Immer. Und von intensiven Erlebnissen wie dieser Reise natürlich auch. Wir haben jetzt in Hanoi tatsächlich zwei traditionelle Instrumente aufgenommen die wir ins Album mit einarbeiten wollen. Ich kann die Namen jetzt nicht richtig ausprechen, aber es sind zwei Saiteninstrumente. Wir haben auch Vocals aufgenommen mit einem Performancekünstler der in Vietnam recht bekannt ist. Diese Vocalparts werden wir aber noch ziemlich verhackstücken. Insofern gibt es sogar ganz konkrete Sachen, die wir mitgenommen haben. Aber eigentlich ist alles sehr beinflussend. Schon allein hier in einen Club zu gehen, und zu sehen auf welchem Tempo hier die Popmusik läuft und wie das Design der Läden ist. Diese ganzen LED-Psychedelics zum Beispiel finde ich super spannend. Da fahre ich ziemlich drauf ab.
Crazewire: Also habt Ihr auch die Gelegenheit gehabt, außerhalb von euren Gigs auszugehen?
Jan: Ja, wir haben extrem viel gesehen. Ich bin so pickepackevoll mit neuen Einflüssen, ich muss jetzt auch echt nach Hause. Das geht allein schon beim Essen los - was du da für Information kriegst. Das muss der Körper erstmal verarbeiten. Es gibt soviel zu sehen. Eine Ausstellung über Opiumraucher in den Bergen. Dann hier irgendwelche Kampfsportveranstaltungen. Grade eben war auch das vietnamesische Fernsehen hier und hat uns irgendwelche absurden Fragen gestellt. Im Hintergrund ist auch noch eine Ausstellung irgendwelcher Bilder, Kitschgemälde - wo die herkommen weiß ich nicht. Nebenan läuft irgendeine Mucke und im Hintergrund unser vietnamesischer Support - es ist soviel auf einem Fleck was hier parrallel grade abgeht, das würde normalerweise echt für drei Tage reichen. Also jetzt nacheinander gerechnet - und das gefällt uns natürlich sehr gut.
Crazewire: Stichwort Hanoi - wie war euer Gig dort? Wie ist das Publikum hier in Vietnam? Ist das anders als in anderen Plätzen wo ihr bis jetzt gespielt habt?
Jan: Das Publikum ist immer unterschiedlich. Es hängt ja nicht nur von dem Land und der Stadt ab, sondern auch vom Ort in der Stadt und davon ob die Show gut promotet wurde. Hanoi gestern war echt super, denn irgendwann haben einfach alle getanzt.
Crazewire: Waren auch Stühle da? So wie hier?
Jan: Nee, gesessen hat glaub ich keiner. Und am Anfang war viel Neugier. Da waren Familien und verschieden Gruppen. Gruppen, die das auch kannten, und das hat man schon gemerkt. Die haben das Feuer im Publikum entfacht. Irgendwann sind die Leute dann auch einfach durch die Reihen durchgehüptft. Und dann durcheinander und schließlich war auch der Punkt an dem man wusste, wenn man jetzt noch länger hätte spielen können, dann wären die Leute warscheinlich auch auf die Bühne gekommen und irgendetwas wäre eskaliert - das hätten wir natürlich sehr gut gefunden aber es gab eben halt auch eine Sperrstunde - dennoch war es ein super Konzert. Ich glaube heute wird es viel schwieriger. Das Publikum sitzt jetzt ja schon mit einem riesen Abstand zur Bühne - aber mal gucken ob wir das irgendwie sprengen können.
Crazewire: Ihr habt ja schon länger kein Studioalbum mehr gemacht. Wann können wir mit einem neuen Album rechnen?
Andi: Wir sind gerade dabei, ein neues Album aufzunehmen. Wahrscheinlich war es auch schon mal fertig und wir haben es nur nicht gemerkt. Wir experimentieren viel und haben sehr viel Material. Wir müssen es nur noch auf den Punkt bringen. Wir haben vor es bis Ende dieses Jahres zu schaffen, so dass wir es im Frühjahr oder Mitte nächsten Jahres veröffentlichen können.
Crazewire: Wir sind schon gespannt und bedanken uns für das nette Gespräch.